„Wenn der Bauer pfeift…“ In Emsbüren Buch zum Heuerlingswesen vorgestellt

Von Heinz Krüssel


Emsbüren. Als profunde und profilierte Kenner der Heimatgeschichte und der Heimatkultur haben Bernd Robben aus Emsbüren-Gleesen und Helmut Lensing aus Wietmarschen ihre Betrachtungen zum Heuerlingswesen in dem Buch „Wenn der Bauer pfeift, dann müsse die Heuerleute kommen“ veröffentlicht.

Die offizielle Vorstellung des 288 Seiten umfassenden Werkes fand im Heimathaus in Emsbüren statt. Moderator Heiner Reinert hieß dazu viele Fachleute und Interessierte aus der „Heimatforscherszene“ willkommen. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Panikorchester Emsbüren sowie Günter Janssen, Mitglied der ehemaligen bekannten Gruppe „Spökenkieker“.

„Es handelt sich um ein Lesebuch ebenso wie um ein Arbeitsbuch“, betonte Reinert, Vorsitzender des Kulturausschusses beim Landkreis Emsland. Fakten und Erfahrungen würden in einer gelungenen Symbiose vereinigt. Das Buch sei bislang in seiner Art einzigartig.

Die Entstehung des Buches ließ Bernd Robben Revue passieren. Der ehemalige Schulmeister freute sich besonders über die Anwesenheit von Franz Möller, gebürtiger Bramscher und Ehrenlandrat des Rhein-Siegkreises. Den langjährigen Bundestagsabgeordneten und Landrat bezeichnete Robben als „Anstifter und geistigen Vater“ der Recherchen.

Der Autor verhehlte nicht die vielfältigen Schwierigkeiten. Es sei nicht leicht gewesen, Zeitzeugen und Nachfahren der Heuerleute zu bewegen, ihr Wissen der Nachwelt preiszugeben.

Fragen nach der Art und Weise des Lebens, die Familienstrukturen, ihre Ein- und Nebeneinkommen sowie ihre Perspektiven nach der Auswanderung nach Amerika erläuterte Helmut Lensing. Aus Elbergen wanderte etwa die Hälfte der Bevölkerung aus.

Auch in der Region waren viele Nachfahren der Heuerleute erfolgreich, beispielsweise als Industrielle und Kaufleute. Beispielhaft nannte Lensing die Firma C&A. Der niederländische Historiker Jos Kaldenbach informierte in dem Zusammenhang über seine grenzüberschreitenden Forschungen.

Die Vorfahren „mütterlicherseits“ des Speller Unternehmers Bernard Krone waren Heuerlinge in Beesten. „Ich bin also auch ein Nachfahre von Heuerlingen“, erzählte Krone in seinem Grußwort. Er zollte den beiden Autoren Dank und Anerkennung für die Fleißarbeit: „Die Zukunft kann man nur gestalten, wenn man die Vergangenheit kennt“, betonte Krone. Er habe das Vorhaben gerne unterstützt.

Gespannt warteten die Besucher auf den angekündigten Ehrengast. Es war der ehemalige Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Präsident des Deutschen Jagdschutz-Verbandes und Mitglied des Deutschen Bundestags, Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Der Land- und Forstwirt von der Surenburg bei Riesenbeck stellte sich den Fragen von Bernd Robben. „Auch bei uns gab es Heuerleute“, so der Gast. Sie mussten wie üblich 100 Tage im Jahr für den Bauern arbeiten. „Einige Nachfahren der Heuerlinge wohnen heute schon in der vierten Generation im Ort.“

Er habe sich schon sehr früh bemüht, den Heuerleuten die Möglichkeit zu bieten, Eigentum zu bilden. Sie wurden zum Teil auch als Mitarbeiter fest angestellt. Seine Erinnerungen reicherte der 83-jährige Gutsherr mit zahlreichen Anekdoten an. Als „Ritter wider den tierischen Ernst“ im Aachener Karneval ist der Baron deutschlandweit als fröhlicher Zeitgenosse bekannt.

Abschließend würdigte der Vorsitzende des Emsländischen Heimatbundes, Hermann Bröring, das Buch. Es sei ein wichtiger Beitrag für die Aufarbeitung der Geschichte im Emsland entstanden. „Das Fundament für weitere Arbeiten ist geschaffen“, sagte Bröring.

Weitere Nachrichten aus Emsbüren finden Sie unter www.noz.de/emsbueren