Experten aus Hannover kommen Meter tiefe Löcher: Darum gleicht Emsbüren einer Mondlandschaft

Meine Nachrichten

Um das Thema Emsbüren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Fünf Meter ist das Loch tief, das in der Nacht von Montag auf Dienstag auf der Ackerfläche der Familie Kajüter entstanden ist.Fünf Meter ist das Loch tief, das in der Nacht von Montag auf Dienstag auf der Ackerfläche der Familie Kajüter entstanden ist.

Emsbüren. Der Emsbürener Ortsteil Ahlde gleicht seit Dienstag einer Mondlandschaft. Löcher mit einer Tiefe bis zu fünf Metern sind auf einer Ackerfläche zu sehen. Entstanden innerhalb nur von wenigen Stunden – und von alleine.

Es war 7.25 Uhr, als Christoph Kajüter am Dienstagmorgen mit seinem Jagdhund das Haus an der Straße Ahlde verließ. Als er an der Ackerfläche vorbeikam, weniger als 100 Meter vom Wohnhaus entfernt, traute er seinen Augen nicht. Mitten auf dem Feld entdeckte er ein Loch, rund fünf Meter tief und mit einem Durchmesser von 15 Metern.  Kajüter drehte um. In Windeseile brachte er seinen Hund in den Zwinger zurück und rief bei der Gemeinde Emsbüren an. Es sollte nicht der letzte Anruf sein, denn nur wenige Stunden später, gegen 13 Uhr, tat sich ein weiteres Loch auf.

Keine Erdfälle zuvor in Emsbüren bekannt

"So etwas hatten wir in Emsbüren noch nie", sagt Bürgermeister Bernhard Overberg, als er am Mittwochmittag mit seinen Kollegen Uwe Hilling (Fachbereichsleiter Bauen, Planen, Sport, Ordnung und Liegenschaften) sowie Ernst Müller (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters) in seinem Büro sitzt. "Wir sind doch kein Bergbaugebiet?", sagt Hilling und ist genauso ratlos wie seine Kollegen über die Ursache des Kraters. Tags zuvor waren sie bereits in Ahlde am Ort des Geschehens, haben das fünf-Meter tiefe Loch sowie das etwa 30 Meter entfernte Loch, das einen halben Meter Tiefe misst, abgesichert. Nicht nur der Kreis Emsland und die untere Wasserbehörde wurden informiert. Auch der Trink- und Abwasserverband, denn in dem betroffenen Gebiet wird laut Overberg Trinkwasser gewonnen. Zusätzlich wurde das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eingeschaltet. 

Schapen war auch schon betroffen

Dort, in Hannover, werden erdfallgefährdete Gebiete in Niedersachsen erfasst. Im Umfeld von Ahlde waren bisher keine Erdfälle bekannt, teilt ein Sprecher auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Die nächstgelegenen bekannten Erdfälle lagen rund 15 Kilometer entfernt nahe Schapen. "Allerdings ist unsere Datenbasis nicht vollständig, da insbesondere kleinere Ereignisse häufig nicht gemeldet werden."  Problematisch, denn: Je mehr solcher Vorgänge bekannt werden, so der Sprecher, um so dichter kann das Netz an Informationen über die Tragfähigkeit der Niedersächsischen Landschaft geknüpft werden.



Nur Stunden später hat sich ein zweites Loch gebildet. Risse an der Erdoberfläche sind deutlich zu sehen. Foto: Felix Reis


Laut LBEG können Kalk-, Gips- oder Salzgesteine durch zirkulierendes Grundwasser gelöst und ausgelaugt werden. Insbesondere Sulfate, Gipsstein oder Anhydrit sind wegen ihrer zahlreichen Spalten und Klüfte gut durchlässig für Grundwasser. Ausgehend von Klüften und Spalten entstehen in der Tiefe durch das lösende und erodierende Grundwasser kleine Höhlensysteme. Erweitern sich diese Systeme im Laufe der Zeit, können die Höhlendecken einbrechen. Setzen sich diese Einstürze dann bis an die Erdoberfläche fort, bilden sich Erdfälle – wie in Emsbüren.

Ackerfläche in Ahlde nun Gefahrengebiet

Wann sich der große Hohlraum zu bilden begann, lässt sich nicht sagen. Klar ist nur, dass die Decke darüber dünn war und in der Nacht auf Dienstag dann eingesackt ist. Christoph Kajüter, der die Erdlöcher auf seiner Ackerfläche derzeit nicht aus dem Auge lässt, sagt, dass das Erdreich sich dort noch immer bewegt: "Das neue Loch ist geringfügig größer geworden." Seine Familie und er haben Sorge, dass weitere Löcher entstehen – im schlimmsten Fall unter dem Wohnhaus. Eine Sorge, die berechtigt ist, sagen die Experten vom LBEG. In Gefahrengebieten, zu denen von nun auch die Ackerfläche in Ahlde zählt, sei dies durchaus möglich. Denn: Unterirdische Hohlräume gibt es viele. Wann sie aufbrechen, lässt sich weder zeitlich noch räumlich vorherbestimmen. 

Infos für Bauherren

Deswegen sei die Meldung eines Vorfalls so wichtig, sagen die Experten aus Hannover. Flächen und Bauwerke werden in einer Gefahrenhinweiskarte  – abhängig von der Tiefenlage löslicher Gesteine und der Erdfallhäufigkeit – in Erdfallgefährdungskategorien  von eins (keine wasserlöslichen Gesteine im Untergrund bekannt) bis sieben (junger oder aktiver Erdfall) eingestuft. Bauherren wissen dann über die Gefahren des Geländes Bescheid und können mögliche Gebäudeschäden bei kleineren Erdfällen durch eine angepasste Bauweise verhindern.

Laut Bernhard Overberg ist ein Ortstermin mit Experten in der kommenden Woche geplant. Bis dahin werden die Löcher beobachtet. Findet keine weitere Absackung statt, soll die Vertiefung aufgefüllt werden. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN