„Fortschritte auf dem Platz zu sehen“ Sportwissenschaftler Gerd Rosenberg unterstützt JLZ Emsland

Von Reinhard Fanslau


Meppen. Er ist Sport-, Schlaf- und Ernährungswissenschaftler. Gehörte unter Ottmar Hitzfeld drei Jahre lang zum Trainerstab von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund. Seit Anfang der Saison stellt Gerd Rosenberg seine Kenntnisse auch in den Dienst des Jugendleistungszentrums Emsland.

Für kurze Zeit war Rosenberg auch in der Nationalelf und Handball-Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen tätig. Der in Gladbeck geborene und jetzt in Lingen lebende Experte führt in Meppen mit Spielern der Jugendmannschaften zusätzliche Athletikeinheiten durch. „Damit ist die letzte Lücke in unserem Trainingsangebot geschlossen“, freut sich Winfried Budde, sportlicher Koordinator der U-12- bis U-17-Teams.

Kein Fitnessstudio

In das Trainingszentrum von Rosenberg auf dem Gelände der Firma Westermann am Schützenhof kommen die jungen Kicker gerne, auch wenn bei den zwischen 45 und 60 Minuten dauernden Einheiten Übungen ohne Ball im Mittelpunkt stehen. Zwar spielt das runde Leder keine Rolle, aber trotzdem sind die jungen Spieler nah dran an ihrer Lieblingssportart, denn „wir sind kein Fitnessstudio. Wir haben Geräte, die ganz speziell auf Ballsportarten ausgerichtet sind“, erklärt Rosenberg. Heute haben sich sechs Spieler der U 15 eingefunden. „In diesem Alter gibt es große körperliche Unterschiede bei den einzelnen Spielern. Daran zu arbeiten und diese auszugleichen, darin sehe ich meine Aufgabe“, sagt Rosenberg und merkt gleich an: „Mit Krafttraining muss man sehr behutsam mit den Jugendlichen umgehen.“ Es ist auch kein reines Krafttraining, was hier abläuft. Noch wichtiger sind dem Experten die Punkte Sensomotorik, Koordination und Regeneration.

Positive Rückmeldungen

Rosenberg sieht seine Arbeit als Ergänzung zu der von Günter Weist, Athletiktrainer beim JLZ: „Wir machen hier ein funktionales Training, wie es draußen auf dem Platz gar nicht möglich wäre“, sagt er. Weist, der ab und zu bei Rosenberg vorbeischaut, ist begeistert von dem zusätzlichen Angebot für seine Schützlinge: „Ich bekomme nur positive Rückmeldungen von meinen Jungs. Und die Fortschritte, die sie gemacht haben, seitdem sie hierher kommen, sind auf dem Platz deutlich zu sehen.“

Mit Chapuisat beim BVB

In den neunziger Jahren hatte Rosenberg mit den Stars der deutschen Fußballszene zu tun. In seinen drei Jahren bei Borussia Dortmund waren das Namen wie Stéphane Chapuisat, Michael Zorc, Karl-Heinz Riedle, Stefan Klos und Wolfgang „Teddy“ de Beer. Dass nun die emsländischen Talente in den Genuss des Trainings mit einem so hochqualifizierten Mann hat Altersgründe. Rosenberg hat das Ruhestandsalter erreicht und die große Fußballbühne verlassen. Untätig zu Hause herumzusitzen, ist nicht sein Ding, und so hilft er dem Jugendleistungszentrum.

Betten der Spieler vermessen

Zwar könnte er, wenn er wollte, viele Anekdoten aus der Bundesliga und der Nationalelf von sich geben. So erlebte der Sportwissenschaftler das legendäre Tor von Lars Ricken gegen Juventus Turin 1997 im Champions League Finale in München und viele andere historische Momente von der BVB-Trainerbank mit. Doch bescheiden und diskret widmet sich der Lingener lieber seiner aktuellen Arbeit mit dem regionalen Fußballnachwuchs. Entlocken lässt er sich nur stückweise für den gemeinen Fußballfan spannende Details. An seine drei Jahre an der Seite von Trainerlegende Hitzfeld denkt Rosenberg deswegen gerne zurück, weil es ihm in der Zeit gelang, wichtige Akzente im modernen Fußballtraining zu setzen. „Ich fing damals an mit Ernährungsberatung in der Bundesliga an. Das war ein Novum.“ Auch gelang es ihm, den Vereinsverantwortlichen zu vermitteln, wie wichtig für die Spieler eine gute Nachtruhe ist. „Dafür haben damals zunächst die Spieler in ihren eigenen Betten vermessen und daraus unsere Schlüsse gezogen. Das hat vor uns noch nie jemand gemacht“, erinnert sich Rosenberg.

Interesse geweckt

Mit solchen ungewöhnlichen Maßnahmen brauchen die Nachwuchsspieler des JLZ jetzt nicht zu rechnen. Die jungen Kicker freuen sich, dass sie sich durch das zusätzliche Training noch ein kleines Stück verbessern. Mittlerweile sollen die ersten Spieler der ersten Mannschaft des SV Meppen hellhörig geworden sein.