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Neubebauung in Planung Heeder Geschäftshaus mit Schmiedewerkstatt vor dem Abriss

14.12.2015, 17:36 Uhr

Die Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät kündigen es bereits seit Tagen an: Das seit kurzer Zeit leer stehende Wohn- und Geschäftshaus mit ehemaliger Schmiede auf dem Grundstück an der Kreuzung Dersumer Straße/Ecke Hauptstraße in Heede steht kurz vor dem Abriss, um Platz für Veränderungen zu machen.

Eine Heeder Unternehmerfamilie hat das rund 6000 Quadratmeter große Grundstück am Ortseingang der Emsgemeinde gekauft und beabsichtigt in Kürze eine Neubebauung. Wie diese aussehen wird, steht noch nicht im Detail fest.

Mit dem bevorstehenden Abriss geht aber auch eine Ära eines Gebäudes zu Ende, die bis in die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht. Damals eröffnete Schmiedemeister Robert Jansen in einem Nebengebäude einen Schmiedebetrieb. Ehefrau Anna Jansen unterhielt daneben einen im Wohnhaus integrierten Porzellanwarenladen und verkaufte so ziemlich alles, was in einem Haushalt benötigt wurde.

In den Fünfziger Jahren ging die Unternehmensleitung des Familienbetriebes auf Angela Wagner, die Tochter der Eheleute Jansen, und deren Ehemann, Richard Wagner, über. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft erlebte das Schmiedehandwerk nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen gravierenden Wandel, sodass zu den herkömmlichen Tätigkeiten des jahrhundertealten Handwerks in der Heeder Schmiede immer mehr der Handel mit Traktoren und anderen Landmaschinen sowie deren Reparaturen kamen. Sowohl die Schmiedewerkstatt als auch das Porzellanfachgeschäft wurden in den Sechziger und Siebziger Jahren mehrfach umgebaut und erweitert. In den Achtziger Jahren hat Richard Wagner seinen Betrieb aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Er starb im Mai 1989.

Nachdem auch Ehefrau Angela ihr Fachgeschäft aufgegeben hatte, folgten unter anderem Anmietungen der Firma Landmaschinen Krone aus Werlte und des Rheder Unternehmens Stubbe Haushaltswaren und Landwirtschaft. Bis vor einigen Monaten hatte die Firma Elektro Radtke aus Neulehe in dem Geschäftshaus einen zweiten Standort.

Im wieder aufgebauten „Kappen Haus“ auf dem historischen Gelände der 1000-jährigen Linde halten die dort ausgestellten Meisterbriefe der Schmiedemeister Robert Jansen und Richard Wagner ein Stück Handwerksgeschichte in Ehren. Daneben erinnern noch heute zahlreiche Gewerke wie zum Beispiel die handgefertigten Kerzenhalter bei der Erscheinungsstelle an die Arbeiten des in Oberschlesien geborenen Schmiedemeisters Richard Wagner, der von den Heedern allseits nur „Robert’s Richard“ genannt wurde.