„Wir haben eine neue Zeitrechnung“ Düngeverordnung stellt Landwirte im Emsland vor große Probleme

Von Anna Heidtmann


heid Dörpen. Schärfere Regeln und mehr Bürokratie – die neue Düngeverordnung, die seit dem 2. Juni 2017 in Kraft ist, bringt auch für die Landwirte im Emsland erhebliche Veränderungen mit sich. Was auf die Betriebe zukommt, war jetzt Thema in Dörpen.

Eingeladen hatte der Kreisverein Aschendorf-Hümmling der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL). Zu der Versammlung im Saal Ellerbrock waren rund 70 Landwirte gekommen. Heinz-Hermann Wilkens von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erläuterte die Neuerungen, die die neue Düngeverordnung für die Landwirte mit sich bringt.

Ziel der Verordnung ist eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung der Pflanzen und damit einhergehend eine Reduzierung der hohen Nitratwerte im Grundwasser. „Wir haben eine neue Zeitrechnung“, sagte Wilkens deutlich. Damit nur noch so viel Dünger ausgebracht wird wie die Pflanzen tatsächlich benötigen, müssen Landwirte den Düngebedarf zukünftig für jeden Schlag explizit ermitteln und während der Vegetationsphase darauf achten, dass er nicht überschritten wird, denn ansonsten drohen Bußgelder.

Sperrfristen und Lagerkapazitäten geändert

Klare Regelungen gibt es daneben für stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln. Es darf nicht gedüngt werden, wenn der Boden nicht aufnahmefähig ist. Außerdem sind strenge Mindestabstände sowie festgelegte Fristen für die Einarbeitung einzuhalten. Obendrein wurden die Sperrfristen für die Ausbringung von Düngemitteln verlängert und Lagerkapazitäten für Gülle und Gärrückstände vorgeschrieben.

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Noch nicht beschlossene Sache ist die in der Düngeverordnung vorgeschriebene Stoffstrombilanz, mit der die landwirtschaftlichen Betriebe den Zu- und Abfluss von Nährstoffen auf ihren Höfen festhalten sollen. „Ob sie kommt oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Wir müssen sie so oder so umsetzen“, sagte Wilkens.

Kritik von Kreisvereinsvorsitzenden Korte

Dass insbesondere Tierhaltungsbetriebe durch die neue Düngeverordnung vor großen Problemen stehen, wurde im Rahmen der Versammlung lebhaft diskutiert. „Man muss auch zu Ende denken, bei dem, was man hier gerade fabriziert“, sagte der VEL-Kreisvereinsvorsitzende Thomas Korte und bemängelte, dass allein die Landwirtschaft für die Umweltprobleme verantwortlich gemacht werde.

Sorgen bereiten den Betrieben ihm zufolge die wegbrechenden Abnehmer für ihren Wirtschaftsdünger und die mit erheblichen Kosten verbundenen Vorgaben für monatelange Lagerkapazitäten. „Das wird so teuer, dass uns das Ganze wegbricht“, erklärte Korte und fügte hinzu, dass das Ziel der Landwirte sei, den Tierbestand zu halten und nicht zu reduzieren. Daher müsse man sich was in Sachen Aufbereitung überlegen, so Korte.

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