48. Internationales Sandbahnrennen Matthijssen gewinnt in Werlte seinen sechsten EM-Titel

Von Dieter Kremer


Werlte Ein Niederländer hat sich auf dem Hümmlingring Werlte die kontinentale Krone aufgesetzt: William Matthijssen holte sich am Samstagabend mit Beifahrerin Sandra Mollema im Rahmen des 48. Internationalen ADAC-Flutlicht-Sandbahnrennens im EM-Seitenwagenfinale den Titel. Aber auch ein Lokalmatador durfte vor rund 3000 Zuschauern jubeln.

Nach sechs Jahren Pause wurde in Werlte zum zweiten Mal der Europameister ermittelt. Das Duo Matthijssen/Mollema verwies die Engländer Mitch Godden/Paul Smith und die amtierenden deutschen Meister Markus Venus/Markus Heiß (Pfarrkirchen) auf die Plätze zwei und drei. Bereits der sechste EM-Titel für Matthijssen/Mollema. „Mit Matthijssen war zu rechnen“, bilanzierte der MSC-Vorsitzende Hermann Niehaus. Mit ihm habe sich einer der Favoriten durchgesetzt. Zwölf Gespanne, für viele das Nonplusultra des Motorradbahnsportes, traten im Finale an. Die Teilnehmer kamen aus Deutschland, England, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden.

Wachs nutzt Heimvorteil

Einen Heimsieg konnte Lokalmatador Fabian Wachs bejubeln. Der 18-Jährige vom MSC Hümmling Werlte fuhr der Konkurrenz in der nationalen Soloklasse (B-Lizenz), in der die besten deutschen Nachwuchsfahrer unterwegs sind, davon. Jens Buchberger (MF Niederelbe) wurde Zweiter, gefolgt von Fabien Neid (MSC Eichenring Scheeßel). „Für uns natürlich ein Highlight“, gestand Niehaus.

Shanes vor Klatt

Das Rennen der internationalen Soloklasse (J/A-Lizenz) entschied der Brite James Shanes vor dem Deutschen Stephan Klatt und seinem Landsmann Andrew Appleton für sich. MSC-Fahrer Bernd Diener, der im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird, belegte Rang fünf. Jörg Tebbe vom MSC Dohren wurde Achter.

Überraschung des Abends

Im Handicap-Superfinale, dem gemeinsamen Finale der beiden Soloklassen, musste sich Wachs nur Shanes geschlagen geben. Die drei besten A-Lizenzfahrer trafen auf das Top Trio der B-Lizenzfahrer. Gestartet wird an zwei unterschiedlichen Positionen. Die B-Lizenzfahrer gingen mit 30 Metern Vorsprung ins Rennen. „In der Regel gewinnt das immer der A-Lizenzfahrer beziehungsweise alle drei A-Lizenzfahrer landen auf dem Treppchen“, erklärt Niehaus. Doch in diesem Fall habe sich Clubfahrer Wachs auf den zweiten Platz manövriert. „Für ihn war das der bislang größte sportliche Erfolg - und das auch noch vor Heimpublikum“, freute sich der MSC-Vorsitzende mit seinem Fahrer. Wachs drehte noch eine Ehrenrunde und erlebte eine emotionale Siegerehrung. Für Josef Hukelmann vom MSC, gemeinsam mit André Majewsky Rennleiter, „die absolute Überraschung des Abends“. Es sei ein Raunen durch die Menschenmenge gegangen, so Hukelmann. Wachs sei ein Eigengewächs und habe mit acht, neun Jahren beim MSC mit dem Sport begonnen. Auch dessen Bruder Timo übt diesen Sport aus. „Darauf können wir im Emsland stolz sein“, betont Hukelmann. Man ernte nun die Früchte für die Investitionen in die Jugendarbeit. „Fabian hat in diesem Jahr einen unheimlichen Schub gemacht.“

Neuer EM-Modus

Die Seitenwagen fuhren nach einem neuen EM-Modus: Nach den vier Vorläufen für jedes Seitenwagentandem wurde nach Punkten eine Rangliste von 1 bis 12 erstellt. Die Plätze 1 bis 4 zogen ins A-Finale ein, die Plätze 5 bis 10 ins B-Finale. Aus dem B-Finale qualifizierten sich die ersten beiden Gespanne noch für das A-Finale. Vor dem A-Finale wurden alle Punkte auf null gestellt: Jedes der sechs Finalgespanne war wieder voll im Rennen.

514 Meter lange Bahn

Insgesamt wurden 25 Rennen geboten, davon zehn um die Europameisterschaftskrone. Neben dem Seitenwagenfinale wurden auf der 514 Meter langen Sandbahn an der Rastdorfer Straße Rennen der internationalen Soloklasse (J/A-Lizenz) und der nationalen Soloklasse (B-Lizenz) ausgetragen.

Heiße Temperaturen

Durchhaltevermögen bewiesen die Motorsportfans bei schwülem Wetter. Um 12 Uhr begannen die Trainingsläufe. Am Nachmittag fanden bereits zwei Wertungsläufe der nationalen B-Lizenz Soloklasse statt. Sechseinhalb Stunden nach dem Trainingsbeginn schnellte das Startband erstmals für einen der zehn EM-Läufe der Gespanne hoch. Gegen 23 Uhr war das letzte Rennen beendet. Im Anschluss wurde noch bei der After-Race-Party Gas gegeben.

Aufräumarbeiten am Sonntag

Rund 130 Personen sorgten für den reibungslosen Rennablauf. Rund 80 Clubmitglieder des MSC Hümmling Werlte, Helfer aus befreundeten Clubs sowie Freunde des Bahnmotorradsports waren amSamstag im Einsatz. Auch das Sanitätspersonal des DRK Werlte, die Feuerwehr Werlte und die internationalen und nationalen Vertreter der Verbände FIM-Europa und DMSB waren im Einsatz. Am nächsten Morgen fanden sich um zehn Uhr bereits 30 Freiwillige an der Bahn ein, um mit den Aufräumarbeiten wie Müll aufsammeln, Luftpolster abbauen, Fahnen abnehmen sowie Schilder im Ort entfernen zu beginnen.

Meilenstein für das Emsland

Ein positives Fazit zog der MSC-Vorsitzende Hermann Niehaus: „Es war insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Wir gehen von 3000 bis 3500 Zuschauern aus. Eine genaue Zahl haben wir noch nicht.“ Damit komme man klar. Man habe schon mal wesentlich weniger Zuschauer gehabt, aber auch schon mehr. „Aber damit muss man zufrieden sein.“ Ähnlich äußerte sich Hukelmann, sprach von „einem Meilenstein für die Stadt Werlte, für uns als Veranstalter und das Emsland“. Vonseiten der Verbände habe es höchstes Lob gegeben, ergänzt er.

Platzwunde

Zwei leichte Unfälle verzeichneten die Veranstalter. Gleich im ersten Wertungslauf der Seitenwagen stürzten Wilfred Detz/Wendy Arling (Niederlande) vor der ersten Kurve, wobei sich Arling eine Kopfverletzung zuzog. Ihre Platzwunde am Kinn musste im Krankenhaus genäht werden. Im zweiten Lauf erwischte es Markus Brandhofer/Tim Scheunemann vom AMC Haunstetten. Scheunemann riss sich während der Fahrt ein Visier vom Helm, als sie in dem Moment durch ein Loch fuhren. Im Nachfassen geriet Scheunemann mit dem linken Daumen in die Speichen des Hinterrads, womit es um seinen Fingernagel geschehen war.


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