Ministrant mit neun Jahren Vom Messdiener zum Bischof von Osnabrück


Emsbüren. Am 12. September 1995 hat Papst Johannes Paul II. den 1951 in Paderborn geborenen Franz-Josef Bode zum Bischof von Osnabrück ernannt. Heute wird Bode beim großen Messdienertag in Emsbüren erwartet, aus diesem Anlass berichtet er im folgenden Text aus seiner eigenen Zeit als Ministrant:

„Kurz nach meiner Erstkommunion 1960 bin ich mit neun Jahren Messdiener geworden. Ich bin es geblieben bis zum Abitur und dem Beginn des Theologiestudiums 1969, also bis zum 18. Lebensjahr. Besonders zu Anfang war das „Messe-dienen“ für mich ungemein spannend.

Die Eucharistie wurde in lateinischer Sprache gefeiert und mit viel mehr Riten und Gesten als heute. (Das gibt es immer noch in der „außerordentlichen Form“ der heiligen Messe.) Das lateinische Stufengebet und andere Gebete waren geradezu Zungenbrecher. Ich war stolz, als ich nach etwa zwei Jahren selbst einige Sätze ins Deutsche übersetzen konnte. Zu der Zeit lernte ich Latein am Gymnasium in Paderborn.

Es gab eine Reihe von ,Stolperfallen‘ in der Liturgie, etwa das Herumtragen des ausgesprochen schweren Messbuchs auf einem Ständer aus Eichenholz. Mit diesem Buch musste man sogar eine Kniebeuge machen. Knien und Stehen waren genauestens geregelt; Sitze gab es für uns nicht. Die liturgische Kleidung war wegen vieler Totengedenken oft schwarz. Und wir standen immer mit dem Rücken zum Volk, den Blick streng auf den Altar gerichtet. Da jeden Tag vor der Schule Messe gefeiert wurde – meist auch mit den Schülern – hatte ich sehr häufig Gelegenheit zum „Dienen“. Hinzu kamen allsonntägliche Andachten mit Weihrauch und doppelter Kniebeuge. In den Monaten Mai und Oktober gab es Rosenkranzandachten, in der Fastenzeit Kreuzwegandachten – immer mit Messdienern.

Mit 24 Priester geworden

1965 wurde vieles anders: die Feier zum Volk hingewandt, jetzt in deutscher Sprache und mit weniger Riten und Bewegungen; der Einsatz von Kerzen, Klingeln und Weihrauch wurde deutlich reduziert. Für eingefleischte Messdiener (damals alles nur Jungen) war das eine große Ernüchterung. Und doch war da zugleich die Freude, jetzt alles verstehen und besser durchschauen zu können und zu spüren, wie alle gemeinsam feiern. Das nahm uns Messdienern zwar ein wenig unser Privileg im Gottesdienst, eröffnete uns aber zugleich eine lebendigere gemeinsame Teilnahme an der Liturgie – zumal unser Pfarrer eine sehr gute Art hatte, uns in das Neue einzuführen. Jetzt standen für uns nicht mehr die Stolperfallen im Vordergrund, sondern die innere Beteiligung an dem ganzen Geschehen.

In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, selbst Priester zu werden. Schon als Kind hatte ich zu Hause die „alte Messe“ zusammen mit meinen Schwestern nachgespielt. Und der Eucharistische Weltkongress 1961 in München und die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 waren Großereignisse, die ich – wie eigentlich alle – als wichtige Schritte für die Kirche erlebte.

Ein Detail des Ministrantendienstes hat mich immer besonders berührt: das Dienen bei der Krankenkommunion und bei Beerdigungen. So habe ich schon als Kind schweres Leid unmittelbar mitbekommen. Auf der anderen Seite gab es aber auch die Freude bei Hochzeiten und Taufen. Das als Beruf, als Berufung weiter zu erleben – Liturgie und Zuwendung zu den Menschen in Freud und Leid – , dazu wollte ich Priester werden. Mit 24 Jahren bin ich es geworden. Und ich freue mich noch heute darüber, zumal ich mit 40 Jahren Bischof werden durfte. Der rote Faden, im Dienst Christi zu stehen, ist also nie abgerissen. Er hat sich vielmehr immer weiter verstärkt.