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Klarer Wahlsieger Dörpen: Wocken will „volle Pulle“ anpacken

Von Gerd Schade | 11.09.2011, 21:05 Uhr

Um 20.01 Uhr ist es amtlich. Mit überwältigender Mehrheit haben die Einwohner der Samtgemeinde (SG) Dörpen Hermann Wocken zum neuen SG-Bürgermeister gewählt. Für den CDU-Politiker aus Neulehe stimmten 72,73 Prozent der Wahlberechtigten, der parteilose Bewerber Ludger Trecksler aus Dörpen kam auf 27,27 Prozent der Stimmen. Wocken, seit 2007 erster hauptamtlicher Geschäftsführer des Wirtschaftsbündnisses Wachstumsregion Ems-Achse, tritt offiziell am 1. November die Nachfolge von Hans Hansen (CDU) an, der sich in den Ruhestand verabschiedet.

Eine Stunde nach Schließung der Wahllokale herrscht im Dörpener Rathaus geschäftige Ruhe. Im großen Sitzungssaal hocken Wahlhelfer über Bergen von Stimmzetteln. Im kleinen Sitzungssaal nebenan flimmern die ersten Ergebnisse der Landratswahl über den Internet-Bildschirm. CDU-Kandidat Reinhard Winter strebt einem ungefährdeten Sieg entgegen. Hans Hansen will sich ein Glas Mineralwasser einschenken. Ein kräftiger Schluck landet neben dem Glas. „Mensch, ich bräuchte doch nun wirklich nicht nervös zu sein“, murmelt er. Und doch ist er gespannt, welches Ergebnis sein Amtsnachfolger einfahren wird. Dass der Nachfolger Hermann Wocken heißt, steht für Hansen außer Zweifel.

Das kleinste Wahllokal der SG, der Ortsteil Neudörpen mit nur 128 Wahlberechtigten, meldet wie immer am schnellsten. Hier kommt Wocken auf 84,54 Prozent. Auch in seiner Heimatgemeinde Neulehe knackt der 38-jährige Jurist die 80-Prozent-Marke. Trecksler holt in der Sitzgemeinde Dörpen sein bestes Einzelergebnis (33,23).

Nach und nach trudeln die weiteren Ergebnisse aus den Mitgliedsgemeinden ein. Nur Walchum und vor allem Neubörger hängen ein wenig hinterher. Und doch ist zu diesem Zeitpunkt längst klar, wer das Rennen gemacht hat. „Das ist ein Bombenergebnis für Hermann Wocken“, meint Hansen. Ehrenbürgermeister Johann Franzen sieht es ähnlich. „Und das trotz der Diskussion um das Kohlekraftwerk“, sagt er.

Schlüssel gibt es später

Gegen 20 Uhr bevölkern immer mehr CDU-Politiker den Saal. Sie bleiben weitgehend unter sich. Auch Hermann Wocken ist inzwischen eingetroffen. Vorzeitige Glückwünsche lehnt er ab. „Sollen wir die Türschilder schon ändern?“, scherzt Vorzimmerdame Margret Schmees. Erst als endlich auch in Neubörger alle Stimmen ausgezählt sind, brandet Applaus auf. Hans Hansen gratuliert als Erster mit einem Blumenstrauß. „Den Schlüssel zum Rathaus gibt es später“, sagt er gut gelaunt.

Wocken zeigt sich überwältigt. „Mit diesem Ergebnis habe ich in den kühnsten Träumen nicht gerechnet. Das war angesichts der großpolitischen Wetterlage in Berlin und der kleinpolitischen Lage in Dörpen so nicht zu erwarten“, sagt Wocken. Der 38-Jährige wertet das Ergebnis als klaren Auftrag, Motivation und großen Vertrauensvorschuss. Er werde sich „volle Pulle“ an die Arbeit machen, verspricht Wocken.

Als Ludger Trecksler im Rathaus eintrifft, führt ihn sein Weg schnurstracks zum Wahlsieger. Er gratuliert aufrichtig. Aus seiner Enttäuschung macht der Laborleiter dennoch keinen Hehl. „Ich hätte mir schon ein paar Prozent mehr gewünscht“, sagt Trecksler. Gleichwohl sei er sportlich an die Sache herangegangen und sich von vornherein darüber im Klaren gewesen, dass die Chancen auf einen Wahlsieg sehr gering gewesen seien. Ausdrücklich bedankt sich Trecksler bei allen, die ihn aktiv unterstützt haben.

Dazu gehört auch die Dörpener SPD, auf deren Liste der Parteilose kandidierte. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Dörpen, Heinz Dirksen, wertet Treckslers Resultat als ein „respektables Ergebnis“. Es sei ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Wähler eine andere Politik als die bisherige, insbesondere ein größeres Miteinander wollen. Dafür müsse nun der neue Samtgemeindebürgermeister sorgen.