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Bund fördert Bau von Filteranlage UPM Nordland Papier will Wasserverbrauch weiter senken

Von Gerd Schade


Dörpen. Die Papierfabrik UPM Nordland in Dörpen will ihren Frischwasser- und Energieverbrauch sowie auch den CO2-Ausstoß weiter senken. Dafür wird das Unternehmen eine spezielle Behandlungsanlage für das Produktionswasser bauen. Sie soll 2018 in Betrieb gehen. Finanziell gefördert wird das Projekt mit Bundesmitteln.

Wie Werkleiter Klaus Reimann bei einem Besuch von hiesigen SPD-Politikern um den Bundestagsabgeordneten Markus Paschke erklärte, stellt das Bundesumweltministerium für das Vorhaben bis zu knapp 570.000 Euro beziehungsweise maximal 30 Prozent der Gesamtinvestitionssumme aus dem Umweltinnovationsprogramm zur Verfügung. Bei einer vollen Förderung aus Berlin wären das fast 1,9 Millionen Euro.

Mithilfe der Anlage soll das Wasser für die Papierproduktion so gereinigt werden, dass es wiederverwendet werden kann. Zudem soll auch die Wärme in die Produktion zurückgeführt werden. Ziel sei es, den Bedarf an Frischwasser und Energie deutlich zu verringern, sagte Reimann. Demnach soll der Wasserbedarf um etwa 850.000 Kubikmeter pro Jahr, der Energieverbrauch um rund 9500 Megawattstunden und der CO2-Ausstoß um 1700 Tonnen reduziert werden. Die anno 1967 gegründete Nordland Papier GmbH hat den Wasserverbrauch in den vergangenen 15 Jahren nach eigenen Angaben um 10 Prozent pro produzierter Tonne Papier gesenkt. Damit sei man bereits führend in diesem Papiersegment und werde sich als „Benchmark“ in der Branche noch weiter absetzen, so Reimann.

Rund 1200 Mitarbeiter

In Dörpen werden auf vier Papier- und zwei Streichmaschinen jährlich bis zu 1,4 Millionen Tonnen ungestrichene und gestrichene Schreib- und Druckpapiere unter anderem für Bücher, Werbematerialien, Broschüren, Kalender und Poster produziert. Damit zählt das Unternehmen mit seinen derzeit rund 1200 Mitarbeitern in der Fabrik zu den größten Produktionsstandorten für Feinpapier in Europa. Insgesamt sind am UPM-Standort Dörpen (Produktion, Ausrüstung, Logistik) etwa 1700 Menschen beschäftigt, darunter 70 Auszubildende in elf Berufen. „Wir haben eine hoch qualifizierte Mannschaft“, betonte Reimann. Die Fluktuationsrate liege bei unter 2 Prozent.

Wie der Werkleiter den Besuchern weiter erklärte, muss für die Papierproduktion feststoff- und farbfreies sowie salzarmes Wasser verwendet werden. Konventionelle Filtrationsverfahren könnten das Abwasser aber nicht so behandeln, dass es in der Papierproduktion wiederverwendet werden kann. Durch die neue Anlage könnten hingegen alle für die Papierproduktion wesentlichen Störstoffe nahezu vollständig aus dem Wasser entfernt werden. „Die neue zweistufige Membrananlage entfernt künftig mittels Ultrafiltration und Umkehrosmose alle Störstoffe eines Teilstromes des biologisch gereinigten Abwassers“, skizzierte Reimann das technische Verfahren. Umkehrosmose ist ein extrem feines Filtrationsverfahren, das ermöglicht, Stoffe im Molekularbereich auszufiltern – damit auch Salze. Der Werkleiter betonte, dass die Anwendung dieser neuen Technologie zur weiteren Umweltverbesserung und damit auch zur Standortsicherung des Unternehmens beitrage.

Bahn keine Alternative

Paschke lobte das Vorhaben und sprach von einem „spannenden und innovativen Projekt“. Es sei nicht nur wichtig für die Region, sondern auch ein Signal für den sparsameren Umgang mit Ressourcen. Einsparungen bei Strom, Wärme und Wasser steigerten immer auch die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens.

Weitere Themen des Besuches waren die hohe Bedeutung von Arbeitssicherheit, präventives Gesundheitsmanagement für die Belegschaft und die Logistik. Dabei machte Alois Soring, Betriebsratsvorsitzender bei UPM Nordland Papier und Gesamtbetriebsratsvorsitzender von UPM Deutschland, deutlich, dass die Bahn bei der Rohstoffversorgung keine Alternative sei. 87 Prozent des Wareneingangs kommen per Binnenschiff an, 10 per Lkw und 3 per Bahn. Beim Warenausgang machen Lkw-Transporte (67 Prozent) den größten Anteil aus, gefolgt von Binnenschiffen (24) und Bahn (9). Im Hinblick auf die Bedeutung für den Schiffsverkehr spielen Reimann zufolge auch die Umsetzungen des Masterplans Ems seine Rolle, der ökonomische und ökologische Interessen in Einklang bringen soll. „Das ist für uns ein großes Thema, an dem wir aktiv mitarbeiten“, sagte Reimann. Soring warnte in diesem Zusammenhang: „Wir brauchen zu den Problemen der Papierindustrie nicht auch noch ein Rohstoffproblem.“

Auch Paschke mahnte zu Besonnenheit. „Das darf nicht gefährlich werden. Wir dürfen nicht auf der einen Seite etwas gut machen und etwas anderes mit dem Hintern einreißen.“ Wie es im Rahmen des Gesprächs hieß, würde der Ausfall einer Binnenschiffladung zusätzlich 150 Lkw bedeuten.

Reimann zufolge beziehen die Papiermacher in Dörpen den Zellstoff für die Produktion aus Südamerika (Kurzfaser, überwiegend Eukalyptus) und Finnland (Langfaser, Kiefer) – „alles aus kontrolliertem Anbau“. Nachhaltigkeit werde bei UPM großgeschrieben, betonte de Werkleiter.

Der finnische UPM-Konzern mit Hauptsitz in Helsinki beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt etwa 19.600 Mitarbeiter. Die Umsatzerlöse von UPM liegen bei etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr.