Spatenstich in Samtgemeinde Dörpen Tennet startet mit Bau der 380-kV-Leitung bis Meppen


Heede/Dersum. Der Spatenstich bedeutet den Baustart: Auf einem Feld in Dersum (Samtgemeinde Dörpen) rammten Vertreter aus der Politik und des Netzbetreibers Tennet symbolisch die Schippen in den Boden, denen sich die Arbeiten des Rammbaggers anschlossen. Damit beginnt nun der Netzausbau der 380-kV-Höchstspannungsleitung ab Dörpen/West (Heede).

„Es ist vielleicht nicht das allergrößte Projekt, das wir haben, aber ein sehr wichtiges“, sagte Lex Hartman, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung in seiner Ansprache. Jährlich werde so viel Strom weggeworfen. „Das ist schade“, so Hartman weiter, der damit die aus seiner Sicht groß Bedeutung des Netzausbaus zum Ausdruck bringen wollte. Die 380-Kilovolt (kV)-Stromtrasse von Dörpen/West (Heede) bis zum Niederrhein wurde nötig, um den offshoreproduzierten Strom überhaupt verwenden und in südlichere Gefilde Deutschlands leiten zu können. Bei solchen Projekten gebe es Diskussionen und Beschwerden, auch „zu Recht“, wie Hartman weiter sagte. Für den 31 Kilometer langen Stromtrassenabschnitt durch das Emsland, für den Tennet zuständig ist, gab Landrat Reinhard Winter (CDU) in seiner Begrüßungsrede eine Zahl von 480 Stellungnahmen im Planfeststellungsverfahren zu dem nun gestarteten Vorhaben an, die von Bürgern und Verbänden eingereicht und bis zur Genehmigung berücksichtigt werden mussten.

Privatklage liegt vor, ist aber noch nicht angenommen

Auf Anfrage bestätigte Tennet-Sprecher Mathias Fischer die Privatklage einer Anwohnerin, in der es um den Standort eines Masts im nördlichen Emsland geht. Ein kleiner Teil eines Mastfundaments befinde sich auf ihrem Grundstück. Derzeit sei aber noch nicht entschieden, ob das Bundesverwaltungsgericht diese Klage überhaupt annehme, so Fischer. Weitere Klagen lägen nicht vor.

Der Ausbau sei scharf diskutiert worden, sagte Winter weiter, der das Projekt mit Blick auf die Energiewende grundsätzlich befürwortete. Auch der Landkreis stehe dahinter. Gleichzeitig aber kritisierte er, dass der Landkreis „auch bei weiteren geplanten Trassen von Nord nach Süd, die im Netzentwicklungsplan Strom 2030 und im Offshore-Netzentwicklungsplan 2030 aufgeführt sind“ vorrangig zum Untersuchungsraum hinsichtlich der Erdkabelverlegung zähle – neben den Landkreisen Leer und der Grafschaft Bentheim. Vorgesehen ist bei der neuen Trasse ein unterirdisch verlegtes Teilstück mit einer Länge von 3,1 Kilometern zwischen Dankern und Segberg. Grund dafür ist ein in der Nähe liegendes Wohngebiet.

(Weiterlesen: Tennet startet in Heede mit Bohrungen für Strommastbau)

„Es kann nicht sein, dass der Landkreis Emsland automatisch vom weiteren Netzausbau im Nordwesten betroffen wäre“, sagte der Landrat. Es sollten seiner Ansicht nach der gesamte norddeutsche Raum wie auch östlicher gelegene Regionen einbezogen werden. Der Landkreis trage mit der 380-kV-Leitung bereits einen Anteil an der Energiewende, habe aber auch schon 609 Windkraftanlagen genehmigt und verfüge über zahlreiche Biomasse- und Photovoltaikanlagen.

Schwierigkeiten bei Erdkabelverlegung

Es ist alles gut durchdacht, aber das bringt Schwierigkeiten mit sich“, sagte Gundela Nostiz, Referatsleiterin Energienetze beim Niedersächsischen Umweltministerium über den Erdkabelabschnitt. „Wie viel Erdkabel kann man sich erlauben, ohne Systemstabilität zu gefährden?“, so Nostiz weiter, die mit zunehmendem Netzausbau auf eine starke Entlastung der Netze und des Stromverbrauchers hofft. Auch Tennet-Geschäftsführer Hartman stimmt Bedenken zu. „Der Strom verhält sich im Kabel anders als in der Freileitung“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Kabel sei außerdem anfälliger durch Außeneinwirkung und „die Reparaturzeit ist 20 Mal so lang“. Und der Strom sei über zu lange Strecken nicht mehr leitbar. Zwischen Dankern und Segberg wird Tennet erstmalig in seinem deutschen Netzgebiet Drehstrom-Erdkabel verlegen, teilte das Unternehmen mit. Die Leitung Dörpen/West – Niederrhein ist vom Gesetzgeber als eines von acht Pilotprojekten definiert worden, heißt es weiter. „Wir brauchen diese Erfahrung“, sagte Hartman.

66 Masten bis 2019

In Dersum in rund fünf Kilometer Entfernung zum Heeder Umspannwerk wird nach Abschluss der Arbeiten der Mast Nummer zehn an einem von 66 Standorten bis 2019 errichtet, wie Gesamtprojektleiter Christian Schmidt sagte. Der sogenannte Winkelabspannmast wird eine Höhe von 60 Metern erreichen, und seine Gründung 22 Meter tief in die Erde reichen.


Der Streckenabschnitt des aktuell beginnenden Bauabschnittes hat eine Länge von etwa 31,3 km und verläuft in Nord-Süd-Richtung durch den Landkreis Emsland, beginnend in der Samtgemeinde Dörpen durch das Gebiet der Samtgemeinde Lathen und der Stadt Haren (Ems), und endet im Stadtgebiet Meppen. Sobald die gesamte Leitung, die sich über etwa 171 Kilometer in Bauabschnitten in Niedersachsen (insgesamt 87 Kilometer) und Nordrhein-Westfalen gliedert, fertiggestellt ist (2021), führt dies zu einer deutlichen Verbesserung der Transportkapazitäten im Nordwesten Niedersachsens. (Pressemitteilung des niedersächsischen Umweltministeriums)

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