117 Bäume für ein grünes Israel Kolping Emsbüren übergibt 2102 Euro an Erna de Vries

Von Anne Bremenkamp


Lathen/Emsbüren Die Holocaust-Überlebende Erna De Vries aus Lathen hat mit ihrer persönlichen Geschichte voll unvorstellbarer Schrecken im März 2018 rund 800 Menschen in Emsbüren nachhaltig an Herz und Seele berührt. Zum Dank dafür wachsen jetzt in den Bergen Israels 117 Bäume frei in den Himmel, denn eine Spendensammlung innerhalb Emsbürens erbrachte 2102 Euro zugunsten der Stiftung Jüdischer Nationalfonds e.V. Die Stiftung teilt einen Wunsch mit der 94-jährigen Erna de Vries: „Schenken Sie Bäume für Israel.“

Erna de Vries war vor etwa zwei Monaten auf Einladung der Kolpingsfamilie Emsbüren und dem Kolpingwerk-Gebietsverband Emsland/Grafschaft Bentheim zu Gast in der vor Zuhörern nahezu überquellenden St. Andreas Pfarrkirche - alle Generationen vom Kind bis zum Senior hingen gebannt an ihren Lippen. Diese Lippen, die schon so viele Grausames vergangener Tage als Mahnung an die Menschlichkeit und gegen das Vergessen ausgesprochen haben, lächelten jetzt, als Dieter Bünker von der Kolpingsfamilie Emsbüren und Heinz Niehaus vom Kolping-Diözesanvorstand ihr den Scheck über 2102 Euro in ihrem Zuhause in Lathen übergaben – für ein grünes Israel. Nicht nur in der St. Andreas-Kirche, auch bei dem von den Emsbürener Kolpingern alljährlich ausgerufenen Werkgottesdienst am Tag der Arbeit, dieses Mal in der Halle der Firma L.G. Industriebau, waren die Spenden gesammelt worden.

Leidensweg durch den Holocaust

„Ich liebe Bäume, sie sind wunderschön. Und ohne Bäume kein Leben“, unterstützt Erna de Vries Israels größte Umweltorganisation schon seit 20 Jahren. Seit 20 Jahren erzählt sie auch öffentlich von ihrem Leidensweg durch den Holocaust.

Die Halbjüdin Erna de Vries war 19 Jahre alt, als sie und ihre jüdische Mutter 1943 in das Konzentrationslager nach Auschwitz deportiert wurden. Die Mutter überlebte die organsierte Mordmaschinerie der Nazis nicht, sie wurde vergast. Die eintätowierte Häftlingsnummer auf dem linken Unterarm ihrer Tochter ist heute noch deutlich zu erkennen: 50462.

Mahnende Erinnerung

Als eine der letzten authentischen Zeitzeugen des Holocaust löst die 94-jährige noch heute immer wieder das Versprechen ein, das sie ihrer Mutter zum Abschied gab: Zeugnis ablegen. Dafür erinnert die Halbjüdin unermüdlich an Gräueltaten, die sprachlos machen, für die man aber nie die kaum zu findenden Worte verlieren darf. Ihr Leidensweg soll heute insbesondere jungen Menschen die Richtung zu gelebter Toleranz, hinschauender Mitmenschlichkeit und mahnender Erinnerung weisen. Er soll bewusst machen, dass hinter jeder einzelnen Opferzahl ein menschliches Schicksal verborgen und ein „Nie wieder!“ für alle Zeiten die wichtigste Lehre des Holocaust sein muss.