Verhandlungen mit der Bahn Perspektive für Bahntunnel in Leschede

Meine Nachrichten

Um das Thema Emsbüren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Abweichende Vorstellungen vom Bahntunnel in Leschede. Quelle: Gemeinde Emsbüren/Foto: Sven Lampe/Grafik: NOZ/Heiner WittwerAbweichende Vorstellungen vom Bahntunnel in Leschede. Quelle: Gemeinde Emsbüren/Foto: Sven Lampe/Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Emsbüren. Bekommt Emsbüren doch noch den lang ersehnten Bahntunnel? Nach einer offensichtlichen Kehrtwende der Deutschen Bahn schimmert nun zumindest so etwas wie ein Licht am Ende des Tunnels. Details und das weitere Vorgehen wurden jetzt vor rund zwei Dutzend Zuhörern im Ortsrat Leschede vorgestellt.

Ob es den Bahntunnel eines schönen Tages tatsächlich geben wird, ist zwar etwas wahrscheinlicher geworden, aber weiterhin offen. Denn an einem entscheidenden Punkt klaffen die Vorstellungen der Gemeinde und der Vorschlag der Bahn weit auseinander. Laut Bürgermeister Bernhard Overberg und Ortsbürgermeister Marcus Drees stehen die wohl entscheidenden Verhandlungen zwischen der Kommune und der Bahn noch ganz am Anfang.

Worum geht es? Die Bahn-Tochter DB Netz hatte noch vor etwa einem halben Jahr verlauten lassen, dass sie zwar Geld für den Tunnel in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen habe, allerdings nicht als Initiator des Projektes auftreten wolle. Hintergrund ist, dass die Kosten eines solchen Vorhabens laut Eisenbahnkreuzungsgesetz (EKrG) von Bahn, Land und Bund zu je einem Drittel übernommen werden nach dem Motto, wenn einer etwas möchte, müssen die anderen mit bezahlen. Die Rede ist von Gesamtkosten in Höhe von etwa 15 bis 18 Millionen Euro. Mittlerweile hat bei der Bahn offensichtlich ein Umdenken eingesetzt. In einem Schreiben an die Gemeinde kündigte das Unternehmen offiziell an, als Veranlasser der Maßnahme auftreten zu wollen.


Der beschrankte Bahnübergang an der L 40 in Emsbüren könnte durch einen Tunnel ersetzt werden. Foto: Sven Lampe


Sanierung notwendig

Geld müsste die Bahn eh in die Hand nehmen, da sowohl der beschrankte Bahnübergang an der L40 als auch der benachbarte Übergang an der L58 am Bahnhof mittlerweile gut 40 Jahre auf dem Buckel haben und bis 2026 für dem Vernehmen nach rund fünf Millionen Euro saniert werden müssen. Die Bahn hatte darüber hinaus stets betont, dass - sollte es je einen Tunnel geben - im Gegenzug einer der beiden betroffenen Bahnübergänge komplett geschlossen werden müsste.

Nach Gesprächen der Beteiligten hat die Bahn nun einen Vorschlag vorgelegt, wie sie sich das Projekt in Emsbüren vorstellen kann. Die „aktuelle Vorzugsvariante“, wie die Bahn es nennt, bezieht sich auf eine Machbarkeitsstudie, die 2013 vor der Gemeinde Emsbüren in Auftrag gegeben worden war. Kurz gesagt möchte die Bahn an der L40 einen Tunnel für Kraftfahrzeuge bauen und den beschrankten Bahnübergang am Bahnhof (L58) komplett schließen. An dessen Stelle soll nach den Vorstellungen der Bahn ein Tunnel für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden.

Die Gemeinde Emsbüren geht mit ihren Vorstellungen einen Schritt weiter: Sollte der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung der einstimmig gefassten Beschlussvorlage des Ortsrates folgen, würde die Kommune die Bahn auffordern, an der L40 einen Kfz-Tunnel mit Rad- und Fußgängerlösung zu schaffen und unter Beibehaltung des beschrankten Bahnüberganges an der L58 dort ebenfalls einen Rad-/Fußgängertunnel zu bauen. Der beschrankte Übergang am Bahnhof ist aus Sicht der Gemeinde unverzichtbar. Sollte dort kein Seitenwechsel für Kraftfahrzeuge mehr möglich sein, so die Befürchtung der Verantwortlichen in Emsbüren, wären sowohl die Standorte der Nahversorger am Bahnhof als auch der eines „mit viel Mühe angesiedelten“ Baumarktes stark gefährdet. Die L58 als Alternativstandort für einen Tunnel anstelle der L40 kommt aus bautechnischen und strukturellen Erwägungen nicht in Frage.

Wie Bürgermeister Overberg es formulierte, handelt es sich der Variante der Kommune um die „Maximalforderung“. Nun hoffen die Emsbürener, dass die Bahn noch mit sich reden lässt.Ortsbürgermeister Marcus Drees sprach davon, dass sich die Gemeinde nun auf einer „Gratwanderung“ befinde. Denn, so die einhellige Befürchtung im Ortsrat, was geschieht, wenn die Bahn auf ihre Forderung besteht und die Gespräche beendet? Dann, so die parteiübergreifende Überzeugung, würde die Bahn die jetzigen beschrankten Bahnübergänge sanieren und das Thema Bahntunnel wäre wohl für Jahrzehnte vom Tisch. Daher müsse Emsbüren alle denkbaren Optionen berücksichtigen.

Hohe Kosten

Bleibt die Frage des Geldes. Der Tunnel an der L40 an sich würde nach dem beschrieben EKrG-Prinzip bezahlt. Aber auch dabei gibt es einen Haken für die Gemeinde. Die von den Emsbürenern aus Gründen der Verkehrssicherheit gewünschte Ergänzung des Tunnels an der L40 um eine Lösung für Radler und Fußgänger müsste die finanziell nicht eben auf Rosen gebettete Kommune aus eigenen Mitteln bezahlen. Ähnlich sieht es bei dem kleinen Fuß-/Rad-Tunnel am Bahnhof aus. Auch dort könnten laut Bürgermeister Overberg hohe Kosten auf die Kommune zukommen. Derzeit sei völlig offen, ob und wenn ja, in welchem Umfang sich die Bahn an den Kosten beteiligen würde. Unabhängig von den Fuß-/Radwegen kämen im Falle eines wie auch immer gearteten Tunnelbaus Kosten auf die Gemeinde zu, sagte Overberg. Denn die Finanzierung über das EKrG umfasst lediglich den Tunnel als solchen. Für die weitere Infrastruktur wie beispielsweise Straßenanbindungen müsste zumindest anteilig die Gemeinde selbst aufkommen. Dabei dürfte Emsbüren zugute kommen, dass der Landkreis Emsland bereits Fördermittel in Höhe von einer Million Euro in Aussicht gestellt hat.


Der Bahnübergang Tiggelwerkweg könnte Teil der Ortsumgehung "Südspange" in Emsbüren sein. Foto: Sven Lampe


„Südspange“

Parallel zu der konkreten Frage eines Bahntunnels waren sich die Ortsratsmitglieder parteiübergreifend darüber einig, dass die Planungen für die sogenannte „Südspange“ vorangetrieben werden sollen. Die Ortsumgehung soll abgehend von der L40 am Gewerbegebiet Rampool über den Napoleondamm bis zur Abzweigung des Tiggelwerkweges weiter in Richtung der Gewerbegebiete an der Autobahn A31 in Ahlde führen. Diese könne, ob Tunnel oder nicht, einen Beitrag dazu leisten, zumindest den Schwerverkehr aus dem Emsbürener Ortskern fernzuhalten. Denn, so hieß es, wenn es den L40-Tunnel gäbe, würde er ohne attraktive Umgehungsmöglichkeit quasi dazu einladen, auf direktem Wege durch den Ort zu fahren. Die lange diskutierte „Südspange“ ist vom Planungsbüro IPW, das jüngst das Verkehrskonzept der Gemeinde Emsbüren erstellt hat, unter Verkehrsgesichtspunkten als Art Alternative zu einem Bahntunnel dargestellt worden. Laut Verkehrsgutachten wäre ein Bahntunnel zwar „wünschenswert“, aber nicht „zwingend notwendig“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN