Stuntfrau, Jockey, Tiertrainerin Rosi Hochegger aus Kluse ist ein Kind der Manege

Von Susanne Risius-Hartwig

Ihr Zuhause teilt Rosi Hochegger mit insgesamt 13 Hunden, die neun verschiedenen Rassen angehören. Foto: Susanne Risius-HartwigIhr Zuhause teilt Rosi Hochegger mit insgesamt 13 Hunden, die neun verschiedenen Rassen angehören. Foto: Susanne Risius-Hartwig

Kluse. Die Tiertrainerin und Zirkusartistin Rosi Hochegger aus Kluse tritt in ganz Europa auf.

Beim Haus ihrer Mutter bezieht die Tiertrainerin zwischen ihren Engagements Quartier. Von Kluse aus geht es zu Auftritten in ganz Europa. Das nächste Ziel ist der Europapark Rust, der über Weihnachten eine Zirkus-Show präsentiert.

2017 gastiert Hochegger mit dem ungarischen Nationalzirkus für zwei Monate am Balaton. Stationen ihres bisherigen Berufslebens waren namhafte Zirkusbetriebe in Deutschland, Skandinavien, den Niederlanden, England und der Schweiz. Beim Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo gewann sie 2014 den silbernen Clown, den „Oscar der Artistik“. Ein Foto von der Preisverleihung zeigt Hochegger im Glitzer-Kostüm neben Prinzessin Stéphanie von Monaco.

Komische Nummern mit „Pippi“-Pferd

In Kluse lässt die Tiertrainerin das Galaoutfit im Schrank. Stattdessen trägt sie eine derbe Arbeitsjacke und darunter einen grauen „Kapuzenpullover mit der Aufschrift: „Unterschätze niemals eine Frau mit einem Knabstrupper.“ Vor Kurzem hatte Rosi Hochegger bei Heinz Hackmann in Werpeloh ein Pferd dieser alten Rasse gekauft.

Komische Nummern mit dem Pippi-Langstrumpf-Pferd „Kleiner Onkel“ kommen in der Manege gut an. „Knabstrupper sind gelehrig und ein absoluter Blickfang“, weiß die Zirkusfrau. „Ich bin früher selbst als Pippi Langstrumpf aufgetreten.“ Inzwischen ist die in Berlin geborene Artistin bekannt für eine Dressur, bei der ihr Pferd sich weigert zu arbeiten. Es legt sich stattdessen lieber auf eine übergroße Matratze und deckt sich selbst zu.

Schon als Kind der Manege

Wie alt sie ist, möchte Rosi Hochegger lieber nicht in der Zeitung lesen. Aber sie verrät, dass sie schon als Kind mit ihren Eltern in der Manege gestanden, moderiert und bei der Pflege der Tiere geholfen hat. „Wir sind eine echte Zirkusfamilie. Ich bin die dritte Generation, und meine Kinder werden vielleicht die vierte.“ Hochegger hat einen Sohn und eine Tochter, die sich gerade auf das Abitur vorbereitet.

Bereits mit 17 Jahren machte Hochegger sich selbstständig und arbeitete zunächst als Stuntfrau und Schauspielerin für die Karl-May-Festspiele im sauerländischen Elspe.

Hundedressur mit Sketch

Später kaufte sie sich ihr erstes Pferd und trainierte es. Ihre Hundedressur startete mit einem Sketch, bei dem sie sich die Hauptrolle mit ihren zwei ersten Hunden teilte. Talent im Umgang mit Pferden und Hunden verschaffte ihr Engagements in vielen berühmten Zirkus-Unternehmen. „Momentan bin ich sehr gefragt und lange im Voraus ausgebucht“, ist Hochegger zufrieden. Aber sie weiß auch, dass alles von ihr abhängt und sie nicht ernstlich krank werden darf.

Nachdem ihre beiden ersten Hunde in die verdiente Rente gegangen waren, stellte sie eine neue Hundedressur auf die Beine und hatte damit 2012 einen Auftritt in der TV-Show von Martin Rütter. Bei „Stars in der Manege“ hat sie mit Patrick Lindner und Bernd Stelter zusammengearbeitet.

Stolz ist Rosi Hochegger auf die moderne Version einer reiterlosen Hohen Schule. „Der Zwang eines Reiters mit Zügel und Sattel ist nicht notwendig, wenn eine harmonische Beziehung zu dem Pferd besteht.“

Ärger über Pauschalurteile

Wenn die Trainerin mit einem Jungtier zu arbeiten beginnt, beschäftigt sie sich mit ihm, entdeckt nach und nach seine Talente und fördert sie. „Ich richte mich sehr nach den Herrschaften“, lacht Hochegger. Die Tiere mit ihren Eigenheiten seien ihre Inspiration.

Ärgerlich ist die Artistin, wenn über Zirkustiere pauschal geurteilt wird. „Uns wird vorgeworfen, dass die Tiere zu viel transportiert werden und dass wir Geld mit ihnen verdienen.“ Sie lebe mit ihren Tieren zusammen und achte sehr auf gutes Futter, ausreichend Wasser, Spielzeug und dass alle es bequem haben. „Wenn wir an einem Ort angekommen sind, kümmern wir uns zuerst um die Tiere und die Koppeln“, damit die Tiere gleich Auslauf haben.

Auch wenn ihre Wurzeln im Zirkus liegen, hat Rosi Hochegger jahrelang etwas anderes gemacht. Die gelernte Hundepflegerin hatte in Kluse einen eigenen Hundesalon. Davor war sie Trainings-Jockey an der Galopp-Rennbahn in Düsseldorf, hat in Diskotheken, Bistros und Fabriken gearbeitet und bei einem Fahrdienst für behinderte Menschen. Jetzt ist sie wieder glücklich in ihrem Zirkusleben: „Ich will nichts anderes machen.“

Im Camping-Anhänger zuhause

Ist die Saison zu Ende, genießt die Tiertrainerin die Zeit in Kluse. Den Hof am Koppelweg haben ihre Eltern vor mehr als 30 Jahren gekauft. Aus ihrem Camper zieht Hochegger aber auch in Kluse nicht aus. „Das ist mein Heim, wo ich auch bin auf der Welt.“

Was sie macht, wenn die Zirkus-Karriere vorbei ist, weiß Hochegger schon. Dann möchte sie ihr Fachwissen im Rahmen von Seminaren weitergeben und Dressuraufträge annehmen.


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