„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ Rückzug: Fußballer des TuS Lingen sind fassungslos

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Kapitän des TuS Lingen: Nils Moggert (Mitte, gegen ULM Lupo Martini Wolfsburg). Foto: Dieter KremerKapitän des TuS Lingen: Nils Moggert (Mitte, gegen ULM Lupo Martini Wolfsburg). Foto: Dieter Kremer 

Lingen. In der Nacht von Sonntag auf Montag sind die Fußballer des TuS Lingen von ihrer Mannschaftsfahrt aus Mallorca zurückkehrt. Die Hiobsbotschaft, dass es künftig keinen Oberligafußball mehr im Emslandstadion geben soll, weil zwei Sponsoren ihre Zusage zurückgezogen haben, erhielten sie am Montagabend.

„Die Nachricht kam aus heiterem Himmel. Das war schon hart“, betont TuS-Kapitän Nils Moggert. Zum jetzigen Zeitpunkt habe er nicht mehr damit gerechnet, gesteht Moggert. „Wir haben am Sonntag die Info bekommen, dass wir am Montagabend zusammenkommen sollen.“ Nahezu geschlossen war die Mannschaft erschienen. Man habe zwar eins und eins zusammenzählen können, erklärt Moggert. „Aber das es so katastrophal ist, damit habe ich nicht gerechnet.“ Dass die Situation in den letzten Jahren schwierig war, habe man selbst miterlebt, erinnert er an die finanziellen Probleme , die schon vorher aufgetaucht waren. „Wir haben trotzdem als Truppe gesagt, wir machen das“, habe der in den Jahren entstandene Zusammenhalt den Ausschlag gegeben weiterzumachen.

Schlaflosigkeit

Die von Pressewart Bübi Schmitz überbrachte Nachricht vom bevorstehenden Rückzug löste laut Moggert innerhalb des Teams Fassungs- und Sprachlosigkeit aus. „Man versucht, das irgendwo in Worte zu fassen, aber das geht nicht.“ Ihm selbst hätten die Worte gefehlt und er könne derzeit wenig klare Gedanken fassen. „Ich habe es erst so richtig begriffen, als ich am Abend im Bett lag und überhaupt nicht schlafen konnte.“ Seinen Mitspielern sei es genauso gegangen, stellte Moggert nach einigen Telefonaten am Tag danach fest. „Ich denke, dass mindestens die Hälfte kein Auge zugemacht hat.“ Allen Beteiligten, womit der Kapitän auch die Vereinsvertreter meint, sei es sichtlich schwergefallen. „Das muss man fairerweise dazusagen.“

Kein Vorwurf vom Kapitän

Moggert will niemandem einen Vorwurf machen. Der Verein sei fair mit den Spielern umgegangen und habe gesagt, man könne erst mit den Spielern verlängern, wenn alles gesichert sei. „Das waren keine Luftschlösser. Dass es so dramatisch enden kann, hat sich erst in den letzten Tagen ergeben.“

Hoffen auf ein Wunder

Aufgeben will Moggert nicht, ein Restfunken Hoffnung auf die Rettung bleibt. „Ich glaube, das wäre ein Wunder.“ In den letzten Wochen sei von den Verantwortlichen hart an einer Lösung gearbeitet worden. „Aber für mich wäre es verwunderlich, wenn es plötzlich geht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ich habe wenig Vertrauen darin.“

Keine Flucht

Dass die Spieler schnellstmöglich die Flucht antreten, glaubt Moggert nicht. „Die Jungs, mit denen ich gesprochen habe, die lassen es sacken.“ Moggert will sich momentan auch nichts Anderes vorstellen. „Wir möchten doch einfach nur mit der Truppe weitermachen.“ Er persönlich wolle am Montag und Dienstag noch keine Gespräche mit anderen Vereinen führen, gerade weil er noch auf eine Rettung hofft und es noch nicht richtig realisiert habe. Mit einigen aus der Mannschaft habe er seit acht Jahren zusammengespielt.

Keine 2. Kreisklasse

Die Nachricht war kaum verkündet, als Moggert und Co. bereits die ersten Anfragen anderer Vereine erreichten. „Ich glaube, es hat keine halbe Stunde gedauert. Aber ich möchte das im Moment noch nicht, weil ich wirklich die Hoffnung habe, auch wenn sie ganz klein ist.“ Er könne im Moment auch keine klare Entscheidung treffen, „weil mich alles so enttäuscht und annervt, wie es jetzt gekommen ist - aus welchen Gründen auch immer.“ Wann jeder eine Entscheidung über seine sportliche Zukunft trifft, kann Moggert nicht sagen. „Ich finde es schwer, ein Ultimatum zu setzen. Meine persönliche Meinung ist, dass in dieser Woche schon klare Signale kommen müssen, damit es auch eine realistische Chance hat.“ Das solle nicht heißen, dass er sich innerhalb eine Woche entscheiden werde. Ein Neustart mit dem Großteil der Mannschaft in der 2. Kreisklasse erscheint unrealistisch. „Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null.“ Die 2. Kreisklasse sei nicht das, was man sich vorstelle.

120.000 Euro fehlen

Die Verantwortlichen des TuS Lingen hatten am Montagabend erklärt, die abgelaufene Saison mit rund 60.000 Euro Verbindlichkeiten abgeschlossen zu haben. Und für die kommende Spielzeit gebe es eine Finanzierungslücke von 120.000 Euro. „Wir hatten die Zusagen von zwei namhaften neuen, soliden Sponsoren“, erklärt der TuS in einer Pressemitteilung. „Das hätte gepasst. Auf der Basis dieser Zusagen haben wir die Oberligalizenz erhalten. Dann aber haben vor wenigen Tagen gleich beide ihre Zusagen zurückgezogen. Völlig unerwartet.“ Daher habe man der Mannschaft erklären müssen, das Team in der kommenden Saison nicht bezahlen zu können. „Wir haben den Spielern sofort freigestellt, sich bei anderen Vereinen eine neue sportliche Herausforderung zu suchen.“

Vorstand pessimistisch

Man prüfe zwar noch, ob man in einer unteren Klasse weitermachen werde, so der Ausblick. „Aber auch dafür brauchen wir ein funktionsfähiges Team, das der Vorstand nicht sieht. Stand heute spielt der TuS Lingen mit seiner Seniorenmannschaft 2016/17 in der 2. Kreisklasse Emsland-Süd.

Immer wieder Gerüchte

Im Oktober 2014 machten Gerüchte die Runde, dass einer der wichtigsten Sponsoren den Geldhahn beim TuS Lingen zudrehen will . Unfug sagte der Vorsitzende Klaus Salomon . Im März 2015 gestand Salomon im Rahmen der Mitgliederversammlung, dass die finanzielle Situation durch den Wegfall von Sponsoren angespannt sei. Die finanziellen Probleme auf der einen Seite und der Lizenzantrag für die Oberliga auf der anderen Seite sorgten für eine zum Teil sehr hitzige Diskussion. „Für Pro und Kontra Oberliga gab es große Lager, auf eine einheitliche Meinung konnten sich die Mitglieder nicht verständigen“, fasste die damalige Pressesprecherin und Schriftführerin Michaela Fühner die Diskussion zusammen.

Kritik vom NFV

Kritik an dem Vorgehen der Lingener übt NFV-Spielleiter Jürgen Stebani: ,,Ich finde das unmöglich“, wird er in der Zevener Zeitung zitiert. „Erst bis Ultimo abzuwarten und dann zu sagen: Wir melden mal und gucken, ob uns noch jemand mit Geld zuschüttet.“ Der Verband hat daher dem Verein eine letzte Nachmeldefrist bis Donnerstag gesetzt. ,,Wir brauchen hier eine rechtsverbindliche Erklärung, keine Rumeierei.“ Er gehe aber fest von einem Rückzug aus. Am kommenden Freitag bei der Sitzung des Verbandsspielausschusses werde die Ligaeinteilung jedenfalls verbindlich festgesetzt.

Profitiert Heeslingen?

Sollten sich die Lingener zurückziehen, würde der Heeslinger SC am grünen Tisch den Klassenerhalt schaffen - unabhängig vom Ausgang der Regionalliga-Relegation. Sollte Egestorf/Langreder durch die Relegation den Aufstieg schaffen, würde auch der Tabellendrittletzte TB Uphusen in der Oberliga bleiben.


Der TuS Lingen war im vergangenen Sommer aufgestiegen, hatte den direkten Durchmarsch von der Bezirks- in die Oberliga geschafft. Dort schloss die Truppe von Trainer Wolfgang Schütte die Saison auf Platz elf ab.

Nils Moggert ist am 2. Mai 28 Jahre alt geworden. Im Sommer 2013 wechselte er vom SV Bad Bentheim zum TuS Lingen, stieg zweimal mit dem Team auf und gewann den Bezirkspokal. Vor der gerade abgelaufenen Saison übernahm er die Kapitänsbinde von Dennis Brode, der zu seinem Heimatverein VfL Weiße Elf Nordhorn zurückkehrte.

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