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Theaterensemble des Kulturkreises "Hamlet" in Emsbüren: Beste Unterhaltung auf hohem Niveau

Von Elisabeth Tondera | 26.08.2019, 13:54 Uhr

Selten so gelacht. Und das bei einer Aufführung von Shakespeares „Hamlet“. Man hätte es aber ahnen können. Schon die Ankündigung des Theaterensembles des Kulturkreises Kirchspiel Emsbüren ließ durchblicken, dass es sich bei der „volltragischen Komödie“ mit dem Titel „Hamlet – Dänen am Rande eines Nervenzusammenbruchs“ um eine augenzwinkernde Interpretation des Dramas handeln dürfte.

Was die Zuschauer der ersten drei Aufführungen im Freilichttheater auf dem Heimathof in Emsbüren beim herrlichen Wetter erlebten, war ein erfrischendes Beispiel dafür, was Theater bieten kann: beste Unterhaltung auf hohem Niveau, schauspielerische Leistung erster Klasse, wirkungsvolles Bühnenbild, kurz: ein unbeschwertes Theatervergnügen, das nicht so schnell vergessen wird.

Dabei ist die Geschichte alles andere als lustig: Eine Familie bricht auseinander, mit ihr eine ganze Gesellschaft und der Staat. Kaum ist der plötzlich verstorbene König von Dänemark beerdigt, heiratet seine Witwe Gertrud dessen Bruder und Mörder Claudius. Der Geist des Ermordeten fordert von seinem Sohn Rache, und dieses Ereignis ändert grundlegend Hamlets Leben. Von nun an entsagt er allen menschlichen Bindungen, ihn treibt nur noch der Wunsch, seinen Vater zu rächen. Hamlet, zerrissen zwischen sich selbst, seinen Wünschen und Trieben, den Anforderungen der Umwelt und dem Auftrag des ermordeten Vaters, löst eine zwischenmenschliche Katastrophe aus.

All das ist in Peter Wallgrams Inszenierung enthalten. Es ist aber noch viel mehr. Lustvoll und unkonventionell spielt er mit Hamlet-Klischees und den Erwartungshaltungen des Publikums. Da fehlen weder der Totenschädel noch die schwarze Kluft des melancholischen Jünglings, weder „Sein oder nicht Sein“ noch „Der Rest ist Schweigen“. All das ist eingebettet in ein Spiel, das dem Handlungsverlauf der shakespeareschen Vorlage folgt, aber jede Menge irritierend-komische Unterbrechungen, Verwirrungen des „Sommernachtstraums“ sowie aktuelle und lokale Anspielungen enthält.

Starke schauspielerische Leistungen

Da wird Gewohntes auf den Kopf gestellt, wenn Königin Gertrude, herrlich gespielt von Judith Lühle, ihre Schuld mit Alkohol betäubt, wenn Hamlet von einer Frau gespielt wird (grandios: Ina Ahlering), er sich mit seinem Freund Horatio (gelassen und locker: Achim Kampel) über das freie Studentenleben in einer WG und die „Kleine aus dem Shakespeare-Seminar“ unterhält, wenn die Schauspielertruppe, die auf dem Königshof spielt, Themen wie Schützenfest und gelbe Säcke in ihr Repertoire aufnehmen will. Jedes Mittel zur Erzeugung der nötigen Wirkung ist recht: Da erscheint der Geist des ermordeten Königs als ein Riesenschädel auf einem von einem Motorrad gezogenen Thron, die Totengräber werden von skurrilen Puppen gespielt und werfen mit Schädeln und Knochen um sich.

Es ist ein Stück kräftiges Theater in bester Shakespeare-Tradition. Dessen Stücke sind für die Volksbühne geschaffen und ihr Hauptziel ist die Publikumswirksamkeit. Sprühende Lebendigkeit, ausdrucksstarkes Spiel, tragisch-komische, in ihrer Eigenart überzeugend dargestellte Charaktere, Dramatik, Ernst und Klamauk, die Mischung aus Originalsprache und erfrischend komischen modernen Dialogen kennzeichnen diese Produktion, die das Geschehen um den dänischen Prinzen wirkungsvoll präsentiert. Rasant, intelligent und kurzweilig ist dieser „Hamlet“, ein Theaterabend der Sonderklasse.

Das 23-köpfige Ensemble präsentiert sich auf einem sehr hohen Niveau und agiert mit einer spielerischen Begeisterung, die das Publikum mitreißt, allen voran Ina Ahlering in der Hauptrolle. Dieser Hamlet ist eine Wucht!

Weitere Aufführungen auf dem Heimathof in Emsbüren, Ludgeristr. 4: Freitag, 30. August, 19.30 Uhr, Samstag, 31. August, 19.30 Uhr und Sonntag, 1. September, 16 Uhr mit anschließendem Grillen.