Reue nach Facebook-Fahndung Dieb bringt in Dörpen gestohlene Schuhe zurück

Von Dirk Hellmers

Seine Holzschuhe zurück und einen alten Wettschein wiedergefunden hat Hermann Westhus. Lächelnd präsentiert der Dörpener Gastwirt den Bierdeckel und das Entschuldigungsschreiben des Klompen-Diebes. Foto: Dirk HellmeSeine Holzschuhe zurück und einen alten Wettschein wiedergefunden hat Hermann Westhus. Lächelnd präsentiert der Dörpener Gastwirt den Bierdeckel und das Entschuldigungsschreiben des Klompen-Diebes. Foto: Dirk Hellme

dhe Dörpen. Ein reumütiger Dieb hat dem Dörpener Gastwirt Hermann Westhus mit Verspätung 30 Liter Bier beschert. In einem Paar Holzschuhe, die ihm geklaut und wieder zurückgebracht wurden, hat der 59-Jährige einen verlorengeglaubten Wettschein wiedergefunden.

Der Anfang der Geschichte ist weniger versöhnlich als ihr Ende. Irgendwann in der Nacht zum 1. Mai fiel Westhus’ Blick auf die Wand neben der Theke. Die Holzschuhe, die dort zur Dekoration angebracht waren, fehlten. Wer sie genommen hat, liegt im Dunkeln. „Hier war es voll“, erinnert sich Westhus. Er selbst habe an dem Abend überwiegend im Saal auf einer Hochzeit gearbeitet und daher wenig mitbekommen.

Am nächsten Morgen setzt Westhus’ Tochter Maike einen Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook ab. Gesucht wird der, der „auf dreisteste Art und Weise unsere Kneipendeko mitgenommen“ hat. Sie fordert den Dieb auf, die „Klompen“ wieder herzugeben. Bemerkenswert aus der Sicht des Wirtes: Ein Schnapsglas mit der Aufschrift „Trink was klar ist, iss was gar ist, sag was wahr ist“, das hinter den Schuhen an der Wand hing, hatte der Täter dagelassen.

Westhus zufolge wurde die private Internetfahndung mehr als 12.000-mal aufgerufen. So bekam es möglicherweise auch der Langfinger mit. Jedenfalls lag schon am nächsten Morgen ein Karton vor dem Gasthaus. Darin waren nicht nur die Schuhe, sondern auch eine Tüte Süßes, ein Päckchen Kräuterbitter und ein Entschuldigungsschreiben. Darin bittet der Dieb um Vergebung „für den kleinen Streich.“ Es sei nie beabsichtigt gewesen, die Schuhe zu behalten. „MfG Ihr seit die beste Kneipe aus dem Emsland.“

Westhus macht deutlich, dass es ihm bei den Holzschuhen gar nicht um den materiellen Wert ging. „Das war ein Geschenk von vier holländischen Damen“, erklärt er. Die hätten zwei Wochen vor seinem 55. Geburtstag mit Holzschuhen als Geschenk bei ihm gestanden. Das Exemplar sei aber zu klein gewesen und auch zu früh an ihn herangetragen worden. Der zweite Versuch etwa 14 Tage später war erfolgreicher. „Da musste ich den ganzen Abend in den Klompen bedienen.“ Seitdem würden sich die Frauen regelmäßig vergewissern, ob die Schuhe noch da sind.

In einem der beiden Klompen habe er nach deren Rückgabe durch den Dieb dann auch gleich noch etwas anderes gefunden: einen Bierdeckel als Wettschein aus dem Jahr 2014. „Da hatte ich gewettet, dass Deutschland Weltmeister wird.“ Seinerzeit hatte Mario Götze im Finale gegen Argentinien mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg dafür gesorgt, dass auch Westhus über Deutschlands Weltmeistertitel in Brasilien jubeln durfte.

Allerdings war der Wettschein verschwunden. Bis jetzt. „Mir fehlte immer der Beweis“, sagt der 59-Jährige. Den kann er nun dank des ehrlichen Diebes erbringen. Der Langfinger brauche übrigens keine Konsequenzen fürchten. Die Sache sei abgehakt. „Aber vielleicht gibt er sich ja mal zu erkennen“, hofft Westhus.


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