Talent auf und hinter der Bühne Was passiert hinter den Kulissen des Emsbürener „Hamlets“?

Bis zuletzt wird an den Kulissen des Emsbürener Freilufttheaters gewerkelt - mit dabei sind Daniel Klünemann (links), Christian Beirer alias „Yeti" und Arielle Hüsing. Foto: Anne BremenkampBis zuletzt wird an den Kulissen des Emsbürener Freilufttheaters gewerkelt - mit dabei sind Daniel Klünemann (links), Christian Beirer alias „Yeti" und Arielle Hüsing. Foto: Anne Bremenkamp

Emsbüren. Das Leben von Schauspielern ist schöpferisch und intensiv. Umso viel mehr gilt das für die Laienschauspieler des Theaterensembles Emsbüren, die nicht nur auf der Bühne ihren anspruchsvollen Rollen gerecht werden müssen, sondern zeitgleich auch hinter den Kulissen „Marke Eigenbau“ die Fäden ziehen.

Die Aufführungen

Die Termine für "Hamlet - Dänen am Rande des Nervenzusammenbruchs" auf dem Heimathof Emsbüern:
  • Freitag, 23. August, 19.30 Uhr, Premiere
  • Samstag, 24. August, 19.30 Uhr, Ladies Night
  • Sonntag, 25. August, 19.30 Uhr
  • Freitag, 30. August, 19.30 Uhr
  • Samstag, 31. August, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 1. September, 16 Uhr

Karten zum Preis von 10 Euro (Kinder 5 Euro) sind erhältlich in Emsbüren bei 1x1-Schulbedarf (Markt 5) und beim VVV (Dalhok 14).

Shakespeares „Hamlet“ in einer erfrischend anderen Interpretation steht in diesem Jahr auf dem Emsbürener Spielplan. Die Auswahl des jeweiligen Theaterstücks obliegt Peter Wallgram, Regisseur an den Wuppertaler Bühnen, der seit 2013 auch Intendant des kultigen Emsbürener Freilufttheaters auf dem Heimathof ist. Zwei Wochen vor der Premiere reist er alljährlich an und dann stehen für alle Akteure jeden Abend ab 18 Uhr Proben auf dem Programm.

Regisseur Peter Wallgram, Spielleiter des Emsbürener Freilufttheaters am gigantischen Totenschädel „Marke Eigenbau“. Foto: Anne Bremenkamp

„Ich erwarte dann, dass jeder seinen Text gelernt hat. Denn die Erfahrung lehrt: Wer seinen Text nicht kann, der kann auch nicht proben“, sagt Wallgram, der jedoch seine Schauspielschar lobt für ihren Ehrgeiz, ohne dass der Spaß dabei zu kurz kommt. Das Umschreiben des Theaterstücks zu einer auf Emsbüren gemünzten Fassung übernimmt der Regisseur ebenso wie die Rollenverteilung. Oft hat er die passende Besetzung sofort im Sinn. Wallgram sagt:

Hamlet ist natürlich eine Monster-Rolle mit wahnsinnig viel Text, da muss viel Zeit investiert werden.

Der Regisseur achtet bei den Absprachen mit dem Ensemble darauf, dass in möglichst vielen Rollen auch die Texte möglichst gut verteilt sind. Eine erste Leseprobe zum aktuellen Stück fand schon im Februar statt. Und weil im Theater alles erlaubt ist, wird Hamlet in Emsbüren von einer Frau in Person von Ina Ahlering gespielt und der Geist von Hamlets Vater vom derzeit jüngsten Ensemble-Mitglied, der 13-jährigen Sieke Hüsing. Ihr hübsches Gesicht wird dann von einem gigantischen Totenschädel, gefertigt aus Pappmaché, Gipsbandagen und Hasengitter, überschattet.

Mit dem Totenkopf im Zug

Der unheimlich anmutende Totenkopf in XXL-Maßen reiste mit seinem Macher Christian Beirer, Künstlername „Yeti“, mit dem Zug aus Innsbruck an. „Der Schädel war nicht kompatibel mit der Platzablage, also ist er bequem auf meinen Sitzplatz gereist. Die Mitreisenden haben es mit Humor genommen“, erzählt „Yeti“ lachend, Er ist als freier Künstler federführend für das Bühnenbild verantwortlich ist und gemeinsam mit dem Theaterensemble immer noch eifrig an der Kulisse werkelt.

Eine Herausforderung ist beispielsweise die Gestaltung des düsteren Leichenwagens, auf dessen Chassis auch der prunkvolle Thronwagen seinen Platz finden soll. Das Gerüst für die wandelbare Bühne steht bereits dank der Tatkraft des Theaterensembles und mit Unterstützung der Firma Kleihues Beton.

Die Burg entsteht noch

Dass aber in vier Tagen dort die Burg Elsinore ihre Zinnen erhebt oder dem Publikum auf dem Friedhof eine Totengräberszene Schauer über den Rücken rieseln lässt, ist noch nicht zu erkennen. Verschiedene Vorhänge, die in der Bühne eingehängt werden können, werden derzeit noch bemalt, damit die Szenerien ebenso schnell gewechselt werden können wie die zum Teil selbst genähten Kostüme, allesamt kreiert mit Witz und Esprit.

„Uns kommt zugute, dass wir möglichst wenig Requisiten verwenden, das Theaterspiel steht im Vordergrund“, sagt Wallgram, wähtend er einen dennoch mit allerlei Gerätschaften gefüllten Raum zeigt. Denn ganz ohne Theatertechnik kommt man auch unter freiem Himmel nicht aus.

Ploppen im Publikum

Dass es während der insgesamt sechs Aufführungen möglichst trocken bleibt, darauf hoffen natürlich alle. „Falls der Regen nur so strömen sollte, müssen wir leider abbrechen“, meint Wallgram, der aber optimistisch bleibt. Und feuchtfröhlich darf es gerne werden, denn nicht nur Hamlets Mutter Königin Gertrud liebt den Sekt, auch bei der legendären „Ladies Night“ wird dem spritzigen Getränk nur zu gerne gefrönt. „Dann hört man im Publikum ständig ein Ploppen und im Anschluss entsorgen wir aus den Rängen oft mehr als 100 Sektflaschen“, schmunzelt Wallgram. Und so wird ein Zitat aus „Hamlet“ in Emsbüren nicht notwendig zu hören sein: „Wir woll´n Euch wacker trinken lehren, ehe Ihr abreist.“


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