Zusammenarbeit mit Fußballvereinen JLZ Emsland: Freiwillige Regelung stieß auf Zustimmung

Hinter das Konzept der Zusammenarbeit zwischen den emsländischen Vereinen und dem Jugendleistungszentrum stellten sich (v.l:) Hubert Börger (Vorsitzender Kreisfußballverband Emsland), Landrat Reinhard Winter, Heinrich Gehring (Vorsitzender Förderverein JLZ Emsland), Frank Dosquet (Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Zusammenarbeit JLZ/Vereine) und Norbert Borken (Organisatorischer Leiter JLZ). Foto: Dieter KremerHinter das Konzept der Zusammenarbeit zwischen den emsländischen Vereinen und dem Jugendleistungszentrum stellten sich (v.l:) Hubert Börger (Vorsitzender Kreisfußballverband Emsland), Landrat Reinhard Winter, Heinrich Gehring (Vorsitzender Förderverein JLZ Emsland), Frank Dosquet (Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Zusammenarbeit JLZ/Vereine) und Norbert Borken (Organisatorischer Leiter JLZ). Foto: Dieter Kremer

Meppen. Das unverbindliche Votum am Ende der Veranstaltung war deutlich: Die Fußballvereine des Kreises steuern offenbar kurzfristig eine freiwillige Regelung bei der Zusammenarbeit mit dem Jugendleistungszentrum Emsland (JLZ) an. Dabei geht es um die finanzielle Beteiligung, aber auch um die Wechselmodalitäten der jungen Talente nach ihrer Ausbildung.

Landrat Reinhard Winter als Gastgeber im großen Sitzungssaal des Kreishauses und der Vorsitzende des Fußballkreises Emsland Hubert Börger zeigten sich angetan vom regen Interesse: Sie zählten über 100 Teilnehmer aus den insgesamt 121 emsländischen Fußballklubs. Beim Votum gab es zwar nur eine Gegenstimme, aber doch einige Enthaltungen. Die klare Mehrheit der Klubvertreter aber stimmte dem Konzept zu.

Die Vorgeschichte:Das JLZ geht auf die Initiative des Fußballkreises Emsland zurück . Die Einrichtung wurde 2011 ermöglicht durch den Schulterschluss von Sport, Wirtschaft und Politik . Ziel ist es, Talente der Region gezielt zu sichten, auszubilden und in den gehobenen Amateurbereich zu integrieren. Angesiedelt wurde das JLZ beim SV Meppen, der über die beste Infrastruktur verfügte und die hochklassigsten Nachwuchsteams des Kreises stellte. Der Verein trägt die operative Verantwortung.

Die Finanzierung: Der Vorsitzende des Fördervereins des JLZ Heinrich Gehring bezifferte den Etat auf etwa 340000 Euro. Daran beteiligt sind etwa der Landkreis, die Stadt Meppen, die Sporthilfe Emsland, der Wirtschaftsverband Emsland, die Sparkassenstiftung und der SV Meppen. Nicht beteiligt sind die anderen emsländischen Klubs. „Wir müssen zeigen, dass wir nicht nur ideell, sondern auch finanziell dahinterstehen“, forderte Börger. Der Landkreis hat seine Zusage bis 2017 auf 60000 Euro verdoppelt. „Das schafft Voraussetzungen für eine begrüßenswerte Kontinuität der Arbeit im JLZ“, bewertete Winter die Entwicklung der Talentschmiede ausgesprochen positiv. Den größten Kostenfaktor (110000 Euro) bildet der Fahrdienst.

Der Ist-Zustand: Am JLZ sind nach Angaben vom organisatorischen Leiter Norbert Borken neben den Bundesliga-B-Juniorinnen die U15 (Landesliga), die U17 (Niedersachsenliga) und die U19 (Bundesliga ) integriert. Von zurzeit 64 männlichen Talenten stammten rund 80 Prozent aus dem Emsland. Der Rest aus der Grafschaft Bentheim, Leer oder dem Raum Cloppenburg.Mehr als 30 emsländische Vereine, erläuterte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Zusammenarbeit JLZ/Vereine“ Frank Dosquet, hätten bereits Talente an das JLZ abgegeben. Von der guten Ausbildung der Spieler profitierten etliche Klubs – vor allem ab der Landesliga, aber auch darunter. „Das bedeutet Werbung für die abgebenden Vereine, aber auch für den emsländischen Fußball.“ Borken verwies auf die Betreuung der Talente durch lizenzierte Übungsleiter, nachhaltige Leistungsförderung, regelmäßige Beurteilungsgespräche, aber auch gezielte außersportliche Betreuung (Kooperation mit dem Marianum, der Bundesagentur für Arbeit). Aber es gebe immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, erklärte Borken.

Das neue Konzept: Die Zusammenarbeit von JLZ und emsländischen Vereinen soll auf freiwilliger Basis geregelt werden. „Das können wir nicht einklagen“, stellte Börger unmissverständlich fest. Die Vorschläge haben Vereinsvertreter erarbeitet:

– Beim Wechsel von Jugendspielern in den Seniorenbereich wird eine Aufwandsentschädigung fällig: in die Kreis- oder Bezirksliga 1000 Euro, in die Landes- oder Oberliga 1500 Euro. Voraussetzung ist, dass der Spieler vier Jahre im JLZ ausgebildet wurde, sonst wird die Summe anteilig erhoben. Die Zahlung wird auf drei Jahre verteilt. Wechselt ein Spieler innerhalb dieser Zeit, muss der neue Klub die Restsumme zahlen. Der emsländische Heimatverein des Fußballers profitiert davon: Er erhält ein Drittel der Summe anteilig für die Ausbildung des Talents von der F- bis zur D-Jugend. Also maximal 500 Euro. War der Kicker in dieser Zeit für mehrere Vereine tätig, wird die Summe anteilig berechnet. Kehrt ein Spieler zum Heimatverein zurück, reduziert sich die Zahlung an das JLZ um 30 Prozent. Bei Wechseln von Spielern in den Profibereich, zu Vereinen außerhalb des Emslandes oder beim vorzeitigen Wechsel in eine Seniorenmannschaft ohne Zustimmung greifen die Regularien des DFB.

– Einen Unterstützungsbetrag sollen die Vereine abhängig von der Klassenzugehörigkeit der ersten Seniorenmannschaft an den Förderverein des JLZ zahlen: Kreisklasse 75 Euro, Kreisliga 150, Bezirksliga 300, Landesliga 450, Oberliga 500, Regionalliga 750.

– Die Außendarstellung soll verbessert werden durch einheitliche Aufdrucke auf Trikots und Trainingsanzügen, die eigene Website des JLZ sowie Präsentation der Vereine, die sich am Förderkonzept beteiligen. „Es ist das Leistungszentrum aller emsländischen Vereine“, stellte Börger fest.

– Die Weiterentwicklung des Konzepts soll durch einen ständigen Arbeitskreis stattfinden. Er ist auch als Mediator bei Unstimmigkeiten gefordert. Teilnehmer können sich formlos anmelden. Der Vorsitzende und die beiden Stellvertreter sollen aus den drei verschiedenen Altkreisen kommen.

Urteil der Vereinsvertreter: Die Klubs bewerteten die Arbeit des JLZ positiv. Daher gab es nur wenige Einwände gegen die Ausbildungsvergütung.

Die Fragen der Vereinsvertreter: Natürlich gab es auch Bedenken und noch offene Fragen:

– Machen auch die höherklassigen und größeren Klubs mit, damit die Heimatvereine der Talente finanziell profitieren? Börger geht davon aus. Die Vertreter aus Spelle oder Biene oder Laxten machten ihre Bereitschaft deutlich.

– Warum soll der Heimatverein zahlen, wenn ein Talent aus dem JLZ zurückkehrt? „Weil die Spieler eine Ausbildung bekommen, die der Heimatverein nicht bieten könnte“, erklärte Dosquet. „Die Talente sollen im Mittelpunkt stehen.“ Ein Teilnehmer stellte fest: „Jeder Jugendliche hat die Chance, fußballerisch nach oben zu kommen. Das war noch vor wenigen Jahren ganz anders.“

– Können Beiträge der Vereine erhöht werden? Nur bei einem Beschluss auf dem Kreisfußballtag oder durch eine größere geladene Runde, erläuterter Börger.

– Warum zahlt der SV Meppen nicht, wenn Talente zu ihm wechseln? Weil der SVM sich mit 65000 Euro an den Gesamtkosten beteilige und personell sowie organisatorisch viel investiere, erläuterten Gehring und Borken.

Wie geht es weiter? Die Vereine bekommen die Unterlagen vom Kreisfußballverband und sollen bis Mitte April schriftlich ihre Zusage geben. Die Wechselmodalitäten sollen schon zur nächsten Saison gelten.


Wechsel-Beispiele

Beispiel 1: Max Mustermann wechselt vom JLZ in die Landesliga. Der Verein zahlt 500 Euro pro Jahr. Eine Saison später wechselt Max in die Bezirksliga. Der neue Klub übernimmt die Restsumme von 1000 Euro€ verteilt auf zwei Jahre.

Beispiel 2: Max wechselt vom JLZ in die Bezirksliga. Der Verein zahlt 333 Euro pro Jahr. Zwei Jahre später wechselt Max in die Landesliga. Der neue Klub übernimmt die Restsumme von 333 Euro.

Beispiel 3: Max hat den Heimatverein Holthausen/Biene, sechs Jahre im JLZ gespielt und wechselt zum TuS Lingen. Somit zahlt der TuS dem JLZ jährlich 500 Euro, davon behält das JLZ 350 Euro (70 Prozent) und Holthausen/Biene 150 Euro€ (30 Prozent), für die Dauer von drei Jahren.

Beispiel 4: Max spielte in der F- und E-Jugend bei Sigiltra Sögel, in der D-Jugend zwei Jahre beim SV Lahn. Anschließend kommt er ins JLZ. Beim Wechsel in den Seniorenbereich in die Landesliga darf Sögel drei Jahre mit einer Summe von 100 und der SV Lahn mit 50 Euro rechnen.

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