„Brennpunkt Kirche“ in Emsbüren Diskussion und Vorschläge für eine gelingende Zukunft

Trotz ernster Themen wurde auf dem von den vier Pfarrgemeinderäten des Kirchspiels Emsbürens erstmalig mutig ausgerufenen Themenabend „Brennpunkt Kirche“ auch viel gelacht. Im Bild v. l. Pfarrer Stephan Schwegmann und seitens der vier Pfarrgemeinderäte Eva-Maria Theissing (Engden), Steffi Weiß (Listrup), Astrid Tönnis und Matthis Otten (Emsbüren) sowie Christel Mönnich (Elbergen). Foto: Anne BremenkampTrotz ernster Themen wurde auf dem von den vier Pfarrgemeinderäten des Kirchspiels Emsbürens erstmalig mutig ausgerufenen Themenabend „Brennpunkt Kirche“ auch viel gelacht. Im Bild v. l. Pfarrer Stephan Schwegmann und seitens der vier Pfarrgemeinderäte Eva-Maria Theissing (Engden), Steffi Weiß (Listrup), Astrid Tönnis und Matthis Otten (Emsbüren) sowie Christel Mönnich (Elbergen). Foto: Anne Bremenkamp

Emsbüren. Auf dem von den vier Pfarrgemeinderäten des Kirchspiels Emsbüren initiierten Themenabend „Brennpunkt Kirche“ diskutierten mehr als 50 Interessierte in der Mensa der Hauptschule in konstruktiven Gesprächen über die Glaubens- und Glaubwürdigkeitskrise in der katholischen Kirche.

„Wir möchten uns aktiv für unseren Glauben einsetzen und die Missstände in der katholischen Kirche nicht weiter hinnehmen“, unterstrich Bram Heuschen als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Emsbüren in seiner Begrüßung die Motivation für den Themenabend „Brennpunkt Kirche“,  auch im Namen der Pfarrgemeinderäte aus Elbergen, Engden und Listrup. Seine „Kollegin“ Astrid Tönnis verwies auf den Auslöser einer gemeinsamen Klausurtagung gewesen: Statt Lob und Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement in Pfarrgemeinderäten erfahre man oftmals eher Unverständnis und Ablehnung. Angesichts steigender Kirchenaustritte, demografischer Entwicklung, fehlender Gottesdienstbesucher und leerer Priesterseminare höre man sogar Bemerkungen wie „Wieso machst Du denn da noch mit? Das Schiff ist doch am Sinken.“ 

Dialog zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen

Astrid Tönnis betonte daher: „Wir wollen nicht einfach nur am Rand stehen und dem Untergang stillschweigend zuschauen, wir wollen kämpfen für eine Kirche, wie wir sie wollen.“ Der Themenabend solle im gemeinsamen Dialog Missstände benennen, Möglichkeiten der Veränderungen und Wünsche aufzeigen. Dies auch, damit die ehrenamtlich Aktiven aus den Pfarrgemeinderäten wissen, was den Gemeindemitgliedern im Kirchspiel unter den Nägeln brennt und wie sie ihren Job besser machen können. Tönnis dankte insbesondere auch Pfarrer Stephan Schwegmann, der dem mutig ausgerufenen Themenabend „Brennpunkt Kirche“ äußerst offen gegenüber stand und seine Hoffnung äußerte, dass der unverblümte Dialog zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sowie den Menschen aus den Emsbürener Kirchengemeinden auch weitergeführt werde.

Moderiert wurde der kritische, teils auch emotionale, aber stets sachliche Abend seitens des Bistums Osnabrück von den Referenten Maria Bruns und Jürgen Veldboer. In einer kurzen Stellungnahme der Pfarrgemeinderatsmitglieder Christel Mönnich (Elbergen), Eva-Maria Theissing (Engden), Steffi Weiß (Listrup) und Matthis Otten (Emsbüren) kam zwar zur Geltung, dass die katholische Kirche im Kirchspiel Emsbüren positiv erlebt wird und sie in vielen Belangen eine Bereicherung ist, Rückhalt bietet und wichtig für die Gemeinschaft ist. Aber es klang auch Ärger durch gegenüber der Weltkirche, beispielsweise mit Blick auf das starre kirchliche Machtgefüge, den sexuellen Missbrauch und das Decken der Täter, Finanzskandale, die unterdrückte Rolle der Frau sowie die Sexual- und die Doppelmoral der Kirche, die nicht selten selbst „Wasser predigt und Wein trinkt“.

Arbeitsgruppe formuliert Wünsche

Die sich anschließende Diskussion in kleinen Arbeitsgruppen brachte unter anderem folgende Wünsche für eine gelingende Zukunft der katholischen Kirche zum Ausdruck: Sie solle lebensnaher werden und die Herzen der Menschen und insbesondere der Jugend ansprechen, z. B. auch durch Laienpredigten. Die Zölibats-Pflicht solle abgeschafft, Frauen zur Priesterweihe zugelassen und daher auch in Emsbüren in Kooperation der kfd und dem Kolping die Initiative Maria 2.0 gestartet werden. Die Macht der Weltkirche solle nicht nur den alten Männern der Obrigkeit, sondern auch der unteren Basis gehören. Die katholische Kirche müsse endlich das System des Schweigens gegenüber den Missbrauchsfällen brechen. Und sie müsse ohne jede Ausgrenzung die Lebenswirklichkeit aller Menschen in den Blick nehmen und jeden einzelnen als Individuell und vollkommen betrachten. Eben als das, was alle Menschen sind: Gottes Schöpfung.



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