Nach Haft im Konzentrationslager Dachau Wippinger Pfarrer Schniers starb vor 75 Jahren

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Wippingen. Vor 75 Jahren erreichte die Familie ein Schreiben aus dem Konzentrationslager Dachau, darin die Mitteilung, dass der Wippinger Pfarrer Heinrich Schniers gestorben ist. Sein Todestag ist der 30. August 1942. Aus diesem Anlass feiert die Kirchengemeinde einen Gedenkgottesdienst.

Schniers ist „an den Folgen von Darmkatarrh im hiesigen Krankenhaus verstorben“, schrieb der SS-Sturmbannführer und Lagerkommandant von Dachau Anfang September in einem Brief an Verwandte des Pfarrers in Wippingen. Er ist nur eines von mehreren Dokumenten, die die Geschichte des Geistlichen dokumentieren und in Wippingen in einem privaten Nachlass verwaltet werden. Die Unterschrift des Mannes ist nicht zu entziffern, und die Todesursache gilt als zweifelhaft. So steht es auf der Gedenktafel in der Ortsmitte geschrieben.

Urne wurde in Wippingen beigesetzt

Weiter teilte der SS-Mann in seinem Schreiben mit, dass die Leiche bereits „im staatlichen Krematorium in Dachau“ eingeäschert wurde. Die Urne befindet sich seit damals im Kriegerdenkmal auf dem Wippinger Friedhof, und die Grabstelle ist eines von drei Denkmälern, die die kleine Gemeinde dem Pfarrer bis heute widmet. Das Andenken an den Geistlichen, der seit 1933 Pfarrer in Leer war, findet sich außerdem an einer nach ihm benannten Straße am katholischen Kindergarten St. Bartholomäus. Auch ein im Dorf ausgeschildertes Gemeindehaus ist nach ihm benannt. Dort befindet sich die Tafel, auf der sich seine Geschichte nachlesen lässt. Demnach wurde er am 25. März 1880 in Wippingen geboren, wo er zunächst in der Landwirtschaft seiner Eltern arbeitete. Dann folgte das Abitur am Gymnasium in Vechta, ein Theologie-Studium in Münster und Freiburg. Nach der Priesterweihe in Osnabrück 1907 war Schniers als Vorsteher des Konvikts in Meppen tätig, war Kaplan in Nordhorn, Schulrektor in Fürstenau und in Lingen. Als Präses der Kolpingsfamilie habe er unter anderem Vorträge aus Religion, Wissenschaft und Politik organisiert.

In Leer öffentlichen geächtet

1933 wurde er nach Leer berufen. Dort wurde er öffentlich geächtet, indem er 1942 in Sträflingskleidung durch die Straßen der ostfriesischen Stadt laufen musste. Im Jahr zuvor war er bereits von der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei, in „Schutzhaft“ genommen worden wegen angeblich „defätistischer Äußerungen“. Nach kurzer Freilassung und erneuter Verhaftung wurde Schniers nicht angeklagt, sondern der Gestapo übergeben. Nach dem öffentlichen Gang durch Leer wurde der Pfarrer ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Dort musste Schniers in der sogenannten „Plantage“ arbeiten. 1034 der insgesamt 2762 bis 1945 in Dachau eingewiesenen Geistlichen starben und mussten körperlich schwer arbeiten. Unbekannt ist, ob Schniers sich für medizinische Versuche hergeben musste. Am 28. August 1942 wurde er von Hunger, Misshandlungen und körperlicher Anstrengung geschwächt – so heißt es weiter – in das Krankenrevier gebracht. Schniers ist Teil der Märtyrerliste des Bistums Osnabrück, wo er als Diözesanpriester in der Gruppe der sogenannten „Blutzeugen aus dem Nationalsozialismus“ geführt wird.

Der Gedenkgottesdienst Schniers zu Ehren findet statt am Samstag, 2. September, um 19 Uhr in der Wippinger Pfarrkirche.


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