Zu wenig Abgaben gezahlt? Haselünner SV: Durchsuchungen nach Anzeige

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Beim Haselünner SV hat es heute Durchsuchungen gegeben. Archivfoto: LeißingBeim Haselünner SV hat es heute Durchsuchungen gegeben. Archivfoto: Leißing

Haselünne. Ungebetenen Besuch haben am Dienstagvormittag Spieler und Verantwortliche des Haselünner SV bekommen. Der Zoll hat Durchsuchungen durchgeführt und Unterlagen beschlagnahmt.

„Es besteht der Verdacht, dass neben den ,Aufwandsentschädigungen‘ Gelder an die Spieler geflossen sind, die eigentlich sozialversicherungs- und lohnsteuerpflichtig gewesen wären“, bestätigt Volker Brandt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Nähere Informationen sind laut Staatsanwaltschaft zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht möglich. „Die Auswertung läuft. Das dauert alles seine Zeit“, beschreibt Brandt das Vorgehen. Das Ganze könne einige Monate dauern. Auch bei wie vielen und welchen Spielern Durchsuchungen stattgefunden haben, konnte Brandt nicht sagen.

Fest steht, dass sowohl aktuelle als auch ehemalige Vorstandsmitglieder von den Durchsuchungen betroffen waren. Wie Haselünnes stellvertretender Vorsitzender Günter Strotmann auf Anfrage erklärte, wurden seine gesamten HSV-Unterlagen beschlagnahmt – auch diejenigen, die er von seinem Vorgänger erhielt. „Ich habe nichts mehr zu Hause“, berichtet er. Strotmann ist seit einem halben Jahr im Amt. Clubchef Gerd Papenbrock war nach eigener Aussage nicht zu Hause, als die Beamten klingelten. „Deshalb habe ich momentan auch noch keine großen Details.“

Klar ist: Die Durchsuchungen stehen nicht in Zusammenhang mit der im März 2014 gestellten Selbstanzeige des HSV. „Sie rührt aus einer Geldwäscheverdachtsanzeige“, teilte Brandt mit. Banken hätten nach Einzahlungen auf Konten einen Verdacht geäußert. Daraufhin habe man die Spur des Geldes verfolgt, so Brandt. „Deshalb besteht der Verdacht, dass dieses Geld letztendlich den Spielern des SV Haselünne zugutegekommen ist.“

Brandt warnt davor, den Verein vorzuverurteilen. Vielmehr gelte die Unschuldsvermutung. „Das bedeutet nicht, dass das tatsächlich so ist.“ Die Staatsanwaltschaft habe sowohl zugunsten als auch zum Nachteil zu ermitteln. „Wenn solche Verdachtsmomente vorliegen, dann muss man denen nachgehen.“ Wer sich im Sportbereich auskenne, wisse, dass diese Dinge bei vielen Vereinen der Fall seien. „Um den Spielern etwas zugutekommen zu lassen, wird die eine oder andere Zuwendung gegeben“, so Brandt. „Nur was dann immer außer acht gelassen wird, ist der Umstand, dass dafür eventuell auch Lohnsteuern und Sozialversicherungsabgaben abzuführen sind.“

Wie im März 2014 bekannt wurde, hatte der HSV wenige Wochen zuvor auf Empfehlung eines Steuerberaters vorsorglich Selbstanzeige beim Finanzamt gestellt. Die Berechnung des Steuerberaters ergab eine zu erwartende Zahlung an das Finanzamt und die Sozialkassen in Höhe eines mittleren vierstelligen Betrags, der nach Angaben des Vereins bereits vorsorglich abgeführt wurde.

Der Haselünner SV ist nicht der erste Verein im Emsland, der Besuch vom Zoll bekommen hat. Zuletzt gab es 2011 wegen des Anfangsverdachts des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt Durchsuchungen beim SV Holthausen/Biene. Wie mehrfach berichtet, muss der Club rund 390000 Euro an das Finanzamt und die Sozialkasse nachzahlen, weil zwischen 2007 und 2011 Lohnsteuer und Sozialabgaben für die Spielergehälter nicht korrekt abgeführt worden sind.

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