Abschied vom Spitzensport Carsten Schlangen: Die Möglichkeiten genutzt

Von Uli Mentrup


Berlin. „Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, stellt Carsten Schlangen fest. Schließlich verabschiedet sich der aus Meppen stammende Leichtathlet nach zehn Jahren vom Leistungssport. In dieser Dekade hat der 33-Jährige weit mehr erreicht, als er selbst erwartet hatte.

Carsten Schlangen hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Er hat die wichtigsten Stationen seiner steilen Karriere Revue passieren lassen. „Es ist eine tolle Sache, als Teglinger zweimal bei Olympischen Spielen im Halbfinale gewesen zu sein“, erinnert er an die Spiele von Peking 2008 und London 2012 . Diese Saison hat sich der 1500-m-Läufer trotz einiger Rückschläge „richtig reingehängt“. Jetzt steigt er voll in den Beruf als Architekt ein.

Am Beginn von Schlangens leichtathletischer Laufbahn stand der Meppener Citylauf: Als Zwölfjähriger wollte der Schüler des Marianums aber nicht über 1000, sondern über 10000 m starten. Er bekam mit Unterstützung von Agnes Schlömer eine Ausnahmegenehmigung – und blieb unter 40 Minuten. Danach empfahl Schlömer den vereinslosen Läufer Trainer Gerd Janning von Union Meppen. „Carsten war ein Glücksgriff für mich“, weiß Janning, der den Sportler bis heute begleitet. Er bescheinigt dem Sportler, schon als Jugendlicher ehrgeizig trainiert zu haben.

„Es geht mehr“, war Janning sicher. 2005 fühlte er sich bestätigt. Da war Schlangen nach Berlin gezogen und trainierte unter Roland Wolff bei der LG Nord. Bei der DM in Wattenscheid wurde der Hochschulmeister deutscher Vizemeister über 1500 m. „Als ich 2004 angefangen bin, etwa professioneller zu arbeiten, habe ich gedacht, ich könnte vielleicht mal Fünfter werden in Deutschland“, erinnert sich der Läufer. Den ersten von sieben DM-Titeln über seine Spezialstrecke im Freien holte der Läufer 2006 in Ulm. Weitere im Cross und über 3x1000 m mit der Mannschaft folgten.

In Göteborg startete Schlangen 2006 bei der ersten von drei Europameisterschaften. Es kamen drei Weltmeisterschaften und zwei Olympische Spiele hinzu, bei denen er jeweils das Halbfinale erreichte. „Es wird lange dauern, bis das wieder ein Emsländer schafft“, ahnt Schlangen, der der Region nicht nur als Sportbotschafter verbunden ist.

2009 hegte Schlangen erstmals Rücktrittsgedanken, als er sich ausgerechnet bei der WM im heimischen Berlin verletzte. Er machte weiter. Bei der EM 2010 in Barcelona gewann Schlangen die Silbermedaille . Ein Triumph. „Man setzt sich immer neue Ziele, will immer weiter“, sagt Schlangen, der gern an einem WM- oder Olympia-Finale teilgenommen hätte.

Kennzeichnend ist der ständige Kampf um Qualifikationsnormen für internationale Wettkämpfe. Oft musste der Sportler lange warten. „Aber er hat es immer geschafft. Er war immer voll da, wenn es nötig war“, beschreibt Janning die mentale Stärke seines Schützlings – „Typ Pacemaker. Er macht immer Druck.“

Lange warten musste der Emsländer auf die Erfüllung der Norm für Olympia 2012. Nach mehreren Fehlversuchen schaffte er sie auf den letzten Drücker in Bottrop mit seiner persönlichen Bestzeit (3:33,14 Min.). „Trotz einiger Rückschläge wollte ich die Norm immer knacken“, sagt der Läufer.

„Carsten hat zehn Jahre an der deutschen Spitze mitgemischt“, sah Janning in diesem Zeitraum etliche Konkurrenten kommen und gehen. „Carsten war konstant da.“ Jetzt endet die Spitzensportkarriere des 33-Jährigen nach einem Jahr, das sportlich nicht top gelaufen ist. Eigentlich wollte Schlangen seinen Abschied bei einem großen Rennen bekannt geben. Nämlich beim Istaf in Berlin. „Eigentlich mein Lieblingsmeeting“, betont er. Er hätte starten können, sagte aber nach einem Testwettkampf ab, weil er sich nicht topfit fühlte.

Jetzt verkündete der Emsländer seinen Abschied in kleiner Runde. Wehmütig natürlich. Aber auch zufrieden. „Ich habe meine Möglichkeiten genutzt“, sagt er. Aber Ziele hat er immer noch: zum Beispiel den Meppener Citylauf. Den hat er nämlich noch nicht gewonnen...