50 Jahre Nordland in Dörpen Darum glaubt Werksleiter Klaus Reimann weiter an Papier

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Dörpen. Papier gehört auch im digitalen Zeitalter noch immer zu den am meisten verwendeten Alltagsprodukten weltweit, sagt der Werksleiter von UPM Nordland Papier in Dörpen, Klaus Reimann. Nicht nur deshalb glaubt er weiter fest an das Produkt Papier, wie er anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Unternehmens im Interview mit unserer Redaktion erklärt.

Herr Reimann, am 14. September jährt sich der Tag der Grundsteinlegung der Nordland Papier GmbH zum 50. Mal. Was bedeutet das Jubiläum für Dörpen als Standort für Papierproduktion?

Im Gründungsjahr 1967 zählte das Emsland zu den strukturell schwächsten Regionen in Deutschland. Heute steht hier die größte Feinpapierfabrik Europas, d. h. wir blicken von einem „Start-up“-Werk auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Was in dieser Zeit geleistet und aufgebaut wurde, ist in der Papierindustrie einzigartig.

Was zeichnet den Standort Dörpen und seine Mitarbeiter aus?

Die sehr gute logistische Anbindung zeichnet Nordland Papier seit der Gründung aus und ist für uns als Papierproduzent sehr wichtig. Die bereits damals günstige Verkehrsanbindung mit Bundesstraße, Wasserstraße und Eisenbahn hat sich über die Jahre hinweg sogar noch deutlich verbessert. Mittlerweile haben wir einen Autobahnanschluss, einen Hafen inklusive Containerverladung und ein leistungsfähiges Eisenbahnumschlagterminal. Außerdem sind natürlich auch Marktnähe, Ressourcen und Stabilität von großer Bedeutung.

Vor 50 Jahren war ein sehr wichtiger Standortfaktor, dass genügend Arbeitskräfte im Emsland vorhanden waren. Dies waren jedoch keine Fachkräfte für die Papierherstellung. Heute ist Nordland Papier bekannt für gut ausgebildete Menschen, mit einer sehr hohen Einsatzbereitschaft und ausgezeichneten Kompetenzen. Hiervon profitieren seit Langem das Werk und darüber hinaus auch zahlreiche andere UPM Papierwerke. Über Jahre hinweg wurde bei UPM Nordland Papier technische und technologische Pionierarbeit geleistet.

Vor welchen Herausforderungen steht die Papierproduktion in Dörpen aktuell?

Es gibt zahlreiche Herausforderungen für die Papierproduktion – nicht nur hier in Dörpen. Die zwei Hauptthemen sind heute ein rückläufiger Markt für grafische Papiere, bedingt durch digitale Entwicklungen und die damit veränderte Mediennutzung, sowie steigende Kosten, die durch Überkapazitäten und den Medienwandel nicht in der erforderlichen Höhe an die Kunden weitergegeben werden können.

Der Papiermarkt gilt als einer, der stets starken Schwankungen unterworfen ist. Woran liegt das?

Der Markt war für Nordland Papier lange Zeit ein Wachstumsmarkt mit konjunkturellen Schwankungen. In der Vergangenheit gab es hierbei einen klaren Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Papierverbrauch. Dies lag daran, dass Papier zum größten Teil ein Konsumgut darstellt und als Werbeträger und Verpackungspapier verwendet wird. Konsumgüter werden in schwierigen Zeiten reduziert. Durch geringere Ausgaben in diesem Bereich reduziert sich der Papierverbrauch.

Heute sind wir in einem rückläufigen Markt mit einem immer höheren Anteil an digitalen Medienausgaben. Dadurch ist der konjunkturelle Zusammenhang nicht mehr so klar darstellbar, allerdings ist die Relevanz für uns geblieben.

Inwieweit spielt das digitale Zeitalter mit einem veränderten Mediennutzungs- und Leseverhalten darüber hinaus eine Rolle?

Das digitale Zeitalter mit einem veränderten Mediennutzungs- und Leseverhalten hat strukturell zu einem Rückgang der grafischen Papiere geführt. Dies betrifft insbesondere Zeitungsdruck- und Magazinpapier, allerdings auch Feinpapier.

Warum glauben Sie dennoch weiter fest an das Produkt Papier?

Papier gehört immer noch zu den am meisten verwendeten Alltagsprodukten weltweit. Das bloße Anfassen einer Papierseite spricht den Menschen bereits unterbewusst an. Neben der Flut an Informationen, die über digitale Kanäle im Sekundentakt eintreffen, gibt das gedruckte Wort dem Leser die Möglichkeit, sich mit dem Geschriebenen auseinanderzusetzen.

Allerdings geht die Bedeutung des Papiers noch viel tiefer. Papier ist geduldig. Beiträge in sozialen Medien können durch einen Knopfdruck gelöscht werden. „Snapchat“ zum Beispiel bietet den Nutzern an, Inhalte für lediglich 24 Stunden verfügbar zu machen.

Einige Regierungen nutzen die Eigenschaften von Online-Angeboten, um sie auf technischer Ebene für die Massen zu zensieren. Bücher und Magazine können hingegen nicht so einfach von heute auf morgen „gelöscht“ werden. Schriftliche Aufzeichnungen sind meist von Dauer. Daher schenkt man ihnen mehr Vertrauen als digitalen Medien.

All dies sind Gründe, warum wir an eine Koexistenz von Papier und digitalen Medien glauben. Die Nutzung beider Formen bringt einen Mehrwert und die Berechtigung für grafische Papiere. Hierbei spielen neue, innovative Wege eine immer größer werdende Rolle. Beispiele mit Feinpapier aus Dörpen sind hier zum Beispiel Fotobücher und Bücher mit QR-Codes.

Wie lassen sich die aktuellen Herausforderungen der Papierbranche meistern?

Die Menschen bei Nordland Papier sind es gewohnt, Herausforderungen „anzupacken“, und mit ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Kompetenz sind wir sehr gut aufgestellt.

Meistern lassen sich die Herausforderungen nur mit unseren Kunden. Mit diesen sind wir eng verbunden und offen für neue Anwendungen und Produkte.

Unsere Produkte sind zukunftsfähig. Wie zuvor ausgeführt, bietet Papier viele Stärken, die digitale Medien ergänzen oder die diese in einer Form wie Feinpapier nicht bieten können. Beispielhaft seien hier nochmals der Datenschutz, die Haptik, aber auch die Alterungsbeständigkeit angeführt.

Wir haben Produkte, die nachhaltig und umweltschonend sind. Die Effizienz der Nutzungskette Holz/Altpapier/Papier ist eine der besten in der Industrie.


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