Wieder Personalsorgen Nordhorn-Lingen mit überzeugender Heimbilanz

Von Uli Mentrup

Gefährlichster Schütze bei der HSG Nordhorn-Lingen: Lasse Seidel (r.). Fotos: ScholzGefährlichster Schütze bei der HSG Nordhorn-Lingen: Lasse Seidel (r.). Fotos: Scholz

Lingen. 24:16 Punkte, siebter Tabellenplatz – Trainer Heiner Bültmann ist mit der Zwischenbilanz des Handball-Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen zufrieden. Personalprobleme verhinderten ein besseres Abschneiden.

Die Verletztenmisere hatte das Zwei-Städte-Team schon in der Rückserie der Saison 2016/17 im Griff. „Das ist extrem“, stellt der Coach fest. Abwehrchef und Routinier Frank Schumann, der erfahrenste von drei Innenblockspielern fällt schon die ganze Saison aus. Kreisläufer Luca de Boer plagt sich seit dem siebten Spieltag mit Schulterbeschwerden, hielt aber bis Ende 2017 durch. Er musste mit Toon Leenders nahezu jede Partie in der Abwehr durchspielen. Shooter Jens Wiese fehlte zu Beginn und zum Ende. Zuletzt fielen mit Alex Terwolbeck, Patrick Miedema und Pavel Mickal gleich drei Akteure wegen Handverletzungen aus. „Das ist Pech, aber das trifft uns“, stellt Bültmann fest. Zwei, drei verletzte Spieler, das könne passieren. „Handball ist ein Kontaktsport.“ Aber die HSG musste intern umstellen, weil sie in einigen Spielen nicht mehr alle Positionen mit „gelernten“ Spielern besetzen konnte.

Start mit 10:0 Punkten

„Wir hatten die besten Phasen, als wir relativ komplett waren“, stellt Bültmann fest. Das gilt insbesondere für den Start. Mit 10:0 Punkten schob sich das Zwei-Städte-Team bis auf den zweiten Tabellenplatz vor. Es folgten zwei Siege in Serie am siebten und achten Spieltag. Aber bei zwei 1:5-Punkte-Läufen in der zweiten Hälfte der Hinrunde rutschte Nordhorn-Lingen bis auf Platz zehn ab. Doch mit dem Sieg beim letzten Spiel 2017 in Saarlouis gelang der Sprung auf Rang sieben. Bis zum dritten Platz, der in dieser Saison erstmals kein Aufstiegsrecht mehr bringt, sind es vier Punkte – genau wie Rang elf.

Ein Fleck auf der Weste

Überzeugend nennt Bültmann die Heimbilanz seines Teams. Die HSG gab in neun Partien drei Zähler ab. Weniger weist nur Spitzenreiter Bergischer HC auf. Die erste Heimniederlage kassierte Nordhorn-Lingen ausgerechnet im letzten Vergleich des Jahres gegen Aufsteiger Elbflorenz Dresden (28:29). „Ein Fleck auf unserer Weste“, bekennt Bültmann, den sein Team aber durch die folgenden 3:1-Auswärtszähler relativierte. Überragende Spiele sah der Coach beim 25:23 gegen den TV Emsdetten, der beim Derby in Lingen die erste Niederlage kassierte, oder beim 24:22 gegen Balingen-Weilstetten, bei dem HSG-Standby-Handballer Stephan Wilmsen Punktsieger blieb gegen Martin Strobel, den Europameister und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2016.

Abwehr auswärts nicht so souverän

Auswärts agierte die HSG weniger überzeugend, da vermisst der Coach manchmal die Cleverness. „Da müssen wir abgezockter spielen.“ Dabei gelangen zum Auftakt Siege in Eisenach und Aue, wo die Niedersachsen zuvor selten bzw noch gar nicht gewonnen hatten. Nach dem 25:24 in Konstanz gab es nur noch am zweiten Weihnachtstag einen Erfolg in Saarlouis. In fremder Halle holte das Zwei-Städte-Team nur beim ASV Hamm-Westfalen einen Zähler gegen eine Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte. „Das hat ein besseres Ergebnis verhindert“, weiß Bültmann. „Da fehlt vielleicht ein Tick Qualität.“ Gerade auswärts brachte die Abwehr nicht immer die gewohnte Qualität. „In Bietigheim werfen wir 30 Tore, kassieren aber 34“, nennt Bültmann ein Beispiel. In Dessau kassierte die HSG 32 Gegentore, in Coburg 30. Positiv: In den letzten beiden Auswärtsspielen in Hamm und Saarlouis holte das Team trotz großer personeller Probleme 3:1 Punkte.

Buhrmester einer der besten Torwarte der Liga

Die Abwehr, seit Jahren das Prunkstück, muss laut Bültmann Grundlage sein für Siege und gute Leistungen. Mit Björn Buhrmester steht einer der besten Torwarte der Liga dahinter. Im Innenblock soll Wiese künftig mehr Aufgaben wahrnehmen, damit de Boer und Toon Leenders einige Ruhepausen bekommen. Neben dem traditionellen 6:0 ist die 5:1-Abwehr längst mehr als eine Variante. „Damit können wir den Gegner vor andere Aufgaben stellen“, sagt Bültmann.

Tempospiel verbessert

Im Tempospiel hat der Coach eine Entwicklung beobachtet. „Daran arbeiten wir weiter.“ Denn es ermögliche die sogenannten „einfachen Tore. Und man muss nicht ins Positionsspiel“. Die nötige Sicherheit sollen sich die Spieler im Training holen. Dass das Zwei-Städte-Team über keinen echten Shooter verfügt, empfindet Bültmann als „nicht so schlimm“. Das sei vielleicht auch dem Kader geschuldet, der mehr Wechsel ermögliche. Wiese oder Lasse Seidel müssten nicht immer 60 Minuten im Angriff durchspielen.

Miedema vielseitig im Rückraum

Seinen Aufwärtstrend hat Patrick Miedema bestätigt. Von seiner Vielseitigkeit auf allen Rückraumpositionen hat die HSG stark profitiert. Erfreulich schnell hat sich Neuzugang Philipp Vorlicek trotz Knieproblemen in der Vorbereitung zurechtgefunden. Luca de Boer hat einen weiteren Schritt Richtung Abwehrchef gemacht. Er ist wie Mannschaftskapitän Alex Terwolbeck längst zum Führungsspieler gereift. Erstaunlich gut entwickeln sich Yannick Fraatz und Alec Smit auf Rechtsaußen. Beide könnten noch in der A-Jugend spielen. „Das vergisst man manchmal“, sagt Bültmann. „Solche Leistungen sind in dem Alter nicht selbstverständlich.“ Dabei ist Fraatz die klare Nummer eins.