Futtervorräte für 2019 in Gefahr Viehhalter aus Emsbüren hofft auf Regen für den Mais

Von Heinz Krüssel


Emsbüren. Viele Urlauber freuen sich über die derzeitige Hitzewelle, den Landwirten bereitet sie dagegen große Sorgen: Die meisten Weiden sind braun und vertrocknet, der Mais macht auf vielen Flächen einen katastrophalen Eindruck. Die Futtervorräte für das kommende Jahr sind massiv in Gefahr.

„Es ist wie es ist, wir müssen damit fertig werden. Klagen nützt nichts, gegen die Natur kannste nix machen.“ Realistisch sehen Milchviehhalter Heinz Krieger und Ehefrau Anni aus dem Emsbürener Ortsteil Leschede die Situation. Im vorigen Jahr hat es viel zu viel geregnet und in diesem Jahr folgt eine große Dürre. „Wir werden uns offensichtlich auf die Folgen eines Klimawandels einstellen müssen“, merkt Heinz Krieger nachdenklich an. Allerdings habe es auch in der Vergangenheit immer wieder extreme Wetterlagen gegeben. An eine Situation wie derzeit könne er sich aber nicht erinnern, erzählt der Landwirt.

Regen für Kolben-Entwicklung

Familie Krieger hofft allerdings, dass in den nächsten Tagen doch noch der ersehnte Regen kommt. Der ist dringend erforderlich, damit sich die Maispflanzen und insbesondere die Kolben noch entwickeln können. Ansonsten hat der Mais kaum einen Nährwert für die Hochleistungskühe. Sollte der Mais keine Kolben ausbilden, fehlt ein wichtiger Baustein im Futter. Das wirke sich sehr negativ auf die Milchleistung der Kühe aus, erläutert der erfahrene Milchbauer in einem Gespräch mit der Redaktion.

Der dritte Grasschnitt fällt aus

Auch die Sicherung der Grassilage als wichtige Futterkomponente ist derzeit in Gefahr. Zwar konnte der erste und der zweite Grasschnitt normal eingebracht werden, der eigentlich gegenwärtig anstehende dritte Schnitt jedoch fällt komplett aus. Auch der vierte Grasschnitt, der normalerweise Mitte September eingebracht werden muss, steht derzeit noch infrage.

Auslauf auch ohne Weidegras

Die Herde auf dem Hof Krieger umfasst cirka 80 Milchkühe und etwa 80 Kopf weibliche Nachzucht, die in einem modernen Boxenlaufstall gehalten werden. Zudem hält die Familie Krieger noch rund 800 Mastschweine. Das Rindvieh wird in erster Linie mit einer Mischung aus Mais- und Grassilage und Stroh sowie Kraftfutter gefüttert; hinzu kommt noch Heu. Ein wichtiger Faktor ist in den Sommermonaten eigentlich das frische Gras. Dieses steht allerdings derzeit nicht zur Verfügung. Trotzdem erhalten die Kühe jeden Tag etwa eine Stunde Auslauf, um sich bewegen zu können – zum Kuh-Jogging, merkt Heinz Krieger mit einem Augenzwinkern an.

Vorrat für einige Monate

Doch schon nach wenigen Minuten ist die Freude der Kühe am Auslauf zu Ende. Es gibt nichts zu fressen. Dicht gedrängt stehen sie am Tor, um möglichst schnell wieder in den Boxenlaufstall zurückkehren zu können. „Sie wissen ganz genau, dass dort ein reichlich gedeckter Futtertisch mit schmackhaftem Futter auf sie wartet“, meint Krieger. Auf dem Hof lagern noch größere Mengen an Maissilage aus dem vergangenen Jahr, so dass für einige Monate noch Vorräte vorhanden sind.

Schlachten ist „überhaupt keine Option“

Gelegentlich habe man in den letzten Tagen in den Medien gehört und gelesen, dass die Bauern doch einen Teil der Kühe einfach schlachten sollten. „Das ist natürlich absoluter Quatsch und überhaupt keine Option“, betont der erfahrene Rindviehzüchter. In seiner Herde steckt generationsübergreifende Zuchtarbeit. Da trenne man sich nicht so einfach von den Tieren. Im Übrigen sei das Schlachten von tragenden Kühen verboten. Dieser Aspekt werde in den Überlegungen völlig vergessen.

Ohne Mais erhebliche Mehrkosten

Täglich konfrontiert mit den Sorgen der Milchviehhalter ist Martina Krieger. Die 26-jährige Diplom-Agraringenieurin hat nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung Agrarwissenschaften studiert. Sie berät für eine große Genossenschaft die Milcherzeuger. „Die Stimmung ist allgemein auf dem Nullpunkt“, sagt die Fachfrau. Als größtes Problem sieht sie die Maissituation. Sollte der Mais als Grundfutter nicht genügend oder keine Kolben ansetzen, fehle die dringend benötigte Stärke im Futter. Das wirke sich negativ auf die Milchleistung der Kühe aus. Ein Ausgleich müsse über eine verstärkte Kraftfuttergabe erfolgen, was natürlich zu erheblichen Mehrkosten führen würde.

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