EZ-Adventskalender 2016 Blick hinter die Tür des Walchumer Glockenturms


Walchum. Früher musste der älteste Junge der Volksschule in Walchum die Glocke zur Mittagsstunde im Glockenturm läuten. Heute ist keine Handarbeit mehr nötig. Das Läuten funktioniert auf Knopfdruck.

Wilhelm Schweers, der in Walchum für die Dorfchronik zuständig ist, hat für den EZ-Adventskalender unserer Redaktion die Tür zum Glockenturm geöffnet. Wie er berichtet, kümmerte sich einst morgens und abends einer der Bürger, die in der unmittelbaren Nähe des Turms wohnten, um das Läuten. „An der Schule hing die erste Glocke bis 1917, weil sie als Kriegsmaterial abgegeben werden musste“, erklärt Schweers. Die Glocke sei eingeschmolzen und für Kriegsmunition verwendet worden.

Neue Glocke nach dem Ersten Weltkrieg

Rund drei Jahre später kaufte sich die Gemeinde 1920 eine neue Glocke, die am alten Platz aufgehängt wurde. „Dort blieb sie bis zum Abriss der Schule in den 40er Jahren.“ Neu platziert wurde sie Schweers zufolge im alten Transformatorgebäude, wo sie noch heute hängt.

Nach den Worten des Dorfchronisten wurde die Glocke von vielen Familien aus Walchum über die Jahre hinweg geläutet. „Von 1996 bis zu seiner Erkrankung im Jahre 2000 übernahm Johann Gründer das Läuten um 12 Uhr“, so Schweers.

Keinen Glöckner gefunden

Nachdem nach 2007 jedoch kein Glöckner mehr gefunden werden konnte, wurde im vergangenen Jahr auf Wunsch der Bürger ein elektrisches Läutewerk installiert. „Heute hört man sie allerdings nur noch mittags und leider nicht mehr so laut wie früher“, sagt Schweers. Zusätzlich zum Jahreswechsel an Silvester ertöne der Klang der Glocke auch noch, wenn jemand aus dem Dorf gestorben ist. Vom ersten Nachbarn wird sie am Morgen nach dem Todeszeitpunkt um kurz vor 7 Uhr geläutet. Auch am Beerdigungstag sei die Glocke für 20 Minuten zur Mittagszeit zu hören.

Tote auf einem Ackerwagen

„Früher musste der Leichnam am Tag der Beerdigung auf einen Ackerwagen aufgebahrt und auf den Friedhof nach Steinbild gebracht werden. „Genau für diese Strecke, die rund 20 Minuten dauerte, läutete die Glocke“, so Schweers.

Heute sterben die alten Traditionen nach seiner Auffassung viel zu schnell aus. Aus diesem Grund habe er es sich zur Aufgabe gemacht, die Walchumer über die Traditionen der Gemeinde immer wieder aufzuklären, damit sie nicht verloren gehen.


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