Hat Pfleger auch Emsländer getötet? Ermittlungen gegen Niels H: Exhumierungen auch in Heede


Heede. Auch auf dem Friedhof in Heede (Samtgemeinde Dörpen) hat es in der vergangenen Woche Exhumierungen von Gräbern gegeben. Grund sind Ermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H.

Das hat die Sprecherin der Sonderkommission (Soko) „Kardio“, Maike Meisterling von der Polizei Oldenburg, am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. Wie berichtet , hatte es am Donnerstag dieser Woche, 23. Februar 2017, bereits eine Exhumierung auf dem Friedhof in Ostrhauderfehn im Landkreis Leer gegeben.

Die Soko ermittelt seit mehr als zwei Jahren in dem Fall des ehemaligen Intensivpflegers, der zwischen 2002 und 2005 am Klinikum in Delmenhorst und von 1999 bis 2002 am Klinikum in Oldenburg gearbeitet hat. Ihm wird dutzendfacher Mord vorgeworfen. In den vergangenen Monaten sind mehr als 100 Leichen exhumiert worden. Nach Abschluss der Untersuchung der Fälle im Klinikum Delmenhorst waren dem heute 40-Jährigen 37 Tötungsdelikte nachgewiesen worden. Dafür verurteilte das Landgericht Oldenburg Niels H. 2015 zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung.

(Weiterlesen: Ermittler rechnen Niels H. noch mehr Taten zu)

Den Friedhof der Kirchengemeinde St. Petrus an der Kirchstraße suchten die Ermittler bereits in der vergangenen Woche auf. Die Medien wurden weder im Vorfeld noch danach informiert. Ausgehoben wurden gleich zwei Gräber. Die beiden dort Beigelegten waren durch die Überprüfung der Todesfälle aus Oldenburg in den Fokus geraten. „Wir haben in diesem Ermittlungskomplex mehr als 300 Patientenakten überprüfen lassen, im Hinblick darauf, ob der Eintritt des Todes plausibel ist oder nicht. Bei Zweifeln haben wir dann eine Exhumierung beantragt“, sagte die Soko-Sprecherin bereits am Donnerstag nach der Exhumierung in Ostrhauderfehn.

Gesamter Boden ausgekoffert

Die Gräber in Heede wurden relativ tief ausgekoffert, um möglicherweise auch im Boden Spuren von Chemikalien oder verbotener Medikamente zu finden, die Niels H. bei seinen Taten verwendet haben könnte. Die Leichenteile und Proben des Bodens wurden umgehend in die Rechtsmedizin nach Oldenburg gebracht, die Leichen wurden noch am selben Tag im Beisein der Angehörigen wieder bestattet. Um die Arbeiten und die Trauernden nicht zu stören, werden die Friedhöfe von der Polizei im Regelfall ganztägig gesperrt.

Bei dieser Beisetzung im engsten Angehörigenkreis war ein Diakon von St. Petrus anwesend, um die Anwesenden seelsorgerisch zu betreuen, berichtete Pfarrer Johannes Hasselmann auf Anfrage unserer Redaktion. Aus Rücksicht auf die Angehörigen wollten weder der Pfarrer noch die Polizeisprecherin Einzelheiten zu den Exhumierten mitteilen. Untersuchungsergebnisse wird es nach Auskunft der Sprecherin erst in einigen Wochen oder Monaten geben, denn es stehen weitere Exhumierungen an, sie sollen bis Ende der ersten Jahreshälfte 2017 abgearbeitet sein. Ob auch weitere Gräber im Emsland betroffen sein werden oder bereits waren, sagte sie nicht.

Hinweistelefon eingerichtet

Die Soko „Kardio“ der Polizeidirektion Oldenburg hat in Zusammenhang mit den Ermittlungen um den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. ein Hinweistelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0441/790-3555 können sich Ratsuchende an Fachleute wenden, wenn sie Angaben zu den Fällen machen wollen oder Beratungsgespräche suchen. Das Hinweistelefon ist in an Werktagen von 9 bis 15 Uhr erreichbar. Die Soko ist auch per E-Mail erreichbar: soko-kardio-hinweisaufnahme@pd-ol.polizei.niedersachsen.de .


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN