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Ärger mit Straßenbaubehörde Kluser reißt Radweg auf und wartet auf Anzeige

Von Maike Plaggenborg | 10.11.2015, 21:10 Uhr

Es ist vollbracht: Bernhard Frericks hat seine Drohung, den öffentlichen Radweg auf dem Grundstück seiner Frau an der B 70 in Kluse abzureißen, wahr gemacht. Hintergrund ist ein 14 Jahre andauernder Streit mit der Landesbehörde für Straßenbau in Lingen. Nun ist die Auseinandersetzung eskaliert. Die Behörde prüft strafrechtliche Konsequenzen.

Es geht um einen Vertrag und nebenbei auch um Schäden an der Scheune, die zum Anwesen gehört. Frericks macht den zunehmenden Schwerverkehr verantwortlich, die Straßenbaubehörde in Lingen schiebt es auf Frericks selbst. Wegen des Abrisses möchte Frericks nun angezeigt werden, damit alles juristisch aufgearbeitet werde. Genauso wird es wohl laufen.

Radfahrer in Gefahr

Bernhard Frericks sieht rot: Er fühlt sich betrogen. Nicht erst seit gestern. Und greift deshalb durch. Auf seine Art, indem er den Radweg nicht länger passierbar macht, denn den kreuzen nun zwei Gräben, Absperrungen und Bauzäune. Radfahrer und Fußgänger müssen nun direkt an der B 70 längs in Richtung Bahnübergang passieren.

Und darum geht es: Vor 14 Jahren bietet Frericks Ehefrau, die Eigentümerin des Hofes nahe den Schranken ist, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lingen die kostenlose Nutzung des Grundstücks für einen Radweg an. So will es Bernhard Frericks damals. Er sieht Radfahrer in Gefahr, die stets direkt am Autoverkehr entlang die Straße nutzen.

Das Amt willigt ein, ein „Bauerlaubnis- und Gestattungsvertrag“ wird geschrieben und von Frericks’ Frau unterzeichnet – „blind“, wie Bernhard Frericks sagt. Damit beginnt der Ärger. Frericks’ Vorwurf: Seiner Frau sei der Vertrag „untergejubelt“ worden. „Es war eine ‚Handschlag‘-Vereinbarung, auch im Vertrauen auf ein zukünftiges ordentliches Miteinander“, schreibt der Kluser Anfang August 2015 an die Straßenbaubehörde. Susanne Frericks sei „überrumpelt“ worden. Ein Unterjubeln weist Behördenchef Klaus Haberland in einem Antwortschreiben Anfang September „auf das Schärfste zurück“. Der Vertrag sei ordnungsgemäß im Beisein des früheren Bürgermeisters und eines Behördenmitarbeiters zustande gekommen. All das geht aus dem Schriftverkehr zwischen Amt und den Privatleuten hervor, der unserer Redaktion vorliegt.

Behörde zahlte „einmalige Entschädigung“

„Plötzlich“ floss Geld, wie Frericks’ Aufzeichnungen zu entnehmen ist – rund zwei Monate nach Vertragsunterzeichnung im August 2001: Laut Vereinbarung erhält die Ehefrau 1750 DM als „einmalige Entschädigung“, wie es darin heißt. Doch sie weiß nicht wofür, weil sie den Vertrag nicht gelesen hatte. Wie die Behörde an die Kontodaten gelangte, die in der Vereinbarung stehen, können heute weder Bernhard Frericks noch das Straßenbauamt rekonstruieren.

Frericks erklärt, ihm gehe es nicht um Geld. Er will klare Verhältnisse, insbesondere für seine Erben. Unklar sei ihm nämlich, wie lange der Vertrag gelte. Außerdem fühle er sich hintergangen – wegen des Vertrags – und sein Engagement von 2001 in Richtung Radfahrersicherheit dadurch nicht entsprechend gewürdigt.

„Und dann geh ich ins Gefängnis“

Bei der Straßenbaubehörde ist man überrascht, dass Frericks seinen zuvor mehrfach schriftlich angedrohten Plan – die Zerstörung des Radwegs – tatsächlich umgesetzt hat. Denn Streitgegenstand ist in den vergangenen 14 Jahren laut stellvertretendem Leiter Christian Hillgruber vor allem auch „das denkmalgeschützte Haus sowie die nebenstehende Scheune“, deren Wand zur Straßenseite zum Teil eingestürzt sei. Es fahren immer mehr und auch schwerere Lkw, sagt Frericks. Die Eigentümer hätten die Gebäude seit Jahrzehnten nicht saniert und die Tragekonstruktion im Innern verändert, sagt die Behörde. „Das führt zu einem veränderten Lastabtragsverhalten“, teilt Hillgruber mit. Außerdem fehle eine durchgehende Dachrinne, dadurch komme es zu Ausspülungen. Kann nicht sein, meint Frericks, denn auf der anderen Seite sei ebenfalls keine Rinne, die Wand aber stehe. Keiner will für die Schäden aufkommen, bis auf die Denkmalschutzbehörde, die den Privatmann nach begrenzten Kräften unterstützen will. So oder so: Frericks fühlt sich völlig alleingelassen mit den Schäden, dem ewigen Vertrag. „Man ist so böse inzwischen“, sagt der 80-Jährige. Was genau er damit erreicht, weiß er nicht. Sein erstes Ziel: „Ich will provozieren. Ich will, dass er (Klaus Haberland; Anm. d. Red.) mich anzeigt. Und dann geh ich ins Gefängnis.“

Strafanzeige und Schadensersatzforderung möglichSo weit wird es vermutlich nicht kommen. Aber das Straßenbauamt lotet derzeit sein weiteres Handeln aus. Hillgruber: „Wir werden den Vorgang sicherlich zur Anzeige bringen mit dem Vorwurf des gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr. Zivilrechtlich ist zudem für die Beschädigung an unserer Sache (dem Radweg) Anspruch auf Schadenersatz zu prüfen“. Hillgruber sagt auch, dass man die Angelegenheit „auf juristisch saubere Art und Weise“ hätte regeln können. Frericks aber traut Anwälten nach eigenem Bekunden nicht und verteidigt sein Handeln lieber selbst: „Es ist unglaublich, dass ich leider zu so einer Maßnahme genötigt wurde.“