Interview mit Klubchef Thomas Abbes „Ich werde BW Papenburg nicht gegen die Wand fahren“

Von Dieter Kremer


Papenburg. Im Sommer 2013 stiegen die Fußballer des SC Blau-Weiß 94 Papenburg als Tabellenvorletzter aus der Landesliga ab. Seit Freitag letzter Woche steht die Rückkehr fest. Papenburgs Vorsitzender Thomas Abbes verrät im Interview das Erfolgsrezept, blickt in die Zukunft und erklärt, warum sich der Fusionsklub trotz der namhaften Zugänge nicht übernimmt.

Herr Abbes, vor der Saison wurde der SV Union Lohne in der Fußball-Bezirksliga besonders hoch gehandelt, aber auch BW Papenburg hatten viele auf dem Zettel. Nach vier Jahren geht es nun zurück in der Landesliga? Wo liegt für Sie der Schlüssel zum Erfolg?

Eindeutig in dem Zusammenhalt der Mannschaft. Ohne den Zusammenhalt wären wir nicht dort oben gelandet. Wir haben vor der Saison ausgegeben, wir wollen im oberen Drittel mitspielen. Dass es wahrscheinlich ganz nach oben reicht, daran hat überhaupt gar keiner geglaubt. Wenn man mal überlegt, wo wir vor anderthalb Jahren gestanden haben, nämlich mit dem Rücken zur Wand. Da waren wir Vorletzter. Klar, der Trainer ist ganz klar maßgebend für den Erfolg gewesen. Er hat ganz zielgerichtet gearbeitet, hat seine Prinzipien und hat das ganz knallhart durchgezogen. Das ist der zweite Schlüssel zum Erfolg. Die Jungs haben alles gegeben. Ohne Mannschaft schaffst du es nicht.

Welchen Prinzipien verfolgt Ihr Trainer Alex Homann?

Zunächst einmal ist Alex ein völlig fußballverrückter Fachmann. Der lebt für den Fußball. Montagmorgen, bevor er zur Schule fährt, plant er schon das nächste Spiel. Danach plant er auch seine Trainingseinheiten. Das habe ich selten erlebt, wie ein Mensch so akribisch arbeiten kann in der Liga. Und auch so zielstrebig war. Man muss auch überlegen, dass wir in der Rückrunde nicht gerade viele Leute zur Verfügung hatten. Nachher haben wir mit einer Rumpfelf immer noch gute Spiele nach Hause gebracht. Zumindest erfolgreich nach Hause gebracht. Er hat einen ziemlich großen Anteil daran.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Landesliga für BW Papenburg? In der Bezirksliga hat es immerhin viele emsländische Duelle gegeben.

Ich finde sie sehr wichtig. Wir sind ja damals mit dem Vorstand mit dem Ziel angetreten, dass wir mittelfristig wieder dorthin wollen und müssen. Allein auch um wieder qualitativ hochwertigeren Fußball im Sportpark zu bieten als wir es bisher getan haben. Und das wird in der Landesliga der Fall sein. Da treten ganz andere Mannschaften auf. Es ist natürlich schade, dass du dann weniger Derbys hast. Aber wenn tatsächlich TuRa Westrhauderfehn aufsteigt, hast du die auf jeden Fall als Derby hier. Friesoythe wird es wahrscheinlich auch schaffen. Dann hast du die aus der Ecke hier. Das passt schon ganz gut. Und Holthausen/Biene als emsländischer Verein. Das wird spielerisch eine ganz andere Welt sein. Das wissen wir auch.

Welche Zielsetzung verfolgt der Klub? Nur Klassenerhalt oder schon ambitioniertere Ziele?

Wenn man sich in den letzten Jahren die Aufsteiger angesehen hat, sind die immer gleich wieder runtergekommen. Zumindest ein Großteil von denen. Deswegen muss es eigentlich erst mal heißt, den Klassenerhalt so früh wie möglich zu sichern. Was darüber hinaus geht, das schauen wir mal. Aber zu sagen, wir wollen gleich im oberen Drittel mitspielen, so weit ist die Truppe noch nicht, weil wir auch fünf Spieler verlieren. Und die anderen müssen auch erst mal so integriert sein, dass das auch wieder eine Truppe ist – so wie wir sie dieses Jahr haben. Das haben wir dieses Jahr und in den Jahren davor gesehen: Nur eine Mannschaft gewinnt die Meisterschaft und keine zusammengekaufte Truppe.

Mit wie vielen Zuschauern kalkulieren Sie in der kommenden Saison?

Zu Landesligazeiten hatten wir immer zwischen 250 und 300 Zuschauer. Das ist zurückgegangen auf um die 200. Abgesehen von den Derbys ist das nicht attraktiv gewesen. Ich hoffe, dass sich das jetzt auf jeden Fall ändert. Weil der Gegner und der Fußball attraktiver werden, glaube ich zumindest.

Nun stehen sieben Zugänge fest. Mit Torben Lange und Yanik Runde kehren zwei ehemalige Papenburger zurück. Sebastian Schepers und Patrick Schnettberg haben höherklassige Erfahrungen gesammelt. Viele Außenstehende fragen sich, wie kann sich der Verein das leisten?

Das ist ganz einfach. Indem wir nicht mehr Geld ausgeben als auch in den letzten Jahren. Wir haben ihnen ein Angebot gemacht zu einem Zeitpunkt, wo noch nicht unbedingt klar war, dass wir aufsteigen. Im Endeffekt ist Torben Lange ein alter Blau-Weißer. Er wollte dann auch irgendwann zurück, weil er den Mittelpunkt seines Privatlebens hier hat. Er hat hier gebaut und die Fahrten nach Emden, die macht man auch nicht mal eben so. Yannik Runde ist auch ein alter Blau-Weißer, hat in der Jugend und bei den Herren bei uns gespielt. Das mit Schnettberg und Schepers waren wirklich Glücksgriffe. Und die werden bei uns garantiert nicht über ein Budget bezahlt. Bei beiden ist es so gewesen, – das ist zumindest meine Information – dass sie sich in den alten Vereinen verabschieden wollten, weil sie kürzertreten wollen. Und was blieb übrig, wenn sie in der Ecke Lathen/Haren wohnen? Ganz klar, dass wir da rangehen. Wir haben ihnen ein Angebot gemacht, und das war für sie akzeptabel. Das sprengt überhaupt nicht den Rahmen und ist nicht mehr als irgendjemand anders hier mal gekriegt hat. Wir haben immer noch nicht genügend Geld locker gemacht, dass wir unsere Schulden bezahlt haben. Die Hälfte der damals übernommenen Schulden haben wir fast abgebaut. Und wenn man überlegt, dass wir zusätzlich eine Flutlichtanlage und eine Videowand haben, dann ist das eine große Leistung, die wir da auf die Beine gestellt haben. Es war immer klar, dass wir ein Budget haben, welches wir auch niemals überschreiten werden.

Sie können als diejenigen beruhigen, die sagen, jetzt kommt der nächste emsländische Verein, der sich übernimmt? Sie gehen kein Wagnis ein?

Nein, tun wir überhaupt nicht. Ich habe einen Kassenwart, der hat zwei Igel in der Tasche. Einen links, einen rechts. Und hinter diesen beiden Igeln sitzen Mausefallen. Das ist auch gut so. So einen brauchst du. Der hilft unheimlich. Er ist der Mahner, der sagt, das können wir uns leisten und das nicht. Wir haben zur Halbserie zusammengesessen mit dem Trainer und den Verantwortlichen und gesagt, das ist das Budget, was ihr zur Verfügung habt. Mehr ist nicht. Damit müsst ihr die Spieler, die ihr braucht, auch entsprechend zum Verein holen können oder im Verein halten. Wenn es nicht klappt, geht es nicht anders. Ich werde den Verein nicht gegen die Wand fahren, weil irgendjemand meint, er muss hier Fußballspielen und was weiß ich was für Summen kriegen.

Welche Spieler werden den Verein verlassen?

Die Sandersfeld-Brüder Heiko und Jürgen hören beide auf. Jürgen ist in die Firma der Familie eingestiegen und auch Heiko ist unheimlich stark in seinen Job eingespannt. Natürlich haben wir versucht, ihn zu halten. Klar reizt ihn die Landesliga, aber er sagt, ich sehe meine Familie dann kaum. Definitiv wird Heiko am Sonntag verabschiedet, genau wie Jürgen, wie Jakob Krause-Heiber, Elmar Bruns und Oliver Wissmann, der ja nach Surwold geht. Jakob hört auf, was Elmar macht, wissen wir nicht.


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