Seit mehr als 40 Jahren Der Herr der Bienen: Ein Imkermeister in Lehe

Von Kristina Müller


krim Lehe. Wenn Rudolf Jansen aus Lehe zu seinen Bienen geht, dann braucht er keinen „Raumanzug“, wie er ihn nennt. Ohne Handschuhe greift der Imkermeister, auch bekannt als „Bienenrudi“, zielsicher nach der Bienenkönigin, um sie zu begutachten.

„Ich wollte eigentlich nicht Imker werden“, erzählt der 69-Jährige. Jetzt ist er es bereits seit mehr als 40 Jahren. 1975 hatte sich der gelernte Kaufmann von seinem Onkel überreden lassen und vier Bienenvölker als Geschenk angenommen. Den Bienenkasten dafür baute er sich selbst. Zu der Zeit sei der Honigpreis im Verhältnis zu heute sehr gut gewesen.

Jansen begann dann seine Imkerlehre, die er im Blockunterricht über mehrere Monate neben seinem Job bei UPM Nordland in Dörpen absolvierte. „Ich habe sämtliche Kurse gemacht, die es in der Imkerei gibt – bis zum Meister hin“, erzählt er. Auch den Meister machte er im Blockunterricht im Bieneninstitut in Celle. Dafür müsse man eine Mindestzahl an Bienenvölkern vorweisen können, wie er erklärt. Später besaß er gut 100 Völker. Heute hält er als Hobbyimker nur noch einen Bruchteil davon, die meisten bei sich hinter dem Haus.

„Bienen-Rudi“ ist inzwischen nur noch Hobbyimker

„Der Meister ist kein Zuckerschlecken. Ich habe das damals eigentlich gemacht, um das Wissen zu haben“, so Jansen. „Da zehre ich auch heute noch von.“ Berufsimker gebe es heute nur rund 40 deutschlandweit, berichtet er. Viele seien Nebenerwerbsimker, so wie auch er früher. Inzwischen aber ist es auch für Bienen-Rudi nur noch ein Hobby, jedoch ein arbeitsintensives, wie er zugibt. „Ich bin jetzt seit 13 Jahren Rentner, und ich bin froh, dass ich die Viecher habe“, sagt er schmunzelnd.

Die Imkerei mache ihm besonders viel Spaß, weil er unheimlich naturverbunden sei. „Das ist ein Hobby, bei dem man wirklich am Puls der Natur ist. Man muss einfach einen Faible dafür haben“, findet Jansen. Allerdings ist es auch ein sehr teures Hobby, gibt er zu bedenken – dafür eines der wenigen, bei dem man das investierte Geld wieder zurück erwirtschaften könne. Jansen selbst hat seinen Honig direkt vom ersten Glas an vermarktet. „Honig produzieren kann jeder, verarbeiten und vermarkten aber nicht“, betont er. Im Programm hat der Imker Raps-, Akazien-, Linden- und Blütenhonig – und alle sechs bis sieben Jahre auch mal Löwenzahnhonig. Den bietet er bei sich zuhause und seit vielen Jahren auch auf dem Aschendorfer und dem Dörpener Weihnachtsmarkt an.

Froh, wenn die Saison vorbei ist, aber auch, wenn sie wieder losgeht

Ihm ist aber nicht unbedingt der Honigertrag wichtig, wie er sagt. Denn neben dem Honig verkauft er auch Bienenköniginnen, die er selbst züchtet. Vormittags kümmert der Rentner sich um seine Bienen, nachmittags bastelt er gerne. Pflegen, füttern und auch entmilben muss er die kleinen, fleißigen Arbeiter. Die Hauptarbeit ist aber die Schwarmbindung bis in den Juli hinein. „Als Imker muss man immer fit sein“, betont er. „Man darf nie krank werden, sonst hat man den Bestand in einer Saison halbiert. Besonders zur Schwarmzeit muss man vor Ort sein.“ Danach kommt für Bienenrudi die schönste Arbeit: Das Honigschleudern und Weiterverarbeiten. „Je voller die Waben, desto mehr Spaß macht das“, findet er. Trotzdem sei das Ganze eine Heidenarbeit. „Ich bin immer froh, wenn die Saison vorbei ist. Aber im Frühjahr wartet man dann richtig darauf, dass es wieder losgeht“.

„Ich spüre die Stiche schon gar nicht mehr“

Die Imkerei erfordert laut Jansen ein gewisses Fingerspitzengefühl. Deshalb arbeitet der Hobbyimker auch ohne Handschuhe und den „Raumanzug“, denn ohne könne er schneller und besser arbeiten. Auch den Rauch, den viele Imker benutzen, braucht Jansen nicht. Die Angst vor den Stichen vergehe nach und nach. Wenn er nach seinen Völkern schaut, bekommt er zwar schon mal einen Stich pro Volk, wenn er versehentlich eine Biene zerquetscht. „Ich merke das aber schon gar nicht mehr“, scherzt er.

Verbandsmäßig habe er schon alles gemacht, erzählt er. Jansen war Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für den Raum Norddeutschland und 25 Jahre lang Vorsitzender des Imkervereins Aschendorf. Er hält Vorträge für den Berufsimkerbund und macht auch Schulungen für Neuimker. „Die Zahl der Imker steigt“, freut er sich. „Die Bienen sind in aller Munde.“ Ebenfalls begeistert ist er von der steigende Frauenquote in der Imkerei.

Honig ist nicht Jansens Leibspeise

Zusätzlich zu seinem Tagesgeschäft bietet Bienenrudi von Beginn an jedes Jahr seine Ferienpassaktion für Kinder an. Auch Besuchergruppen empfängt er nach Anmeldung. Dort lernen die Teilnehmer unter anderem, wie vielseitig Honig ist. „Honig ist ein Lebensmittel, das lebt und das beste und rückstandsfreieste Lebensmittel, das es gibt“, erklärt Jansen. Sein Tipp: ein Esslöffel Honig am Tag fürs Wohlbefinden. Auch für das Immunsystem und zur Wundbehandlung empfiehlt der Imker das süße, flüssige Gold. Ansonsten sei Honig aber nicht unbedingt seine Leibspeise: „Ich habe als Kind viel Sirup und Honig gegessen, dann war ich übersatt.“ Inzwischen isst er aber immer mal wieder ein wenig, sagt er und lacht.


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