Mehr Aufklärung Emsländische Landwirte rufen zur Teilnahme an Demo auf

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Messingen. Wenn am Samstag die Grüne Woche in Berlin startet, beginnt für die beiden Bauern Bernhard Barkmann und Thomas Ostendorf eine heiße Phase. Weil Umweltverbände, Tierschutzorganisationen und die Grünen unter dem Motto „Wir haben es satt“ eine Demonstration gegen die Landwirtschaft in ihrer heutigen Struktur planen, haben sie eine Gegendemo mitorganisiert. Und zwar unter dem Motto: „Wir machen euch satt.“

Das Smartphone ist für Bernhard Barkmann ein ständiger Begleiter. Den regelmäßig beteiligt er sich an Diskussionen um die heutige Landwirtschaft. Und zwar im Internet. Er und der aus Ochtrup im Münsterland stammende Landwirt Ostendorf machen das, was sie von allen Landwirten fordern: Sie wollen die Landwirtschaft und damit auch die Bauern ins Rampenlicht rücken, wollen als Landwirte und als Unternehmer wahrgenommen werden.

Dazu ist ihnen der direkte Kontakt wichtig. „Und den haben wir quasi vom Sofa aus über das Internet“, sagt Ostendorf. Ob Twitter, Facebook oder andere soziale Netzwerke, es vergeht kein Tag, an dem sich die beiden nicht mit weiteren Berufskollegen an Diskussionen beteiligen, Aufklärung betreiben und vor allem auf ihre Höfe einladen.

Aktiv arbeiten sie mit an der im vergangenen Jahr gestalteten Facebookseite „Frag doch mal den Landwirt“, oder den Twitter-Kanal „Bauernwiki“. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Ostendorf. Und bei Worten bleibt es nicht: Auf seinem Hof haben Besucher die Möglichkeit, jederzeit durch ein Fenster einen Blick in das Innere seines Schweinestalls zu werfen. Aufklärung vom Fachmann inklusive. Ostendorf ist sich sicher: „Die Landwirtschaft und die Bevölkerung, selbst in den Dörfern, haben sich entfremdet. Wir haben es verpasst, die Bevölkerung in den vergangenen zwanzig Jahren bei unserer Entwicklung mitzunehmen“, so der Landwirt.

Zwar könne sich ein Meinungsbild nicht innerhalb weniger Tage ändern, jedoch hätte der gesamte Agrarsektor diesen Schritt erkannt. „Mehr und mehr Landwirte nehmen an unseren Diskussionen teil“, sagt Barkmann. Vor gut zwei Jahren hatte er angefangen zunächst zögerlich, dann aber regelmäßig eine Internetseite zu betreiben und dort Fakten zur Landwirtschaft darzustellen. Als sogenannter Blogger auf seiner Seite Agrar Blog hat er mittlerweile täglich eine hohe Anzahl an Besuchern. „Politiker und Journalisten nutzen Twitter. Sehe ich einen entsprechenden Tweet, so antworte ich darauf, und komme so ins Gespräch“, erzählt Barkmann.

Wichtiger ist beiden jedoch der Kontakt zur Bevölkerung in naher Umgebung. „Wir wollen vor der Tür Aufklärung betreiben“, erzählt Barkmann. Ostendorf geht einen Schritt weiter. Er plant einen Presseraum, angegliedert an seinen Schweinestall, mit Blick auf die Tiere. Termine mit Journalisten und Besucher sollen dort stattfinden, nicht fernab der Ställe.

Wichtig ist beiden ebenso der Kontakt zu Schulen. Hier muss aufgeklärt werden. „Jeder Mensch in Deutschland nimmt an der fortschreitenden Technisierung teil, die Industrie entwickelt sich stetig fort, warum sollen aber Landwirte auf den Stand von vor vierzig Jahren zurückgestuft werden“, fragt sich Ostendorf. „Natürlich müssen wir Landwirte uns aber auch hinterfragen, ob unser Handeln immer korrekt ist“, sagt Barkmann. Wichtig ist ihm dabei der ehrliche Umgang damit. Seine Einladung an die Gesellschaft: „Redet mit uns.“

Genau diese Einladung möchten er und seine Berufskollegen auch in Richtung der Demonstranten in Berlin zurufen. Denn Umweltverbände und Tierschutzorganisationen rufen dort erneut unter dem Motto „Wir haben es satt“ zu einer Demo gegen die Landwirtschaft auf. Besonders verärgert sind Barkmann und Ostendorf über das Hilfswerk Misereor, das ebenfalls zur Teilnahme aufruft . „Sie sagen, sie richten sich mit ihrer Kritik nicht gegen einzelne konventionelle Landwirte, sondern setzen sich für eine bäuerliche Landwirtschaft ein, aber gerade dies tun wir doch“, meint Barkmann.

Noch immer seien im Emsland die meisten Betriebe Familien geführt. Ostendorf und seine Berufskollegen im Münsterland dokumentieren dies anhand von großflächigen Schildern und dem Foto der jeweiligen Familie am Straßenrand der Höfe. Über einen QR-Code gibt es weitere Infos zum Betrieb. „Auch im Emsland wollen wir dies einführen“, erzählt Barkmann. Doch zuvor plant er die Gegendemo in Berlin. Oder besser: Den Flashmob. Denn unter dem Motto „Wir machen Euch satt“, laden er und seine Kollegen am morgigen Samstag um 9 Uhr zu einem Treffen auf den Washington Platz in Berlin direkt am Hauptbahnhof ein. „Wir fordern, dass wieder mit uns und nicht über uns gesprochen wird“, sagen die Organisatoren. Und genau dies möchten die beiden Bauern Barkmann und Ostendorf und hoffen kräftige Unterstützung auch aus den Reihen der Junglandwirte: „Macht euch auf nach Berlin, zeigt, dass ihr offen seid für das Gespräch.“

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