Gnadenhof vor Zwangsversteigerung Weidtmanns aus Neudersum kämpfen für 90 Tiere

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Neudersum. Angela Weidtmann hat zurzeit fast nur noch einen Gedanken: Die Rettung ihres Gnadenhofs Tierseelen in Neudersum, an dem auch ihr Eigenheim hängt. Seit einem Arbeitsunfall ihres Ehemannes Peter kommt deutlich weniger Geld in die Kasse, doch ihre 90 Tiere müssen täglich gefüttert werden.

Ab kurz nach fünf, spätestens halb sechs Uhr morgens fangen die Ziegen an zu meckern. Und die Schafe. Gut eine Stunde später wollen die Katzen ihr Futter, dann die Hunde, die dann auch raus müssen. „Danach frühstücken wir gegen neun oder 9.30 Uhr. Vorher auf keinen Fall“, sagt Weidtmann. Noch am Vormittag kommen die Hunde wieder rein. Bis circa 16 Uhr ist vermeintlich Ruhe, denn bis dahin muss sie ihren Hof sauber machen. 90 Tiere machen schließlich viel Dreck. Gegen halb sieben am Abend werden die Großtiere gefüttert – Pferde etwa. Um acht herum dürfen die Tiere noch mal raus. Für ihre viele Arbeit wird Weidtmann nicht bezahlt, im Gegenteil. Sie kann deswegen keiner geregelten Arbeit nachgehen, auch deshalb, weil sie gesundheitlich eingeschränkt ist.

Insolvenz vor zwei Jahren

Das war mal anders. Weidtmann war selbstständig, hatt einen Paletten- und Regalhandel. 2014 dann kam die Insolvenz inklusiver privater Haftung, und seitdem ist damit auch ihr Resthof, auf dem sie und ihr Mann leben, bedroht. Der 71-Jährige hatte zusätzlich einen Arbeitsunfall vor rund anderthalb Jahren, von dem er sich nicht vollständig erholt hat. Auch seine Firmenneugründung ist bis heute nicht richtig auf die Beine gekommen. Mit kleineren Aufträgen und der kleinen Rente von Peter Weidtmann halten die zwei sich und die 90 anderen über Wasser. „Der Hof steht vor dem Aus“, sagt Weidtmann nun.

Hilfe bei TV-Sendung „Hundkatzemaus“ gesucht

Hilfe hat sie auf mehreren Wegen angedacht und ausgetestet, seitdem es finanziell nicht mehr gut läuft. Einmal hat sie sich bei der TV-Sendung „Hundkatzemaus“ des Senders VOX beworben, weil ihr Rollstuhlhund Glory eine Folgeoperation wegen seiner amputierten Hinterbeine brauchte. Weil das Tier auch noch inkontinent ist und Windeln tragen muss, habe der Sender die Hilfe abgelehnt mit der Begründung, dass es Tierquälerei sei, den Hund überhaupt am leben zu lassen. Weidtmann aber sagt: „Glory sprüht vor Lebensfreude. Sie ist dankbar, das merke ich“. Überhaupt seien Tiere „dankbare Geschöpfe und nicht so hinterhältig wie manche Menschen“, sagt die 53-Jährige, die schon mit Tieren großgeworden ist, wie sie sagt.

„Ich rette alles, was mir vor die Füße fällt“

Deshalb kann sie auch keines ablehnen. „Ich rette alles, was mir vor die Füße fällt“. Und das waren einiges, seit sie 2002 mit ihrem Mann aus der Nähe von Borken in Nordrhein-Westfalen nach Neudersum gezogen war. Anfangs war es ein Katzenbaby mit Katzenseuche, das aufgepäppelt werden musste. Dann brachte ein Nachbar ein Frettchen. Bekannte wiederum hatten eine ausgesetzte Dogge gefunden. Alle diese Tiere und die weiteren, die vor Weidtmanns Tür abgestellt werden, landeten auf dem Gnadenhof. Alle sind oder waren krank. Jetzt aber sei die Grenze erreicht. „Ich habe keinen Platz mehr“, sagt Weidtmann, die inzwischen einen gemeinnützigen Verein gegründet hat, damit sie mehr Spenden sammeln und dafür Quittungen ausstellen kann. Auch Patenschaften, die Mitarbeit durch Ehrenamtliche oder Unterstützung durch Sachspenden wie Einstreu, Kratzbäume oder Heu würde sie sich wünschen.

Bis zu 1000 Euro Kosten monatlich

„Wenn die Tiere ihr Zuhause verlieren, ist das für einige höchstwahrscheinlich das Todesurteil“, schreibt sie in einer ihrer Mails an unsere Redaktion. Weidtmanns sind derzeit überfordert mit der Deckung der rund 600 Euro an monatlichen Kosten für die Tiere, die sie zuvor noch aus eigener Tasche haben zahlen können. Im Winter steigt dieser Betrag auf rund 1000 Euro, weil dann mehr Einstreu und Heu gebraucht wird. Dabei machen sie das Katzen- und Hundfutter sogar selbst aus kostenlosen Innereien vom Metzger. Aktuell wird das Geld weniger, die Kosten bleiben und die jetzt schon fünfstelligen Schulden steigen. Deshalb wird der Hof nun im zweiten Anlauf im August zwangsversteigert. Die vorigen Gebote erreichten nicht die gewünschte Höhe der Bank. Ideal findet Weidtmann ein Mietkaufkonzept, bei dem die jetzigen Eigentümer – die Weidtmanns – ihr Haus gegen eine monatliche Zahlung zurückkaufen können. Die Bleibe für ihre Sittiche, Enten, Schweine, Rennmäuse, Wachteln, Pferde, Eichhörnchen, Hühner oder auch Meerschweinchen wäre damit gesichert. Und auch Weidtmann sagt: „Ich will hier nicht raus.“


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