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Erste Flugversuche Emslandstörche in Dörpen werden flügge

Von Anna Kröger | 16.07.2014, 19:01 Uhr

Gute Nachrichten aus Dörpen: Zwei der insgesamt drei im Mai geschlüpften Weißstorch-Küken haben den teils widrigen Wetterbedingungen der vergangenen Wochen getrotzt. Gut genährt und putzmunter zeigt sich der gefiederte Nachwuchs in seinem Nest im Garten von Hobbyvogelzüchter Hans Hermann Wagner.

„Die ersten fünf Wochen waren eine echt kritische Phase“, berichtet Wagner. Besonders die nasskalte Witterung hatte den Küken zu schaffen gemacht. „Eines ist bereits nach einer Woche verschwunden und wohl an Unterkühlung gestorben“, vermutet der Dörpener.

Auch das Überleben der zwei verbliebenen Jungtiere namens Franz-Josef und Sissi stand zeitweise auf Messers Schneide. „Als ich am Vatertag vom Fenster aus ins Nest schaute, lag eines der beiden Küken leblos darin“, erinnert sich Wagner. Tags zuvor hatte es den ganzen Tag geregnet, und in der Nacht war die Temperatur auf sechs Grad gesunken – denkbar schlechte Bedingungen für die bis dato noch fast „nackte“ Storchenbrut.

Als Wagner das vermeintlich tote Küken aus dem Nest entfernen wollte, bemerkte er zu seiner großen Erleichterung ein leises Fiepen. „Ich nahm das Tier sofort mit ins Haus, legte es auf die warme Fußbodenheizung, Decke drüber und Rotlicht an. Als es nach einigen Stunden aufgetaut war, habe ich es mit der Hand gefüttert.“ Bereits am nächsten Tag konnte er das wieder zu Kräften gekommene Jungtier zurück ins Nest setzen, wo es glücklicherweise von seinen Eltern sofort wieder angenommen wurde. Wagner: „So hatte Sissi gleich zwei Geburtstage, und es war doppelt schön, sie heranwachsen zu sehen.“

Doch nicht nur für Wagner und seine Partnerin seien die ersten Wochen eine Zitterpartie gewesen. „Die Berichterstattung in der Ems-Zeitung hat zu einer großen Resonanz geführt. Viele Storchenliebhaber in und außerhalb von Dörpen haben mitgefiebert“, erzählt er. Neben Kindergartenkindern aus Aschendorf und Grundschülern aus Dörpen hätten auch zahlreiche spontane Besucher an seiner Tür geklingelt, um einen Blick auf das junge Federvieh zu werfen. Ein älteres Ehepaar aus Lathen schwinge sich sogar einmal wöchentlich auf die Räder, um in Dörpen die Entwicklung der Jungtiere im Blick zu behalten. Bei den Vögeln handelt es sich um die erste erfolgreiche Storchenbrut im Emsland seit mehr als 30 Jahren.

Geschlecht bestimmt

Das Geschlecht der Küken hatte der Vogelliebhaber über einen DNA-Test ermitteln lassen. „Ich habe von beiden jeweils eine Feder an ein Labor nach Bielefeld geschickt, und nach rund einer Woche hatte ich das Ergebnis.“ Mittlerweile sind die beiden Jungtiere, die sich fast nur noch durch ihren dunklen Schnabel von den orangeschnäbeligen Eltern unterscheiden, auch beringt. Auf Empfehlung des Landkreises Emsland hat Wagner sie mit einem unauffälligen, kleinen Edelstahlring mit einer Züchternummer versehen. „Die großen Ringe sind bei den Einheimischen in Afrika sehr begehrt. Nicht selten werden die Tiere deshalb getötet.“

Ihre ersten Flugversuche unternehmen Sissi und Franz-Josef bereits, sodass Wagner damit rechnet, dass sie in rund zwei Wochen erstmals das Nest verlassen. Traurig sei er nicht, wenn er daran denke, dass die beiden jungen Emslandstörche im Herbst gen Afrika fliegen. „Das war von Anfang an mein Ziel. Ich würde mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinterherwinken“, sagt Wagner.