„Noch sind wir bei Olympia dabei“ Olympiastart für Rene Tebbel gefährdet

Von Helmut Diers

Für den Emsbürener Renè Tebbel könnte, falls keine Lösung mit Paul Schockemöhle gefunden wird, die Teilnahme an Olympia in Rio de Janeiro ein Traum bleiben. Foto: DiersFür den Emsbürener Renè Tebbel könnte, falls keine Lösung mit Paul Schockemöhle gefunden wird, die Teilnahme an Olympia in Rio de Janeiro ein Traum bleiben. Foto: Diers

Emsbüren. Wie das Reitsportmagazin St. Georg auf seinen Onlineseiten meldet, hat der ukrainische Reitsportförderer Alexandre Onischenko, dem auch das Reitsportzentrum Gut Einhaus in Herzlake gehört, 44 Pferde an Paul Schockemöhle verkauft. Wie St. Georg weiter schreibt, sei vor wenigen Tagen bekannt geworden, dass der ukrainische Reitstallbesitzer „wegen eines Korruptionskandal“ angeklagt sei.

„Momentan sind wir noch bei Olympia dabei“, sagt Renè Tebbel, der seit dem vergangenen Jahr für die Ukraine in den Springsattel steigt und bislang sowohl als Einzel- und als Mannschaftsstarter für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert ist. „Bis zum 10. Juli werden wir uns mit Paul Schockemöhle abstimmen, ob wir nach Rio fahren oder nicht“.

Schockemöhle will Urkaine unterstützen

Betroffen von einem möglichen Olympia-Aus wären neben dem Emsbürener noch Doppel-Olympiasieger Ulrich Kirchhoff, Ferenc Szentirmai und Cassio Rivetti, die zum Ukraine-Team gehören. Die Aussage Tebbels zu einem Olympiastart deckt sich mit der Veröffentlichung im St. Georg, wonach Schockemöhle erklärt habe, „er bemühe sich, dass die Reiter der Ukraine trotzdem an den Olympischen Spielen teilnehmen können“.

Nationenpreis nicht mehr möglich

Wie es weiter gehe und wie die Olympiateilnahme laufen solle, weiß Tebbel zurzeit selbst nicht. „Erst mal werde ich mich um meinen Hof kümmern.“ Im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in Aachen ritt der dreifache Deutsche Meister Renè Tebbel im Onischenko-Team. „Wir wollten eigentlich nächste Woche beim Nationenpreis in Budapest an den Start gehen. Daraus wird jetzt nichts“, bedauert Tebbel die ganze Entwicklung. „Es wäre sehr schade, wenn es nicht weitergeht mit dem Ukraine-Team“, klingt bei Tebbel leicht Wehmut durch.

Erfolgsgaranten Zipper und Giljandro

Er hatte bisher mit dem zwölfjährigen Wallach Zipper und mit dem zehnjährigen Hengst Giljandro zwei Pferde aus dem Besitz Onischenkos zur Verfügung, die auf einem vielversprechenden Weg nach Rio de Janeiro waren. „Ob wir die Pferde für Paul Schockemöhle weiter reiten, solange er sie nicht verkauft, das steht alles noch in den Sternen“, sagt Tebbel, der 2013 das ukrainische Team als ukrainischer Nationalcoach übernahm.

„Erhebliche Summen“

Auch auf das Nationenpreisfinale 2016 in Barcelona nach den Olympischen Spielen hat Tebbel sich schon mächtig gefreut. Es dürfte wohl bei der Vorfreude bleiben. Nach Tebbels Aussagen, habe er von dem Verkauf der Pferde erst aus der Presse erfahren. Für die Gemeinde Herzlake, auf deren Gebiet Gut Einhaus liegt, dürfte die jetzige Entwicklung nicht aus heiterem Himmel gekommen sein. „Wir haben mehrere Anrufe von Kontaktpersonen aus der Ukraine erhalten, und das in den letzten 14 Tagen, die uns Hinweise gaben, dass gegen Alexandre Onischenko ermittelt wird“, teilte Herzlakes Bürgermeister Hans Bösken auf Nachfrage der Emslandsportredaktion mit. „Dabei wurden erhebliche Summen genannt, die vom ukrainischen Staat von Onischenko zurückgefordert werden.“ Auch auf mehrfache Nachfrage wollte Bösken keine der ihm genannten Summen nennen. „Die Kommune ist eigentlich mit dem Gut Einhaus indirekt verbunden, vor allem liegen uns dort die Arbeitsplätze am Herzen“, so der Bürgermeister.

Arbeitsplätze in Gefahr

Vor Kurzem habe man noch Gespräche über die zukünftige bauliche Ausrüstung der Anlage mit Architekten und Beauftragten Onischenkos, unter anderem auch beim Landkreis Emsland geführt. „Die Nachricht vom Verkauf der 44 Pferde an Schockemöhle beunruhigt uns wegen des Wegfalls möglicher Arbeitsplätze doch etwas“, wäre es für die Gemeinde nach Ansicht des Bürgermeisters sehr gut, wenn sie bald erfahre, wie die Verantwortlichen die Zukunft der Reitanlage Gut Einhaus sehen.