Festakt zum 50-jährigen Bestehen UPM Nordland Papier eröffnet neues Besucherzentrum

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Dörpen. Mit einem Festakt haben am Samstag in Dörpen rund 200 geladene Gäste das 50-jährige Bestehen der Papierfabrik UPM Nordland in der Emsgemeinde gefeiert. In dem feierlichen Rahmen wurde auch das hochmoderne Besucherzentrum „Papierwelt“ eröffnet, in die das bisher im Heimathaus angesiedelte Papiermuseum integriert worden ist.

Vor dem neuen Besucherzentrum enthüllte Werksleiter Klaus Reimann zusammen mit Ehrengästen, darunter mit Sten von Troil der damalige Projektleiter und laut Reimann „einer der wichtigsten Männer der ersten Stunde“ sowie dem Bildhauer Norbert Marten, ein Bronzelief der Fabrik. Es erinnert fortan an die Geschichte des Unternehmens.

Größter Feinpapierhersteller Europas

Reimann zeichnete diese Historie in seinem Grußwort von einem „Start Up“ zur größten Feinpapierfabrik Europas nach, deren mehr als 1200 Mitarbeiter jährlich bis zu 1,4 Millionen Tonnen holzfreies Papier produzieren. Weshalb die Leistungsfähigkeit des Unternehmens selbst vielen Menschen aus der Branche dennoch nicht so bekannt sei, liegt nach den Worten des Werksleiters daran, „dass wir viele Dinge einfach tun“, ohne sie an die große Glocke zu hängen. Deshalb passe der aktuelle Slogan des Landkreises Emsland, „Zuhause bei den Machern“, auch besonders gut zu Nordland.

Festschrift zum Jubiläum

Wie Reimann weiter ausführte, behaupte sich das Unternehmen auf einem nicht einfachen Markt erfolgreich – unter anderem durch spürbare Senkung des Energieverbrauchs oder aber das jüngste Projekt, bei dem Abwasser so aufbereitet wird, dass es buchstäblich wieder in die Produktion fließen kann. „Das ist einzigartig in der Branche“, sagte Reimann. Hinzu komme die Weiterentwicklung von Produktion wie beispielsweise Fotopapier. Überdies würdigte er die Verdienste des langjährigen Technischen Vorstandes Jürgen Hoppe, der im vergangenen Jahr verstarb. Besonders hervor hob Reimann überdies Kerstin Kleymann und Wübbe Neemann, die die Festschrift maßgeblich gestaltet haben.

Professionalität und Pioniergeist

Winfried Schaur, Executive Vice President Papier Europa und Nordamerika des finnischen UPM-Konzerns, zu dem Nordland gehört, würdigte die Professionalität und den Pioniergeist, mit der die damaligen Verantwortlichen die Ansiedlung vorangetrieben hätten. Die Papierindustrie habe sich in der Folgezeit immer wieder neu erfunden, betonte Schaur im Hinblick auf die technische Weiterentwicklung. Papier nannte er ein „unverzichtbares, auf nachwachsenden Rohstoffen basierendes Hightech-Produkt“, an dessen Zukunft er auch im digitalen Zeitalter fest glaube.

Der Wert des gedruckten Wortes

Das gedruckte Wort biete mehr Gelegenheit, sich dem Geschriebenen auseinanderzusetzen. Nach Schaurs Auffassung stehen traditionelle und digitale Medien nicht in Konkurrenz zueinander, sondern bieten durch Koexistenz die Chance für einen gesteigerten Mehrwert. Wie das aussehen kann, demonstriert der cross-mediale „Reisekatalog der Zukunft“ in der Papierwelt, bei dem eine Mischung aus Papierkatalog, Kamera und Bildschirm ein virtuelles Leseerlebnis ermöglichen.

Gelebte Sozialpartnerschaft

Betriebsratsvorsitzender Alois Soring, seit 1994 im Amt, würdigte außer der Belegschaft die nach seinen Worten seit Jahren gelebte Sozialpartnerschaft, unter anderem in Form einer frühzeitig geregelten betrieblichen Altersversorgung. Überdies seien Aus- und Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit bei Nordland. Und auch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz würden großgeschrieben. Und doch habe es im Jahr 2002 einen tödlichen Arbeitsunfall gegeben – den bislang einzigen. Soring verhehlte zudem nicht, dass es in der Unternehmensgeschichte leider auch mehrere größere Personalreduzierungen gegeben habe.

Der Dörpener Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (CDU) lenkte den Blick auf das Güterverkehrszentrum Emsland in Dörpen, das ohne Nordland nicht entstanden wäre, wie er sagte. Dank der Papierfabrik sei die Kommune als Wirtschaftsstandort seit vielen Jahren Europameister. Das solle in Zukunft marketingtechnisch auch genutzt werden.

Appell an den Bund

Den Bund forderte Wocken auf, die Steuergesetzgebung wieder dahingehend zu ändern, dass „die Steuern da bleiben, wo sie erwirtschaftet werden“. Seitdem Unternehmen mit mehreren Standorten in Deutschland ihr Steueraufkommen bundesweit verrechnen können (2005), sprudelt die Steuerquelle in Dörpen deutlich schwächer.

Landrat Reinhard Winter (CDU) betonte, dass die Ansiedlung in einer seinerzeit „sehr strukturschwachen Region am Rande des Hümmlings“ für den Landkreis von größter Bedeutung gewesen sei. Es sei alles andere als selbstverständlich gewesen, den wirtschaftlichen Aufschwung ins Emsland zu tragen.

Als Vermessungshelfer dabei

Die Festrede hielt Landtagspräsident Bernd Busemann. Er erinnerte nicht nur daran, dass er als Vermessungshelfer für das Gelände in jungen Jahren erstmals eigenes Geld verdient habe („3 Mark pro Stunde“), sondern dass Ansiedlungspläne von Industriebetrieben von den Einheimischen durchaus mit Skepsis und Argwohn begleitet wurden – und das, obwohl das Wirtschaftswunder der 50er-Jahre an Dörpen vorbeigegangen sei. „Viele Menschen hier kannten damals weder ein geregeltes Einkommen, noch einen sicheren Arbeitsplatz.“ Und doch habe sich beispielsweise die Familie Wulf mit ihrer Gardinenfabrik (ADO) in Aschendorf angesiedelt. Letztlich aber hätten sich auch in Dörpen alle zusammengerauft, so Busemann. Finnen und Emsländer habe von Anfang an ein wunderbares Miteinander ausgezeichnet, die Ansiedlung einen riesigen Aufschwung für die heimische bedeutet. Das Dörpener Industriegebiet hält Busemann für das beste in Deutschland.

Orchester schon bei Grundsteinledung dabei

Als besonders „großer Schatz“ mit hoher lokaler Verbundenheit hätten sich die Mitarbeiter erwiesen. So stammten derzeit die meisten Mitarbeiter (491/36 Prozent) aus der Samtgemeinde Dörpen, jeder Fünfte (272) aus Papenburg sowie 13 (181) beziehungsweise 12 Prozent (169) aus der Samtgemeinde Lathen und vom Hümmling. Die übrige Belegschaft fährt aus Ostfriesland, Haren/Meppen/Lingen oder den Niederlanden nach zur Arbeit nach Dörpen. Wie Busemann weiter berichtete, haben bis heute 823 Auszubildende eine Lehre in der Papierfabrik angetreten.

Für musikalische Unterhaltung sorgte das Blasorchester der Realschule Aschendorf. Das Orchester hatte bereits bei der Grundsteinlegung im September 1967 gespielt.


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