Zur Flächenanrechnung Masterplan Ems: Land übernimmt Leher Wiesen

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Dörpen. Das Land Niedersachsen übernimmt vom Bund die Leher Wiesen in der Samtgemeinde Dörpen. Die 129 Hektar Naturschutzflächen sollen zum Jahresende in Landeseigentum übergehen. Der Schritt ist Teil der Umsetzung des Masterplans Ems 2050 und soll die Bedingungen für Wiesenvögel in dem Gebiet verbessern.

Wie es in einer Pressemitteilung des Amtes für regionale Landesentwicklung heißt, lassen sich 30,8 Hektar auf die 78 Hektar Flächen für den Wiesenvogelschutz anrechnen, die das Land gemäß Masterplan-Vertrag bis 2025 erwerben muss. Die Naturschutzverbände hätten dem Vorgehen zugestimmt. Die Leher Wiesen nördlich von Dörpen waren in den 90er-Jahren zum Ausgleich für den Bau der Dörpener Ortsumgehung (B 401) als Flächen für den Schutz von Wiesenvögeln ausgewiesen worden.

Der Mitteilung zufolge erarbeitet der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft-, Küsten und Naturschutz (NLWKN) mit seiner im Zuge des Masterplans neu eingerichteten Naturschutzstation Ems das Konzept für die Aufwertung in Abstimmung mit den Naturschutzverbänden und der Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland sowie unter Einbeziehung des regionalen Landvolkverbandes. Mit der Umsetzung solle sofort nach der Eigentumsübertragung als Teil des Nationalen Naturerbes begonnen werden.

„Durch das vorliegende Bewirtschaftungskonzept und die nach der Übernahme durch das Land verbesserten Möglichkeiten zur Wasserregulierung in dem Gebiet hoffen wir, dass eine positive Entwicklung des Wiesenvogelbestandes in den Leher Wiesen erreicht werden kann“, wird Elke Meier vom Naturschutzbund Niedersachsen in der Mitteilung zitiert. Konkret ginge es darum, durch ein verändertes Wassermanagement (Verbesserung bestehender Stauwehre, örtlich neue Stauwehre, geregelte Wasserhaltung zur erforderlichen Bewirtschaftung) sowie die Entfernung von Gehölzen eine verbesserte Situation für die noch vorhandene Wiesenvogelpopulation zu schaffen. Wasser sei der Schlüsselfaktor für Wiesenvögel. Sie benötigten Feuchtwiesen mit offenen Wasserstellen. Dort fänden die gefährdeten Arten Rotschenkel, Uferschnepfe, Kiebitz und weitere nach ihrer Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten geeignete Brutplätze. Im feuchten, schlammigen Boden fänden sie genügend Nahrung, um erfolgreich zu brüten, so Meyer.

Mehr Schutz für Wiesenvögel 06 Jul 2017 © Stepmap, 123map • Daten: OpenStreetMap, Lizenz ODbL 1.0 Fotos: Andreas Schüring/Oliver Lange/NLWKN • Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Kombiniert mit einem gezielten Management des Bestands der Fressfeinde (Iltis, Marder, Fuchs) von Wiesenbrütern werden nach Angaben des NLWKN von den biotopgestaltenden Maßnahmen positive Effekte erwartet. Wichtig sei, dass die Flächen bewirtschaftet werden, damit die Grasnarbe kurzgehalten wird. Eine Beweidung von Teilflächen sei vorteilhaft, weil Rinder und ihr Dung Lebensgrundlage genau jener Insekten seien, die Wiesenvögel zum Überleben benötigten. „Deswegen ist es wichtig, mit künftigen landwirtschaftlichen Nutzern die Bewirtschaftung so zu regeln, dass der Lebensraum für Wiesenvögel optimiert werden kann“, heißt es in der Mitteilung weiter. Eine der Auflagen sei die späte Mahd, die nicht vor dem Ende der Brutzeit erfolgen darf, um Gelege und Küken nicht zu gefährden. Auf jeden Fall müssten die Wiesen „kurzrasig“ in den Winter gehen, damit Wiesenvögel im nächsten Frühjahr erneut gute Bedingungen vorfinden. Positiv wird sich nach Angaben der Behörde zudem auswirken, dass die Staatliche Moorverwaltung Niedersachsen, die die Naturschutzflächen des Landes verwalten wird und zum Amt für regionale Landesentwicklung Weser Ems gehört, über Personal und Maschinen verfügt, um einige der Maßnahmen sehr kurzfristig umzusetzen.


Die Situation der Wiesenvögel sowie anderer Arten der Agrarlandschaft hat sich nach Angaben des NLWKN von 2007 bis 2016 deutlich verschlechtert. Das geht aus der Roten Liste der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen hervor, die die Staatliche Vogelschutzwarte des NLWKN im April 2016 veröffentlicht hat. Gegenüber der letzten Ausgabe von 2007 zeigt sich demnach, dass nach wie vor mehr als die Hälfte der heimischen Vogelarten in der Roten Liste oder der sogenannten Vorwarnliste aufgeführt sind und nur rund 44 Prozent der Arten als ungefährdet gelten können. Das gelte besonders für Wiesenvögel: Die Bekassine, die feuchtes Grünland oder intakte Moore brauche, sei in den vergangenen 25 Jahren in ihrem Bestand um rund 80 Prozent zurückgegangen. Auch ehemals häufige Arten wie Feldlerche, Star und Kiebitz verzeichneten deutliche Rückgänge.

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