32:17 gegen HSG Konstanz Nordhorn-Lingen: Begeisterung gegen Ungewissheit

Von Uli Mentrup


Lingen. La-Ola-Welle, „oh-wie-ist-es-schön“-Gesänge statt Verzagtheit: Handball-Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen setzt sportliche Begeisterung gegen wirtschaftliche Ungewissheit und schlägt Aufsteiger HSG Konstanz verdient mit 32:17 (17:10).

Genau zwei Tage nach der Nachricht, dass zur Deckung des aktuellen Etats 160000 Euro fehlen, trumpft die Mannschaft auf, feiert den höchsten Saisonsieg, als ob sie damit alle Sorgen wegwischen will. „Es muss einfach weitergehen“, fasste Trainer Heiner Bültmann seine Hoffnung nach der atemberaubenden Partie zusammen. Mehr Begeisterung, mehr Emotion, mehr Einsatz unter auch schwierigen personellen Bedingungen geht kaum.

HSG erwischt Sahnetag

Spielmacher Alex Terwolbeck fasste es zusammen: „Das Spiel gegen Konstanz hat mich an die erste Partie in der Emslandarena erinnert.“ Auch da erwischte das Zwei-Städte-Team einen Sahnetag und riss das Publikum mit. „Natürlich belastet uns die finanzielle Situation. Jeder Spieler will gerne hierbleiben“, bekannte Terwolbeck. Die Mannschaft sei von der Nachricht überrascht worden und habe sich einiges vorgenommen. „Wir wollten der Region zeigen, wie wichtig Handball ist.“ Und das ist gelungen.

Während des Spiels hat nach Angaben von Björn Buhrmester, der mit 18 Paraden glänzte, kein Spieler an die Schwierigkeiten gedacht. „Wir haben von der ersten bis zur 60. Minute gepowert. Im Angriff und in der Abwehr. Dieser Sieg war perfekt, geiler kann es nicht laufen“, reagierte der Torwart begeistert nach der „überragenden Mannschaftsleistung“. Er dankte Nils Meyer und vor allem Stephan Wilmsen, der das Team mit seiner Leistung zusätzlich beflügelt habe. Der „Handball-Rentner“ (Bültmann) hat seine Karriere vor drei Jahren beendet. Wilmsen kam in der Abwehr zum Einsatz, weil Asbjörn Madsen mit einer Schulterverletzung ausfiel und Luca de Boer wegen Adduktorenproblemen nur am Abschlusstraining teilnehmen konnte, aber am Samstag trotzdem auflief. „Wir heulen nicht“, meinte Terwolbeck. „Wir wollten auch wegen der Hinspielniederlage gewinnen“, stellte Jens Wiese, der mit elf Toren gefährlichster Schütze, fest.

Zur Pause schon 17:10

Das machte der Gastgeber, der auch noch auf Kapitän Nicky Verjans und Lutz Heiny verzichten musste, von Beginn an klar. Zur Pause führte er bereits 17:10. Genau so klar lag der Gastgeber nur noch beim 13:6 gegen TV Neuhausen vorn. Mehr als 17 Treffer im ersten Durchgang erzielte er lediglich beim Heimsieg gegen Tabellenführer TuS Nettelstedt-Lübbecke. Es passte in der Abwehr, die den Gegner im zweiten Durchgang demoralisierte, und im Angriff, der die Abschlussschwäche abgestellt hatte, die die Mannschaft beim Derby in Emsdetten auf die Verliererstraße gebracht hatte: Jens Wiese und Linksaußen Lasse Seidel waren in den ersten 30 Minuten jeweils sechsmal erfolgreich.

Die Niedersachsen ließen auch im zweiten Durchgang nicht locker, blieben selbst in doppelter Unterzahl ohne Gegentor. Zehn Minuten schaffte der Gast vom Bodensee keinen Treffer. Fünf seiner 17 Tore erzielte er per Siebenmeter.

Donnernder Applaus

Am Ende ernteten Geschäftsführer Gerhard Blömers, Thomas Lüdtke vom Business-Team, Kapitän Verjans und Trainer Bültmann donnernden Applaus von den Zuschauern für ihren Appell an die heimische Wirtschaft, der HSG zu helfen. „Dieser Handball muss in Lingen und in Nordhorn einfach erhalten bleiben. Wir wollen das schaffen und wir können das schaffen“, gab sich Lüdtke zuversichtlich. „Die HSG ist kein Projekt, sondern Herzblut“, betonte Bültmann. Das können 2823 Zuschauer in der Emslandarena bezeugen.


HSG Nordhorn-Lingen - HSG Konstanz 32:17 (17:10)

HSG Nordhorn-Lingen:  Kaleun (2 Paraden, ab 53.), Buhrmester (18/2 Paraden, bis 53.); Wilmsen, Mickal (1/1), Miedema (6), Meyer, Fraatz (3), Poll, Rooba, Terwolbeck (2), de Boer (1), Wiese (11), Madsen, Seidel (8/1).

HSG Konstanz: Poltrum (4 Paraden, bis 30, ab 49.), Glatt (3 Paraden, 30. Bis 49.); Schlaich, Thomann (6/4), Riedel (4), Stocker (3/1), Oehler, Kaletsch (1), Maier-Hasselmann, Gässler, Jud (1), Berchtenbreiter (2).

Siebenmeter: 2/3 (Seidel, 8., wirft den Ball an den rechten Pfosten und trifft wie Mickal je einmal) – 5/8 (Thomann, 40., trifft den Pfosten;  Kaletsch, 42., und Stocker, 50.,  scheitern an Buhrmester; Thomann trifft viermal, Stocker einmal).

Zeitstrafen: 6 Min. (Wilmsen, 24.; de Boer, 26., 45.) / 4 Min. (Berchtenbreiter, 22., 57.).

Zuschauer: 2823  in der Lingener Emslandarena.

Schiedsrichter: Manuel Borchardt (Hennickendorf) / Lukas Grude (Altlandberg).

Beste Spieler: Buhrmester, Wiese, Seidel, Miedema / Berchtenbreiter, Riedel.

Spielfilm: 1:1 (2.), 3:3 (6.), 5:3 (10.), 7:4 (11.), 8:5 (13.), 9:7 (17.), 12:7 (19.), 14:9  (23.), 15:9 (29.), 17:10 (Hz.), 18:11 (33.), 20:12 (36.), 22:12 (41.), 23:13 (44.), 25:15 (47.), 26:15 (51.), 28:16 (53.), 29:16 (55.), 30:16 (56.), 32:16 (59.) 32:17 (E).