Hubert Hölscher stellt Buch vor Eine Zeitreise durch das alte Emsbüren

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Emsbüren. Den „Plaggen Öhm“ kannte jeder in Emsbüren. Briefe von Bauern aus der Nachbarschaft mit Adressaten in Salzbergen, die er zur Post bringen sollte, brachte der rüstige Herr - von „Beruf“ geizig - selbst in den Nachbarort. Das eingesammelte Geld für die Briefmarken gab er auf seinem Fußmarsch in den Kneipen am Wegesrand aus. Hubert Hölscher hat viele solcher Geschichten auf Lager. Und noch mehr Bilder dazu. Der 71-jährige Heimatforscher und Sammler alter Fotos und Dokumente hat ein Buch herausgegeben. Es lädt zu einer Zeitreise durch das alte Emsbüren zwischen 1870 und 1950 ein, gespickt mit Hinweisen und Erklärungen zu den Fotos.

Am kommenden Freitag um 17 Uhr stellt der gebürtige Emsbürener das Buch im Rathaus vor. Parallel dazu werden dort großformatige Pläne und Bilder von Emsbüren und seinen Menschen aus „alter Zeit“ gezeigt.

„Alte Zeit – gute Zeit?“ Hölscher, Jahrgang 1942, verneint das. „Früher erschien das Leben leichter, war es aber nicht“, sagt er. Trotz harter Arbeit und Entbehrungen fand der Alltag für den Einzelnen in Emsbüren – und nicht nur dort – aber anders als heute weniger auf der Überholspur statt. „Es ging gemütlicher zu“, beschreibt er abendliche Treffen auf dem Bürgersteig bei einem Klönschnack oder am Herdfeuer im Haus. Schützenfest, Winterfest und Kirmes seien die „drei Feiertage“ im Dorf gewesen.

Und gefeiert wurde schon in alten Zeiten kräftig in Emsbüren. Hölscher zeigt auf ein altes Foto der Gaststätte Plagge. 14 Kneipen habe es zwischen Plagge und dem Gasthaus Evering gegeben. „Die Emsbürener beten den Kreuzweg“ sei damals ein oft gehörter Spruch gewesen, wobei die 14 „Stationen“ weniger dem Gebet und mehr der fröhlichen Einkehr dienten, erzählt der Heimatforscher.

Hubert Hölscher kennt jeden in Emsbüren und jeder kennt ihn. Deshalb bringen ihm Bürger manchmal tüten- oder kartonweise alte Bilder vorbei. Rund 2000 hat er bereits digitalisiert. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Bis hin zum Sutton Verlag mit Sitz im thüringischen Erfurt. „Herr Hölscher, wir würden gerne mit Ihnen ein Buch machen“, hieß es vor einigen Monaten. Natürlich war er gleich Feuer und Flamme, bot sich doch dadurch die Möglichkeit, seinen Fundus an Bildern und Geschichten dem Leserkreis in einer handlichen Form zu präsentieren. Das Problem war allerdings, die richtige Auswahl unter den über 2000 Fotos zu treffen. 170 sollten es sein. „Das Buch ist in verschiedene Kapitel gegliedert“, erzählt Hölscher. So geht es um Menschen aus Emsbüren, Gaststätten und Geschäfte, außerdem um die Themen Straßen und Feiern.

Der besondere Charme des Buches liegt in der Verknüpfung von Foto und Geschichte dazu. Hölscher ist ständig zur Recherche unterwegs, um die Bilder zum Sprechen zu bringen. Bei Johanna Teismann zum Beispiel, über 90 Jahre alt, ist er häufiger zu Gast. „Ihr lege ich ein Foto hin und sie rasselt die Namen der Personen darauf runter. So schnell kann ich gar nicht schreiben.“

Warum macht er sich die ganze Arbeit? „Die Liebe zu meiner Heimat“, sagt er spontan und bleibt beim Blättern im Buch bei der „Naisterstante“ hängen, eine Näherin im Dorf, die nur Platt sprach. Und beim Bild von der Gaststätte Rakel, später Barkeling, die 1945 durch die Explosion von Munition in die Luft flog. Es gab Tote. Kurz vorher war die Mutter von Hölscher mit ihm als Kleinkind am Haus vorbeigekommen. Ein Foto mit ihr und dem Jungen im Kinderwagen zeigt es.

Das Buch erscheint in einer Auflage von 1000 Stück zum Preis von 19.99 Euro. Ein zweites hat der Emsbürener bereits im Kopf. Dann soll es verstärkter um die Ortsteile gehen. Und die Geschichten dazu wird der Heimatforscher auch erzählen.


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