Aus der Maschinenfabrik Paus Elektromobilität für den Bergbau aus Emsbüren

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Bringen viel Energie in ihr Unternehmen ein: Franz-Josef und Wolfgang Paus (von links). Foto: Thomas PertzBringen viel Energie in ihr Unternehmen ein: Franz-Josef und Wolfgang Paus (von links). Foto: Thomas Pertz

Emsbüren. Klobig sieht er aus, robust ebenfalls. Da fällt umso mehr auf, dass er nichts von sich hören lässt. Lautlos ist der „MinCa 5.1“ auf dem Gelände der Emsbürener Maschinenfabrik Paus unterwegs. Das Fahrzeug für den Material- und Personentransport im Bergbau gibt es neben einer Hybrid- auch in einer Elektrovariante.

Elektromobilität unter Tage, wo eine gute Sauerstoffumgebung überlebenswichtig ist: genau die richtige technologische Herausforderung für das Familienunternehmen. Hermann Paus hatte die Maschinenfabrik, die sich insbesondere als Hersteller von Fahrzeugen für den Berg- und Tunnelbau weltweit einen Namen gemacht hat, im Jahr 1968 gegründet. Erst vor wenigen Wochen hat das Unternehmen seinen 50. Geburtstag gefeiert.

Aus einer Handvoll Mitarbeitern beim Start sind heute rund 270 geworden – Spezialisten in einem hoch technisierten und innovativen Werk, das von den beiden Brüdern Wolfgang und Franz-Josef Paus in der zweiten Generation geführt wird. Diplom-Kaufmann Wolfgang Paus deckt die betriebswirtschaftliche Seite ab, sein Bruder Franz-Josef als Ingenieur die technische. Das Unternehmen geht 2018 von einem Umsatz in Höhe von 50 bis 55 Millionen Euro aus.

Ein paar Runden auf dem Werksgelände

Thomas Brüggemann, Betriebsratsvorsitzender im Unternehmen, dreht mit dem „MinCa“ eine kleine Runde über das Werksgelände. Das Fahrzeug mit einer Nutzlast von 1,2 Tonnen ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Maschinenfabrik mit dem finnischen Unternehmen Danfoss Mobile Electrification, das den elektrischen Antriebsstrang liefert. Eine Leistung von 50 kW bringt der „MinCa“ laut Leistungsbeschreibung in der Elektroversion. Der Akku stellt Energie für drei bis vier Stunden bereit.

Elektromobilität ist in der Automobilindustrie aktuell das zentrale Thema. Stückzahlen, mit denen dort pro Jahr europaweit gerechnet werde, würden in die Millionen gehen, sagt Ingenieur Franz-Josef Paus. Deutlich kleiner seien diese Zahlen für den Bereich Landmaschinen – und noch kleiner bei Fahrzeugen, die in den Bergwerken 1000 Meter und tiefer unter der Erde unterwegs sind. Das Emsbürener Unternehmen geht hier eher von Stückzahlen in einer Größenordnung von 2000 jährlich aus – weltweit.


Fahrzeuge für den Tunnel- und Bergbau sind eine Spezialität des emsländischen Unternehmens Paus. Foto: Paus


Lohnt sich da überhaupt der Forschungs- und Innovationsaufwand, um aus dem Prototyp „MinCa 5.1“ ein elektrobetriebenes Serienfahrzeug zu machen? Beide Brüder nicken. Das Besetzen von Nischen ist die Stärke von Paus. Den Nachweis der technologischen Machbarkeit zu führen und daraus gleichzeitig ein Geschäftsmodell zu entwickeln ist immer wieder eine Herausforderung, die der Betriebswirt und der Ingenieur brüderlich regelmäßig ausdiskutieren – und am Ende zu einem guten Ergebnis kommen, wie die weltweiten Geschäftsbeziehungen des Unternehmens belegen. Über 80 Prozent der Fahrzeuge „made bei Paus“ gehen in den Export.

Beitrag zur Kostensenkung

In Kanada ist die Nutzung von Dieselfahrzeugen in einigen Minen aus gesundheitlichen Gründen bereits verboten worden. Auch im Bergbau kann die emissionsfreie Mobilität also ihre Vorteile ausspielen. Neben dem Gesundheitsschutz tragen Elektro-Minenfahrzeuge zur Senkung der Kosten für Kraftstoffe und Lüftungssysteme unter Tage bei. „Der Dieselmotor stößt nicht nur Abgase aus, sondern gibt auch Wärme ab“, erläutert Franz-Josef Paus. Zusätzlich zur frischen Luft müsse dem Bergwerk also auch kalte Luft zugeführt werden. Die Elektrifizierung von Fahrzeugen könne eine Kostensenkung herbeiführen.

Das elektrobetriebene Fahrzeug allein macht aber noch nicht die Entscheidung für seinen Einsatz aus. „Das ganze Umfeld muss aus der Sicht des Kunden stimmen“, beschreiben die Paus-Brüder die Komplexität des Themas. So seien die Ladezeiten beim Einsatz von Bleibatterien deutlich länger als bei Lithiumbatterien, Letztere aber teurer. „Bei einem Untertage-Radlader mit sechs Tonnen Nutzlast kostet die Batterie mit 250 000 Euro fast so viel wie das ganze Fahrzeug“, erläutert Franz-Josef Paus. Wenn der Einsatz von Elektromobilität günstiger wäre, hätte sie auch mehr Befürworter, betont sein Bruder Wolfgang.

Nischenlösungen als Spezialität

Als kleiner Hersteller zieht Paus aber insbesondere aus Nischenlösungen mit geringen Stückzahlen seine Stärke. Genau aus diesem Grund konzentriert sich das Unternehmen auch auf das Thema Elektromobilität, um im entscheidenden Moment mit marktreifen Lösungen aufwarten zu können. Das Familienunternehmen hat seine Entwicklungsabteilung im Bereich E-Kompetenz mehr als verdoppelt. Die Batterie vor den Motor setzen und schon läuft es – mitnichten. Wenn es so einfach wäre, könnte es ja auch jeder, heißt es bei Paus.

Die Emsbürener werden den „MinCa 5.1.“ nächstes Jahr auf der „bauma“ vorstellen, der weltweit bedeutendsten Messe der Baumaschinen- und Bergbaumaschinenbranche in München. In Deutschland ist Paus aktuell nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen, das zum Thema Elektromobilität bei Bergbaufahrzeugen unter Tage intensiv tüftelt, entwickelt, ausprobiert, forscht. „Wenn einer das kann, dann ihr“, hat das Familienunternehmen im Laufe seiner nunmehr 50-jährigen Familiengeschichte schon häufiger gehört.

„In Kanada wird es losgehen, da ist das Interesse am größten“, prophezeit Franz-Josef Paus. Aber auch innerhalb Europas sieht sein Bruder Wolfgang Exportmöglichkeiten. Wenn beide recht behalten, wird der „MinCa 5.1.“ schon bald nicht mehr der Einzige sein, der auf dem Paus-Gelände in Emsbüren steht.


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