Serie „Mein Job und ich“ Schwimmmeister aus Dörpen über Wasserqualität und unvorsichtige Eltern

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Dörpen. In unserer Serie „Mein Job und ich“ berichtet Wilhelm Lindemann, Schwimmmeister im Dünenbad in Dörpen, über die perfekte Wasserqualität, Eltern, die Kleinkinder unbeaufsichtigt lassen, die häufigsten Konflikte und das Arbeiten in Schichten.

Herr Lindemann, wer Sie als Bademeister anspricht, macht sich gleich unbeliebt, oder?

Bademeister ist der umgangssprachliche Begriff für meinen Beruf, Schwimmmeister die fachlich richtige Bezeichnung. Heutzutage nennt sich die Ausbildung Fachangestellter beziehungsweise Meister für Bäderbetriebe.

Sie haben vor fast 30 Jahren Ihre Ausbildung in der Stadt Leer gemacht, sind seit 1991 in Dörpen tätig. Was war damals anders wie heute?

Bei der schwimmsportlichen Ausbildung stand der Aspekt Aqua-Fitness damals noch nicht so im Mittelpunkt, das ist mit der Zeit immer wichtiger geworden. Kindern und Erwachsenen das Schwimmen beizubringen, für ihre Sicherheit bei ihrem Besuch im Bad zu sorgen und für eine gute Wasserqualität verantwortlich zu sein, hat sich in der Ausbildung nicht verändert.

Was tun Sie als Schwimmbadleiter, damit das Wasser immer eine gute Qualität hat?

Ich sage gerne: Wir Schwimmmeister sind dafür verantwortlich, gutes Trinkwasser noch besser zu machen. Wünschenswert wäre, wenn jeder Badegast sich vor dem Schwimmen mit Duschgel und Shampoo abduschen würde. Allerdings würden sich selbst dann zum Beispiel durch Hautschuppen oder kleine Sandpartikel Schwebstoffe im Wasser absetzen. Deshalb wird das Wasser permanent gefiltert und gechlort, damit keine Gesundheitsgefahren vom Wasser ausgehen. Wir Schwimmmeister nehmen drei Mal am Tag Proben, morgens, mittags und abends, um Parameter wie pH-Wert und Chlorgehalt zu bestimmen und die Anlage optimal einstellen zu können. Beim Chlor arbeiten wir mit 0,3 bis 0,6 Milligramm je Liter, in den USA beispielsweise wird mit wesentlich mehr Chlor gearbeitet. Dafür wird dort das Wasser weniger umgewälzt, also gefiltert. Bei uns wird auch mehr Wasser ausgetauscht, im Schnitt etwa 30 Liter je Badegast.

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Hat sich am Verhalten der Badegäste etwas verändert in den vergangenen 30 Jahren?

Die Zeiten, an denen die Besucher kommen, haben sich verschoben. Durch die Ganztagsschulen und andere Freizeitaktivitäten wie Musikunterricht oder Vereinssport kommen Kinder erst nach 16 Uhr oder verstärkt Freitagsnachmittags und am Wochenende. Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahre kommen leider so gut wie gar nicht mehr, was an Smartphones, sozialen Medien und ähnlichem liegen mag. Was heute sehr gut läuft sind Kindergeburtstage. Dabei dürfen Eltern heutzutage Essen und Trinken mitbringen, das wurde früher etwas kritischer gesehen.

An welchen Stellen im laufenden Betrieb müssen Sie am häufigsten eingreifen?

Zu uns kommen Badegäste im Alter von 0 und 90 Jahren. Wenn so unterschiedliche Nutzergruppen, also Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, die schwimmen wollen, oder Jugendliche, die alleine unterwegs sind, das Bad nutzen, kommt es zwangsläufig zu Reibungspunkten. Wenn Kinder ins Becken springen, was sie auf einer Seite bei uns dürfen, kann es dazu führen, dass Schwimmer gestört werden. Wir versuchen dann, durch Präsenz Konflikten vorzubeugen und mit freundlichen Worten um Rücksicht zu bitten. Dass in der Rutsche Blödsinn veranstaltet wird, darin gestanden oder eine Brücke aufgebaut wird, kommt auch regelmäßig vor. Das ist schlichtweg gefährlich und gilt es zu unterbinden.

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Mussten Sie schon einmal ein Badeverbot verhängen?

Ja, das kommt leider ab und zu vor. Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen. Das reicht von vorzeitiger Beendigung der aktuellen Badezeit, aber auch längerfristigen Hausverboten. Insgesamt liegt die Zahl im Jahr allerdings im niedrigen einstelligen Bereich, bei etwa 90.000 Gästen im Jahr verschwindend gering finde ich.

Wann mussten sie zuletzt tatsächlich ins Wasser springen, um jemanden zu retten?

Das ist zum Glück schon mehrere Jahre her. Dabei hatte sich eine Frau, die nicht schwimmen konnte, auf ihren Mann verlassen, der sie immer im Wasser aufgefangen hatte, in diesem Fall aber wegen eines Missverständnisses zur anderen Seite getaucht war. Die Frau war in Panik verfallen und war nicht in der Lage, meine Hand zu ergreifen. Ich bin dann ins Wasser gesprungen und konnte sie relativ schnell an den Beckenrand ziehen. Ihr ist letztlich nichts passiert.

Welche Situationen im Arbeitsalltag ärgern Sie am meisten?

Ich finde es manchmal befremdlich, wenn Eltern von nicht schwimmfähigen Kleinkindern diese ohne Aufsicht sich völlig frei im Bad bewegen lassen und dann ins Dampfbad gehen. Sie vertrauen voll und ganz auf die Aufsicht der Schwimmmeister oder Sicherheit der Schwimmflügel. Aber das ist eine trügerische Sicherheit, vor allem, wenn das Bad gut besucht ist. Das gilt auch für die Benutzung der Rutsche, was ohne Begleitung eines Erwachsenen laut Vorgabe erst ab acht Jahren erlaubt ist.

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Bemerken Sie, dass Kinder bundesweit immer später schwimmen können, weil Plätze in Schwimmkursen fehlen?

Sehr beliebt sind bei uns im Dünenbad die Kompaktkurse in den Ferien, das hat sich in Dörpen ganz gut eingependelt. Wer in einer der Ferien nicht zum Zuge gekommen ist, kommt in der Regel in den nächsten an die Reihe. Wenn die Eltern es im Blick behalten, denn automatisch erfolgt das nicht. Bei den Schwimmvereinen sieht es hingegen etwas schwieriger aus, weil ihnen Wasserzeiten fehlen. Bei den Erwachsenenkursen wird im Dünenbad im Regelfall so lange gewartet, bis etwa zehn Teilnehmer sich angemeldet haben, dann beginnt ein Kurs. Für Flüchtlinge hat in diesem Sommer das DRK einen Kurs initiiert.

Das Dünenbad hat an einigen Tagen schon um 6.30 Uhr geöffnet, abends an drei Tagen bis 21 Uhr. Arbeiten Sie in Schichten?

Ja. Die Frühschicht geht bei uns von 6 bis etwa 14.30 Uhr, dann gibt es eine Zwischen- und eine Spätschicht, die bis etwa 22 Uhr. Es gibt noch einen weiteren Schwimmmeister und die Fachangestellten für Bäderbetriebe, einer von diesen muss immer anwesend sein. Zudem gibt es ein bis zwei Auszubildenden und ein vierköpfiges Reinigungsteam, von denen eine im Regelfall da ist während der Öffnungszeiten.

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Gehen Sie selber noch gerne schwimmen, obwohl sie fast jeden Tag in einem Schwimmbad sind?

Ja, ein bis zwei Mal die Woche, um mich fit zu halten und gesund zu bleiben. Da ich in Weener wohne, meistens dort. Die Bewegung im Wasser lässt ein außergewöhnliches, fast schwereloses Körpergefühl zu. Ich finde das sehr angenehm, es ist wohltuend für Körper und Seele.

Mehrmals am Tag steigt Schwimmeister Wilhelm Lindemann in die Katakombden des Dünenbads in Dörpen hinab, um die Wasseraufbereitung, die Einstellung der Heizung und Lüftung sowie der Chloranlage zu prüfen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


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