Verein braucht dringend Geld HSG Nordhorn-Lingen fehlen in dieser Saison 160.000 Euro

Trainer Heiner Bültmann appelliert an Sponsoren, die HSG zu unterstützen. Foto: SchröerTrainer Heiner Bültmann appelliert an Sponsoren, die HSG zu unterstützen. Foto: Schröer 

Nordhorn. Dunkle Wolken über der HSG Nordhorn-Lingen: Dem Verein fehlen 160.000 Euro, um die aktuelle Saison der 2. Handball-Bundesliga zu retten. Bis Ende März benötigt die HSG dringend Geld. Der Etat für nächste Saison ist auch noch nicht gedeckt.

Bis spätestens Ende März/Anfang April müssen die Gelder zur Verfügung stehen, um den Spielbetrieb sicherzustellen. Das teilte der Handball-Zweitligist am Donnerstagabend bei einem Pressegespräch in den Räumen der Firma Landwehr, die auch Sponsor ist, mit.

Zeit drängt

„Das ist natürlich eine große Summe“, gestand HSG-Geschäftsführer Gerhard Blömers. Man habe lange überlegt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, ergänzte er. Aber aufgrund der Dringlichkeit wagte der Klub nun diesen Schritt. „Wir brauchen kurzfristige Mittel – für die nächsten Wochen und für die nächste Saison.“ Um Spitzenhandball dauerhaft in der Region halten zu können, benötige man ein stärkeres Fundament, so Blömers. Parallel zu dem Pressegespräch seien Sponsoren in einem speziellen Anschreiben über die Lage informiert worden. Auch die Bürgermeister von Nordhorn und Lingen und die Landräte, sagte Blömers, seien im Bilde. Man sei davon überzeugt, dass die Region das sportliche Aushängeschild „HSG-Nordhorn-Lingen“ haben wolle, teilte Blömers mit. „Ich appelliere deshalb an alle Sponsoren, Förderer und Freunde der HSG Nordhorn-Lingen, das eigene Engagement im positiven Sinne zu überdenken, damit wir gemeinsam das Projekt und die Zukunft der HSG erfolgreich gestalten können.“ Ein Scheitern dieses Projektes hätte zur Folge, dass nahezu sämtliche Spieler den Verein verlassen würden.

Steigende Kosten, weniger Sponsorenerlöse

Für das Fehlen der 160.000 Euro gibt es mehrere Ursachen: In den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 wurden zwar Überschüsse erwirtschaftet, die aber das „Krisenjahr 2012/13“, so heißt es, nicht aufwiegen konnten. Folge war eine „kleine Unterdeckung“ zum Beginn der Saison 2015/16. Hinzu kamen in der Saison 2015/16 steigende Kosten sowohl bei den Heimspielen (Bewirtung, Bandentransport, Mediagebühren) als auch im Bereich Werbung (LED-Bande) sowie Abgabennachbelastungen. Unter Plan liegen in der laufenden Saison die Sponsoringerlöse, entstanden durch Kündigungen und Nichteinhalten mündlicher Zusagen.

Sponsoren sorgen für 70 Prozent des Etats

In den letzten drei Jahren wurde der Etat moderat von 1,1 auf 1,3 Millionen Euro angehoben. 70 Prozent davon kommt von den 150 Sponsoren der HSG. Der Lizenzantrag für die Saison 2017/18 wurde fristgerecht am 1. März eingereicht. Er sieht einen Gesamtetat von knapp 1,4 Millionen Euro vor. Um diesen Etat ausgeglichen zu gestalten, sind Einnahmen aus dem Sponsoring von etwa 1 Millionen Euro geplant.

Spieler am Dienstag informiert

Am Dienstagabend wurden die Spieler informiert. Die Mannschaft habe es gefasst aufgenommen und gefragt, wie sie helfen könnte, berichtete Trainer Heiner Bültmann. „Das ist bemerkenswert und steht auch für die Mannschaft.“ Bültmann hielt ein flammendes Plädoyer für sein Team. „Die Spieler wollen bleiben. Ich denke, das ist nicht normal.“ Viele Spieler kämen aus der Region oder hätten inzwischen hier ihren Lebensmittelpunkt. „Dafür werden wir oft von anderen Vereinen gelobt. Da sind wir Vorbild für andere. Diese Mannschaft hat wirklich Unterstützung verdient.“ Man verfüge mit dem Euregium in Nordhorn und der Emslandarena in Lingen um zwei tolle Spielstätten und die Region habe die wirtschaftliche Power, um das zu stemmen, unterstrich der Coach.

Gehälter überwiesen

Die Spielergehälter sind laut Blömers in den letzten Monaten immer pünktlich überwiesen worden. Auch das Februar-Gehalt soll in diesen Tagen auf den Konten der Handballer landen. „Wir haben keine Gehälter, die ins Bodenlose gehen“, betonte Blömers. Knapp über 840.000 Euro gibt die HSG für Gehälter aus, wobei das Geld nicht nur in die Mannschaft fließt, sondern unter anderem auch an die Mitarbeiter der Geschäftsstelle.

Lüdtke: „Viel zu verlieren“

Thomas Lüdtke vom HSG-Business-Team kündigte an, am Samstag in der Emslandarena gegen die HSG Konstanz die Situation ansprechen und für den Verein zu werben zu wollen. „Es muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, was es zu verlieren gibt. Wir haben etwas ganz Großes, Liebevolles zu verlieren.“ Bis Ende März müsse man die Lücke schließen. Gleichzeitig benötige man auch Zusagen für die nächste Saison. „Wenn das scheitern sollte, dann scheitert es in Gänze“, droht laut Lüdtke das endgültige Aus.

Hilferuf im Dezember

Eine Pressemitteilung der HSG Nordhorn-Lingen vom 1. Dezember des vergangenen Jahres hatte bereits wie ein Hilferuf geklungen. Darin hieß es, dass exakt drei Jahre nach dem Start des Projektes Doppelspielort Nordhorn/Lingen zum einen die sportlichen Erwartungen erfüllt wurden. Andererseits habe man das Zuschauerinteresse im Vergleich zu den vorherigen Spielzeiten „auf ein erheblich höheres Niveau“ anheben können. Gleichzeitig hob der Verein hervor, dass der erhoffte Effekt auf die Sponsoren ausgeblieben ist. „Die Wirkung der oben geschilderten positiven Merkmale auf die Sponsorenakquise, die das entscheidende wirtschaftliche Standbein darstellt, entspricht dagegen nicht den Erwartungen, die seinerzeit bei der Etablierung des zweiten Spielortes gehegt wurden“, sagte Blömers. Die Akquisition zusätzlicher Sponsorengelder sei aktuell somit die große Herausforderung, der sich die Verantwortlichen zu stellen haben, hieß es weiter. „Sie ist auch gleichzeitig die Voraussetzung für eine dauerhafte wirtschaftliche und damit nachhaltige Basis des Bundesligahandballes in der Region.“

Szenario wie 2009?

Beschafft der Verein nicht kurzfristig das Geld, dürfte nichts anderes übrig bleiben, als Insolvenz anzumelden. Ein Szenario, das Fans und Verein bereits aus der Saison 2008/09 kennen. Am 16. Februar 2009 meldete die HSG Sportmarketing GmbH & Co KG beim Amtsgericht Nordhorn wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz an. Aufgrund von Liquiditätsengpässen wurden keine Spielergehälter mehr gezahlt. Am 5. März 2009 stellte Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath schließlich den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, wodurch die HSG nach TUSEM Essen als zweiter Zwangsabsteiger aus der Handball-Bundesliga in der Saison 2008/09 feststand. Der damalige HSG-Akteur Holger Glandorf war im Februar mit sofortiger Wirkung zum TBV Lemgo gewechselt, um seinem Klub eine Ablöse zu ermöglichen.


0 Kommentare