Gelände weiträumig abgesperrt Dörpener Windkraftanlage wird mit 500-Tonnen-Kran repariert

Von Jürgen Eden



Dörpen. Mit mehreren, tonnenschweren Spezialfahrzeugen nimmt das Unternehmen Gertzen aus Kluse die aufwändige Reparatur einer Windkraftanlage in Dörpen in Angriff. Das Gelände wird während der Arbeiten weiträumig abgesperrt.

Die Windkraftanlage, deren Rotorblätter vor rund vier Wochen aus ungeklärter Ursache zerstört wurden , soll bis Dienstagabend repariert werden. Die Schadenshöhe an der rund zehn Jahre alten Anlage liegt dem Betreiber Wilhelm Schomaker zufolge zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Für die Reparatur sind am Montag groß angelegte Vorarbeiten angelaufen. So bewegte sich der Gertzen-Konvoi in Richtung Neudörpen.

Hauptakteur ist ein neuer, rund 3,2 Millionen Euro teure Kran. Der Koloss ist nach Worten von Firmeninhaber Wolfgang Gertzen erst seit zwei Wochen beim Kluser Unternehmen im Einsatz. Drei Mitarbeiter hatten in den vergangenen Wochen an Einweisungslehrgängen des Herstellers teilgenommen. Es handelt sich nach Firmenangaben bereits um den zweiten Kran in dieser Größe. Seine Zugkraft wird mit 500 Tonnen angegeben. Das mobile Arbeitsgerät mit acht Achsen kann bis zu 142 Meter ausgefahren werden. Allerdings wäre die Zugkraft dann auf nur noch zehn Tonnen beschränkt. Das entspricht in etwa sechs bis sieben Mittelklasse-Autos.

Bereits kurz nach der Auslieferung im schwäbischen Liebherr-Werk Ehingen wurde der neue Kran des Typs LT1500 für Verladearbeiten bei einem Zulieferer für Windkraftanlagen im südlichen Emsland angefordert. Der Hintergrund: Der Portalkran des Zulieferers musste zu diesem Zeitpunkt einem turnusgemäßen Prüfverfahren unterzogen werden.

Sehr aufwändig gestalten sich indes in Neudörpen die Vorarbeiten. Um die nötige Arbeitshöhe von bis zu 75 Meter zu erreichen und die notwendige Zugkraft sicherzustellen, sind weitere sperrige und ebenso gewichtige Komponenten erforderlich, die in einer Kolonne von vier Sattelzügen sowie einem Begleitfahrzeug anrollen. In dieser Formation fährt Gertzen zu Einsatzorten im gesamten norddeutschen Raum.

In Dörpen mussten nach Worten von Firmensprecher Heiner Meiners zunächst umfangreiche Erkundungen hinsichtlich der Bodenverhältnisse und Zufahrten vorgenommen werden. So hatten die Auftraggeber auf der Wiese an einigen Stellen reichlich Schotter aufgefahren, damit die tonnenschweren Fahrzeuge nicht im Boden versacken. Ein Problem stellt Meiners zufolge oft die Zufahrt dar. Bei vielen Außeneinsätzen müssten weiträumige Umwege in Kauf genommen werden. Die Ursachen liegen nach Angaben des Sprechers oft in den zum Teil maroden Straßenbrücken. So führte ein Weg nach Nürnberg auch schon mal über Berlin oder der zur Küste über Hannover, Walsrode und Bremen.

In Dörpen hatte das Unternehmen Glück. Vom Firmensitz bis zur Einsatzstelle waren es nur wenige Kilometer und auch die zu überquerende Brücke ist erst seit kurzer Zeit in Betrieb.

Rund fünf Stunden wurde der Kran in Position gebracht und mit den tonnenschweren Komponenten versehen. Dazu kam ein zweiter, deutlich kleinerer Kran zum Einsatz. Insgesamt 22 Autokrane gehören aktuell zur Flotte.

Indes stiegen am späten Montagvormittag die ersten Monteure in die Anlage, um Vorbereitungen zu treffen. So sollten beispielsweise die ersten Schrauben der Windflügel gelöst werden.

Denn am Dienstag muss alles schnell gehen, denn die Stundentarife für einen Autokran sind aufgrund der hohen Investitions- und Begleitkosten entsprechend hoch. Nach der Demontage der Flügelreste soll nach derzeitigem Stand bereits gegen Mittag mit der Montage der neuen Komponenten begonnen werden. Die lagern bei Gertzen ein und werden ebenfalls mit Spezialtransportern angeliefert. „Das ist eine unserer Stärken, wir sind Komplettanbieter“, sagt Meiners. Natürlich geht das nicht ohne Menschen, die im Hintergrund arbeiten. Zum inzwischen 160-köpfigen Team gehören nicht nur Kran- und Lkw-Fahrer, sondern auch Werkstatt- und Büromitarbeiter, die sich um die umfangreiche Distribution des einzusetzenden Materials kümmern.

Angefangen hatte das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer Opel-Reparaturwerkstatt und einem Abschlepp-Betrieb. Im letzteren Segment nahmen die Anforderungen aufgrund der gestiegenen Motorisierung immer stärker zu, sodass sich dieser Zweig in den 1970er Jahren langsam entwickelte. Hinzu kamen damals erste Aufträge von Industrie- und Gewerbekunden.


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