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Kommentar Rückzug der OLB aus Neulehe ist fadenscheinig

Von Gerd Schade | 19.06.2016, 19:39 Uhr

Die Tage, in denen die Menschen in Neulehe auf kurzem Wege an Bargeld kommen können, sind gezählt. Zum 15. Juli wird die Oldenburgische Landesbank ihren Geldautomaten schließen und der 800-Seelen-Gemeinde damit den Rücken kehren. Die Begründung wirkt fadenscheinig.

Offiziell heißt es, man wolle die Menschen, die in demselben Gebäude wohnen, in dem der Automat steht, vor einer Sprengung durch die Panzerknacker schützen. Wenn das tatsächlich der wahre Grund ist, dürfte die Bank mit der Schließung keinen Tag länger warten. Dafür ist die Liste der seit fast einem Jahr in die Luft gejagten Geldautomaten in der Region inzwischen viel zu lang. Konsequentes Handeln zum Schutz von Leib und Leben Dritter hätte bei dieser Argumentation sogar schon längst zur Schließung führen müssen. Davon abgesehen, kommt ein Abbauen des Automaten einer Kapitulation vor den Tätern gleich – inklusive einer in diesem Zusammenhang unfreiwillig, aber eben doch indirekt ausgesprochenen Einladung, bis zum Tag der Schließung noch zuschlagen zu können. Das ist fatal.

Möglicherweise lohnt sich ein teures Nachrüsten einfach nicht – weil der Automatenstandort aus Sicht der Bank ohnehin unwirtschaftlich ist und weil die Täter ständig neue Methoden finden, um an das Geld anderer Leute zu kommen. Andererseits hat auch die OLB andernorts inzwischen in die Sicherheit investiert und Bolzensicherungen installiert, die das Einleiten von Gas verhindern sollen.

Leidtragende sind in jedem Fall die Neuleher, denen das Bargeld im Zeitalter von Kartenzahlung und Online-Banking nach wie vor lieb ist. Deshalb ist der Ärger von Bürgermeister Reinhard Gansefort nur allzu verständlich. Die Bank wird das negative Signal an ihre Kunden in Neulehe in Kauf nehmen. Zum guten Ton gehört es aber, die Gemeinde frühzeitig zu informieren und nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen.