Mehr „digitale Spendenaufrufe“ SOS-Kinderdörfer: Spendenaktion im Emsland endet 2015

Von Thomas Pertz

Die Niedersachsenaktion für SOS-kinderdörfer wird im nächsten Jahr beendet. Das Bild zeigt den Gründer der Aktion, Franz Rosen aus Emsbüren, bei der Einweihung des neuen SOS-Kinderdorfes in Mexiko City im April 2011.Die Niedersachsenaktion für SOS-kinderdörfer wird im nächsten Jahr beendet. Das Bild zeigt den Gründer der Aktion, Franz Rosen aus Emsbüren, bei der Einweihung des neuen SOS-Kinderdorfes in Mexiko City im April 2011.

Emsbüren. Die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer wird im nächsten Jahr beendet. Dies hat der Leiter und Gründer der Aktion, Franz Rosen, in einem Rundschreiben an Freunde und Gönner der Aktion mitgeteilt. Hintergrund ist eine Verschiebung der Sammelaktivitäten der Hilfsorganisation hin zu digitalen Quellen, aus denen bis 2020 rund 60 Prozent der Spendeneinnahmen erzielt werden sollen.

„Diesen Weg kann und will ich nicht mitgehen, zumal sich viele unserer SOS-Freunde bereits empört über die neue Art der Telefonwerbung bei mir beschwert haben“, schreibt Rosen. In einem Gespräch mit unserer Zeitung räumte er ein, dass angesichts des bevorstehenden Endes der Aktion „zuerst eine riesengroße Enttäuschung“ bei ihm da gewesen sei. Inzwischen sei er etwas gelassener geworden. „Wo eine Tür zugeht, da geht eine andere auf. Der Idee der SOS-Kinderdörfer bleibe ich immer verbunden“. Er gehe nicht im Zorn, aber mit den neuen Werbemethoden sei er nicht einverstanden, sagte der 67-jährige Emsbürener. Das Herz der Niedersachsenaktion habe aus den vielen kleinen Geldspenden und Aktionen bestanden.

Das aktuelle Projekt der Niedersachsenaktion, die Erneuerung des SOS-Kinderdorfes in Monrovia, der Hauptstadt Liberias, möchte Rosen natürlich noch zu einem erfolgreichen Ende führen. „Wir halten alle unsere Zusagen ein“, unterstrich der frühere Lehrer. Zehn neue Familienhäuser im SOS-Kinderdorf für das einst vom Bürgerkrieg und nun vom Ebola-Virus schwer getroffene Land hat die Niedersachsenaktion bereits finanziert. Auch das Geld für die vier Klassenzimmer in der neuen Schule ist bald zusammen. Gelder, die darüber hinaus gesammelt werden, möchte Rosen für die Verbesserung der Lebensumstände vor Ort verwenden.

In seinem Brief sprach der Emsbürener allen seinen tief empfundenen Dank aus, die die Aktion in all diesen Jahren unterstützt hätten.

Im näheren Umfeld von Rosen ist die Nachricht vom Ende der Niedersachsenaktion mit großer Betroffenheit aufgenommen worden. „Mit Entsetzen“ habe er den Brief gelesen, teilte Darmes Ortsbürgermeister Werner Hartke mit. Er erinnerte daran, dass die Aktion in dem Lingener Ortsteil seinen Anfang genommen habe. Rosen war 1977 als Junglehrer an der Hauptschule in Darme beschäftigt, als er in einer Pause im Lehrerzimmer ein Faltblatt in die Hände nahm. Von SOS-Kinderdörfern war da die Rede…

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Die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer begann im Jahr 1977. Der Emsbürener Franz Rosen war damals Lehrer an der Hauptschule in Darme, wo er in einer Pause im Lehrerzimmer erstmals von Hermann Gmeiner, Gründer der SOS-Kinderdörfer, und die gleichnamige Hilfsaktion las. Seitdem haben nach Angaben von Rosen über 120 Schulen und Kindergärten, rund 800 Vereine, Gruppen, Verbände, Firmen oder Clubs und unzählige Privatspender den Bau einer Schule in Inhambane/Mosambik, von 82 Familienhäusern in Ecuador, Chile, Mosambik, Lettland, Mexiko und Liberia sowie vier Klassenzimmern in Monrovia, der Hauptstadt Liberias, ermöglicht. Der heute 67-Jährige ist 2007 für seine Verdienste um die SOS-Kinderdörfer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Auch von der Hilfsorganisation selbst hat Rosen in den vergangenen Jahren hohe Auszeichnungen erfahren.