Bissendorferin im DFB-Dress Rieke Dieckmann will mit der U20 den WM-Titel holen

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Der dritte Stern soll her: Die Bissendorferin Rieke Dieckmann will mit den U-20-Frauen des DFB in Kanada den WM-Titel holen. Foto: imagoDer dritte Stern soll her: Die Bissendorferin Rieke Dieckmann will mit den U-20-Frauen des DFB in Kanada den WM-Titel holen. Foto: imago

Meppen. Das Abitur hat sie in der Tasche, die Führerscheinprüfung hat sie ebenfalls hinter sich gebracht – jetzt steht für Rieke Dieckmann aus Bissendorf noch eine Aufgabe auf der „To-do-Liste“. Die Mittelfeldspielerin des Fußball-Zweitligisten SV Meppen will bei der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada den Titel holen.

„Wir wollen den Titel zurück nach Deutschland holen“, betont die 17-Jährige, die am Samstag zum finalen Vorbereitungslehrgang nach Hennef reist. Bis zum Mittwoch will Trainerin Maren Meinert ihre 21 Spielerinnen auf das Turnier einstimmen. Am 31. Juli steigen Dieckmann und ihre Teamkolleginnen in den Flieger über den großen Teich nach Kanada. „Ich habe mir schon eine Menge Videos runtergeladen, damit mir im Flugzeug nicht langweilig wird“, berichtet die Bissendorferin, die sich auf ihr erstes großes Turnier im DFB-Dress freut.

Auslandsreisen mit der Nationalmannschaft sind für Dieckmann schon lange kein Novum mehr. Anfang 2013 war sie mit der U17 im Wintertrainingslager in Los Angeles. Das Handy darf natürlich bei keiner Reise fehlen. „Es ist nicht so, dass ich weinend im Bett sitze und Heimweh habe. Aber man fragt sich ja schon, wie es der Familie geht“, verrät Diekmann, die gerade am Osnabrücker Ratsgymnasium erfolgreich ihr Abitur gebaut hat. „Tief in meinem Herzen bin ich aber eine GSGlerin“, betont Dieckmann, die nach der 10. Klasse vom Graf-Stauffenberg-Gymnasium ans „Rats“ wechselte, weil sie dort Latein als erstes Prüfungsfach belegen konnte. Demnächst absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Osnabrücker SC.

Im Oktober 2010 hatte sie ihre Länderspielpremiere gefeiert. Bei ihrem ersten Einsatz im DFB-Dress traf Dieckmann nach ihrer Einwechslung zum 1:1-Ausgleich gegen Griechenland. Seitdem zählt die Bissendorferin beim DFB zum Stammpersonal – erst bei Anouschka Bernhard in der U17, mit der Dieckmann die EM-Qualifikation knapp verpasste, dann bei der U19 und der U20.

Als ihre Trainerin Maren Meinert ihre großen Erfolge als Nationalspielerin feierte und 2003 den WM-Titel gewann, interessierte sich Dieckmann kaum für Frauenfußball. Der Traum, einmal bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, war ganz weit weg. Auch als sie im Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke ein Länderspiel der DFB-Frauen sah. „Ich kannte die Torhüterin Silke Rottenberg und wollte ein Autogramm von ihr“, erinnert sich Dieckmann. Glücklichweise hat sie ihr Autogramm damals bekommen. Rottenberg ist heute Torwarttrainerin der U20. „Jetzt würde ich aber nicht mehr danach fragen. Das traue ich mich nicht“, lacht Dieckmann.

Auch wie sie zum Fußballspielen gekommen ist, weiß die 17-Jährige, die sehnlichst auf ihren 18. Geburtstag in vier Wochen wartet, damit sie endlich selbst mit dem Auto fahren kann, nicht mehr genau. „Ich glaube, ich habe damals meinen kleinen Bruder Finn zum Hallentraining gebracht und zuguckt. Vermutlich war mir irgendwann langweilig und ich habe ein paarmal mit dem Ball aufs Tor geschossen“, erzählt Dieckmann, die anschließend bis zu den C-Junioren bei den Jungs des FC Bissendorf kickte. Mit dem Wechsel zu den B-Juniorinnen des SV Meppen tat sie den richtigen Karriereschritt. In der Saison 2011/2012 gelang ihr mit den B-Juniorinnen die Qualifikation zur Bundesliga. Dieckmann wechselte anschließend zu den Zweitligafrauen, wo sie schnell zur Stammspielerin aufstieg. Dreimal in der Woche wird sie 90 Kilometer von Bissendorf zum Training nach Gersten gefahren. „Ich fühle mich in Meppen sehr wohl“, betont Dieckmann, die aber irgendwann in der 1. Bundesliga spielen will. „Mit dem SV Meppen in der 1. Liga zu spielen, wäre natürlich ein Traum.“

Zuvor will sie sich aber den Traum vom WM-Titel erfüllen. Im deutschen U-20-Team hat sich die Bissendorferin schnell etabliert. „Am Anfang war ich eher schüchtern. Aber ich bin ja auch fast die Jüngste und Unerfahrenste“, betont Dieckmann, die exakt sechs Tage älter ist als „Nesthäkchen“ Jenny Gaugigl (Bayern München). Beim Turnier im spanischen La Manga im März debütierte Diekmann bei der U20 und kam seitdem in jedem Spiel zum Einsatz.

Wie beim SV Meppen ist ihre Position beim DFB im defensiven Mittelfeld. „Lieber spiele ich aber ein Stück weit offensiver auf der 10“, erklärt Dieckmann, die bei der WM aber um ihren Platz bangen muss. Denn mit Melanie Leupolz (Bayern München) und Sara Däbritz (SC Freiburg) kehren zwei Spielerinnen in die U20 zurück, die mit der A-Nationalmannschaft vor einem Jahr Europameisterinnen geworden sind. Trotz namhafter Konkurrenz hofft Dieckmann auf Einsätze bei der WM, um den dritten Titel für die DFB-Talente der U19/U20 zu holen.

Vor dem Fernseher hat Dieckmann gebannt verfolgt, wie die DFB-Herren die Titelmission erfolgreich erfüllt haben. Als Bastian Schweinsteiger und Co. am Dienstag auf der Fanmeile in Berlin von Tausenden Fans empfangen wurden, stieg die Vorfreude auf die WM. „Da habe ich mir gedacht: Schade, dass es das bei den Frauen wohl nie geben wird. Aber für Überraschungen bin ich immer offen.“


Gleich zum Auftakt der U-20-WM in Kanada bekommt es das deutsche Team mit dem Titelverteidiger zu tun. Am Mittwoch, 6. August, trifft das DFB-Team in Edmonton (1 Uhr MEZ) auf den Weltmeister USA, gegen den das deutsche Team vor zwei Jahren in Tokio das WM-Finale mit 0:1 verloren hatte. Anschließend spielt Deutschland in der Vorrundengruppe B gegen China (Samstag, 9. August, 1 Uhr MEZ in Edmonton) und Brasilien (Dienstag, 12. August, 22 Uhr MEZ in Montreal). Mögliche Gegner im Viertelfinale sind aus der Gruppe A Gastgeber Kanada, Ghana, Finnland und Nordkorea.

Außerdem haben sich England, Südkorea, Mexiko und Nigeria (Gruppe C) sowie Neuseeland, Paraguay, Frankreich und Costa Rica (Gruppe D) für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Das Endspiel wird am Montag, 25. August, 1 Uhr MEZ, im Olympiastadion von Montreal angepfiffen.

Alle Spiele der WM werden live auf Eurosport und Eurosport 2 übertragen.

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