Entwurf des Verkehrskonzeptes Planer: Bahntunnel in Emsbüren nicht notwendig

Meine Nachrichten

Um das Thema Emsbüren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Denkbar aber nicht notwendig wäre ein Bahntunnel im Zuge einer Südspange am Tiggelwerkweg. Foto: Sven LampeDenkbar aber nicht notwendig wäre ein Bahntunnel im Zuge einer Südspange am Tiggelwerkweg. Foto: Sven Lampe

Emsbüren. Der Emsbürener Gemeinderat hat jetzt die von einem Planungsbüro erarbeitete Vorlage eines Verkehrskonzeptes vorgestellt. Die Erkenntnisse dürften insbesondere die Befürworter einer Bahnunterführung aufhorchen lassen.

Das Fazit vorab: Unter Verkehrsgesichtspunkten gebe es keine Notwendigkeit für einen Tunnel unter oder eine Brücke über die Bahnstrecke von Rheine nach Emden, ließ der Geschäftsführer des Planungsbüros IPW, Manfred Ramm, wissen. Weder das Verkehrsaufkommen an sich noch die Wartezeiten an den Bahnübergängen lieferten tragfähige Argumente für ein solches Vorhaben, so Ramm.

Definition der Wartezeit

Durchschnittlich müssen Verkehrsteilnehmer laut IPW an den Bahnübergängen im Schnitt etwas mehr als 30 Sekunden warten. Der Höchstwert liegt mit 39 Sekunden am Bahnhof, an der Lingener Straße sind es 37, am Tiggelwerkweg nur rund sechs Sekunden. Auf der offiziellen Skala von A bis F liegen die Übergänge laut Ramm zwischen A und C im „grünen und gelben Bereich“.

Dass diese Zahlen für den einzelnen Verkehrsteilnehmer, der an einem geschlossenen Bahnübergang gefühlt eine Ewigkeit warten muss, nicht nachvollziehbar sind, ist verständlich. IPW stützt sich laut Ramm allerdings auf eine offizielle Definition. Demnach wird die Wartezeit aller Verkehrsteilnehmer, die an einem Werktag zwischen 16 und 17 Uhr an einem geschlossenen Bahnübergang warten, geteilt durch die Gesamtzahl aller Verkehrsteilnehmer, die im genannten Zeitraum den Bahnübergang passieren — unabhängig davon, ob dieser geschlossen ist oder nicht. Im Klartext: Wenn fünf Verkehrsteilnehmer jeweils fünf Minuten (300 Sekunden x 5 = 1500) warten müssen und 95 weitere Verkehrsteilnehmer ohne Stopp über die Gleise kommen, hat jeder Verkehrsteilnehmer per Definition 15 Sekunden gewartet.

Wartende Rettungsfahrzeuge

Obwohl nicht Aspekt des Verkehrskonzeptes, dürfte auch die immer mal wieder genannte Behinderung von Rettungsfahrzeugen an Bahnschranken keine Argumente für einen Tunnel liefern. Darüber gebe es zwar keine belastbaren Zahlen, so der Koordinator der DRK-Rettungsdienstes, Christof Witschen, auf Anfrage der Redaktion. Allerdings seien ihm auch weder Beschwerden über verspätete Rettungswagen bekannt, noch über daraus resultierende Konsequenzen. Es komme an vielen Orten immer mal vor, dass ein Rettungswagen nicht durchkomme.

Verkehrsmenge

Auch die Verkehrsmenge liefert dem Planer zufolge keine zwingende Begründung für einen höhenungleichen Bahnübergang — auch nicht unter Annahme eines Anstiegs des Verkehrsaufkommens bis 2030 um bis zu 20 Prozent.

Südspange

Angeschaut haben sich die Planer auch die Varianten möglicher höhenungleicher Bahnübergänge. Die Varianten an der Lingener Straße und Emsstraße bezeichnete Ramm unter verschiedenen Aspekten (beispielsweise mögliche Entlastung, Grundstücksfragen, topografische Gegebenheiten) als theoretisch möglich (Lingener Straße) beziehungsweise unrealistisch (Emsstraße). Eine denkbare Variante wäre ein höhenungleicher Bahnübergang am Tiggelwerkweg. Zumindest theoretisch, so Ramm. Denn selbst unter der Annahme, dass dort die seit Langem diskutierte Umgehungsstraße „Südspange“ entlang liefe, wäre der anfallende Verkehr auch mit dem vorhandenen höhengleichen Übergang zu bewältigen.

Einer möglichen „langen Variante“ der Südspange von Mehringen bis zur Schüttorfer Straße räumt das Verkehrskonzept tunnelunabhängig durchaus Potenzial ein, den Durchgangsverkehr in Emsbüren zu reduzieren.

„Handlungsbedarf an Radwegen“

Handlungsbedarf sieht das Konzept an einigen Radwegen — obschon das vorhandene Netz weitgehend vollständig sei. Mängel gebe es hauptsächlich an unzureichend gesicherten Querungsstellen, beispielsweise an mehreren Stellen der L 40, der L 58 und der K 331. Dort empfiehlt der Planer, Schritte zur Verbesserung der Situation zu ergreifen. Die Einrichtung von Kreisverkehren erachtet Ramm aufgrund der Gesamtsituation als nicht notwendig.

Fußgängertunnel am Bahnhof

Kein Aspekt des Verkehrskonzeptes war laut Bürgermeister Bernhard Overberg ein möglicher Fußgängertunnel am Bahnhof. Das werde Thema weiterer Gespräche sein.

Diskussionen

Das Verkehrskonzept ist noch nicht endgültig. Nach Angaben von Overberg soll es jetzt in diversen Gremien weiter diskutiert und dann dem Rat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt werden. Dieses Vorgehen ist, so Overberg auf Anfrage der Redaktion, auch der Grund dafür, dass im Januar angekündigte Gespräche zwischen Kommune, Bahn und Land über Möglichkeiten eines höhenungleichen Bahnübergangs noch nicht terminiert worden seien. In den Gesprächen sollte das mögliche weitere Vorgehen in Sachen eines höhenungleichen Bahnübergangs erörtert werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN