Bilanz der fünf Emsländer in Aachen Pech für Tebbel, Krajewski rettet Vielseitigkeitsehre

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Aachen Ein emsländisches Quintett hat die Region beim CHIO Aachen vertreten. Während Springreiter Maurice Tebbel (Emsbüren) im Mekka des Reitsports mit der Mannschaft erfolgreich war, lenkte Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski (RFV Lingen) mit ihrem Einzelerfolg vom Debakel der Mannschaft ab.

Krajewski gewann ihren ersten Titel in Aachen. Die 29-Jährige war mit zwei Pferden am Start. Während Samurau du Thot im Gelände gegen elf Uhr dreimal verweigerte, gab der zehnjährige Hannoveraner Chipmunk zwei Stunden später alles. Am Ende holte sich Krajewski (26,10) knapp vor dem Australier Christopher Burton (26,70) den Sieg. Titelverteidigerin Klimke (54,50) kam nur auf Rang 19. Was Chipmunk auszeichnet? „Er will einfach immer alles richtig machen. Er ist ein sehr ehrliches Pferd. Er hat so eine Einstellung, als wollte er sagen, ‚Los, lass es und einfach machen, alles ist gut!“, so Krajewski. Als das Duo die letzten Hindernisse im großen Stadion ansteuerte, wurde es von 25.000 Menschen empfangen: „Die Ehrenrunde habe ich definitiv erst einmal gebraucht, um mich zu sammeln“, so Krajewski. „Das ist das Größte, hier ins Stadion zu galoppieren, von den Leuten getragen zu werden und zu spüren, dass er wirklich alles für mich machen würde.“ Krajewski dürfte ihren WM-Platz sicher haben, nicht mit ihrem bisherigen Toppferd Samourai, sondern mit ihrem Aachen-Sieger Chipmunk.

Team fällt weit zurück

Zuvor hatte die deutsche Vielseitigkeitsmannschaft ein Desaster erlebt. Nach Dressur und Springen hatte die Equipe von Bundestrainer Hans Melzer noch ganz vorne gelegen. Aber im abschließenden Geländeritt fielen die Deutschen mit 206,60 Fehlerpunkten auf Rang fünf (von sieben Teams) zurück. Krajewskis Pferd Samourai du Thot verweigerte dreimal an Hindernis 16A, womit sie automatisch das Streichresultat lieferte. Die ersten Sprünge der Geländestrecke hatten problemlos geklappt. „Ich weiß nicht, was passiert ist“, so die ratlose Krajewski. „Er ist sehr intelligent und denkt sehr selbstständig. Man muss ihn einhundertprozentig auf seiner Seite haben.“ Ob er das heute nicht war? „Ich bin mit einem sehr guten Gefühl losgeritten. Aber unterwegs haben wir uns irgendwie verloren. Das werden wir jetzt analysieren.“

Europameisterin Ingrid Klimke und Hale Bob verpassten ein Hindernis und Kai Rüder ritt erst in die falsche Richtung, bevor er mit Colani Sunrise einen Sturz verhinderte. Einzig Andreas Dibowski (auf Corrida) kam gut durch die Soers. Olympiasieger Michael Jung und Sandra Auffarth standen kurzfristig in Aachen nicht zur Verfügung.

Neuseeland gewann den Nationenpreis (112,90). Zweiter wurde Frankreich (130,50) vor Schweden (146,30).

Bereits deutsche Meisterin

Sportlich hat sich Krajewski in diesem Jahr zurückgemeldet. Vor fünf Wochen siegte sie bereits in Luhmühlen und wurde deutsche Meisterin. Im Vorjahr hatte die deutsche Mannschaft nach der EM in Polen die Silbermedaille zurückgeben müssen, weil bei Samurai du Thot eine positive Medikationskontrolle festgestellt worden war. Krajewski beteuert seitdem wiederholt ihre Unschuld.

Riesenpech für Maurice Tebbel

Krajewski scheiterte mit der Mannschaft und siegte im Einzel – Maurice Tebbel machte es andersherum. Marcus Ehning setzte sich am Sonntag mit „Pret A Tout“ dank des schnellsten Stechens durch. Elfter wurde Maurice Tebbel aus Emsbüren mit dem Hengst „Chaccos‘ Son“. Pech für Tebbel, dass sein Pferd nach einem eigentlich fehlerfreien Ritt am letzten Hindernis leicht nach hinten auskeilte und die Stange doch noch fallen ließ. Im Nationenpreis hatten Ehning (44 Jahre) und Tebbel (24) am Donnerstag gemeinsam mit den beiden Debütantinnen Laura Klaphake (24, Steinfeld) und Simone Blum (29, Zolling) gewonnen.

Tebbels Schwester auf Rang drei

Tebbels Schwester Justine erlebte in Aachen ihre Premiere. Mit Light Star ging sie im Finale von Deutschlands U-25-Springpokal an den Start gegangen und wurde Dritte. Richard Vogel auf Solitär hatte im Stechen eine fehlerfreie Vorstellung geboten und Cedric Wolf (Cho Chang/42,67) und Justine Tebbel (43,13) auf die Plätze zwei und drei verwiesen.

Sandmann-Premiere geglückt

Ebenfalls zum ersten Mal präsentierte sich Anna Sandmann als Teilnehmerin in Aachen, die als Besucher oder Helferin aber auch in den vergangen 21 Jahren dabei war. Seitdem sich ihr Vater Christoph an Ostern eine Sehne im Arm gerissen hat, fährt die 22-Jährige in der laufenden Saison das Championat-Gespann des Vaters. Am Ende belegte sie als zweitbeste Deutsche Platz neun hinter dem fünftplatzierten Georg von Stein und vor Mareike Harm auf Platz zehn. Erst am letzten Hindernis des Kegelparcours, als das Publikum schon jubelte, fiel doch noch ein Ball, sodass Anna Sandmann am Ende auf 6,09 Strafpunkte kam. Christoph Sandmann kam mit seinem Ersatzgespann auf Platz 13.

Die deutschen Fahrer Mareike Harm, Michael Brauchle und Georg von Stein, die sich in Aachen bei der Familie Sandmann zum gemeinsamen Grillen trafen, belegten im Nationenpreis der Vierspänner hinter den Niederlanden und vor den Belgiern Platz zwei.


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