Genehmigung für Bohrungen läuft Weg für Geothermie-Kraftwerk in Heede ist frei

Das neue Unternehmen Geo-Energy Emsland startet: (von links) Herbert Hanrath und Oliver Kugland von der Hanrath-Unternehmensgruppe freuen sich auf die Umsetzung der Geothermie-Pläne. Foto: Mirco MoormannDas neue Unternehmen Geo-Energy Emsland startet: (von links) Herbert Hanrath und Oliver Kugland von der Hanrath-Unternehmensgruppe freuen sich auf die Umsetzung der Geothermie-Pläne. Foto: Mirco Moormann

Heede. Nach fünfeinhalb Jahren der Planung steht das Geothermie-Projekt vor dem Abschluss. Wie Projektentwickler Oliver Kugland mitteilte, sei die Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen worden.

Der erste Schritt für das geplante Evolutionszentrum im interkommunalen Gewerbegebiet von Heede und Dersum ist getan. Die Büros der neuen Geo-Energy Emsland GmbH im Obergeschoss des Restaurants Kanneloni sind fertig. Bei der Eröffnung am Freitag teilte Kugland, der Mitglied der Geschäftsführung der Papenburger Hanrath-Gruppe ist, weiter mit, dass neben der technischen Machbarkeit auch die wirtschaftliche Machbarkeit festgestellt worden sei.

48 Millionen Euro Kosten

Ein Zusammenschluss mehrerer Investoren soll das mit 48 Millionen Euro veranschlagte Projekt finanziell auf die Beine stellen. Man habe zahlreiche Anfragen von ausländischen Investoren, wolle das Projekt aber mit heimischen Geldgebern angehen, sagte der Ingenieur.

Die Machbarkeitsstudie habe, so Kugland, aufgrund weiterer Prüfungen länger gedauert als erwartet. Dennoch sei man im Zeitplan. Die Bohrungen bis 5500 Meter ins Erdinnere – also das „Herzstück der Anlage“ – sollen im Herbst beginnen. Der Genehmigungsprozess laufe und werde im Idealfall, so Kugland, etwa 8 Monate dauern.

5000 Quadratmeter für Kraftwerk

Das Kraftwerk soll dann bis Ende 2017 gebaut sein. Auf 5000 Quadratmetern Fläche soll es gegenüber des Restaurants errichtet werden. Bei der Geothermie wird eine Flüssigkeit durch die Erdwärme auf 180 Grad erhitzt und wieder an die Oberfläche gepumpt. Dort werden dann die Wärme genutzt oder in einem Kraftwerk daraus Strom erzeugt.

Doch gehe es nicht allein um das Kraftwerk. Laut Kugland, der auch Dozent am Campus Lingen der Hochschule (HS) Osnabrück ist, sei ein weiteres Hauptanliegen, Entwicklungs- und Forschungsstandort zu werden. Er strebt eine feste Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum an. Das Kraftwerk soll laut Kugland „die verlängerte Werkbank“ der Hochschule sein. Denn in Nordrhein-Westfalen gebe es zwar einen Lehrstuhl für Geothermie mit 14 Professorenstellen, aber kein Kraftwerk. Aufgrund der Fracking-Verordnung des Landes dürfe man nicht tiefer als 1500 Meter in die Erde bohren, so Kugland.

Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen

Studierende sollen deshalb im Green Energy Park in Heede lernen. Weitere Kooperationen mit dem Energieforschungszentrum Niedersachsen, dem Kompetenzzentrum Energie Osnabrück, GeoEnergy in Celle und der Universität Groningen laufen zudem. Besonders für die Niederländer sei Geothermie eine wichtige Zukunftstechnologie. „In zehn Jahren gibt es dort kein Erdgas mehr“, sagte Kugland.

In Zukunft soll ein zweiter Geschäftszweig entstehen, der sich mit der sogenannten Hybridisierung von Energiebedarfen befassen soll. Laut Kugland könnten so Lösungen für Unternehmen angeboten werden, die sich aus unterschiedlichen Arten der Energieversorgung zusammensetzten.

Auch Security-Abteilung lässt sich nieder

Wie der Geschäftsführer der Hanrath-Gruppe, Herbert Hanrath, weiter ausführte, werde man sich im Gewerbegebiet nicht nur mit der Geothermie auseinandersetzen, sondern auch die Unternehmensgruppe Security dort ansiedeln. Vom strategisch wichtigen Punkt aus wolle man im Zukunft auch im südlichen Emsland mehr Präsenz zeigen.

Unterstützung beim Vorhaben gab es vom Ersten Kreisrat des Landkreises Emsland, MArtin Gerenkamp sowie dem Dörpener Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken, der stolz darauf sei, dass „führende Wissenschaftler am Projekt mitarbeiteten und somit den Gewerbepark zu Referenzpeojekt mache. Auch die Bürgermeister aus Dersum, Hermann Coßmann und sein Kollegen aus Heede, Antonius Pohlmann, zeigten sich froh über die Entwicklung. Pohlmann betonte, dass der Begriff Geothermie vor fünf Jahren für ihn „nur böhmische Dörfer“ waren. Heute sei ihm das Potenzial der Technologie sehr wohl bekannt.


So funktioniert Geothermie: Durch eine Einlassbohrung wird ein Sand-Wasser-Gemisch geleitet, durch die Auslassbohrung wird es wieder abgeführt. Beide Röhren benötigen eine Tiefe von rund fünfeinhalb Kilometern. Dazwischen wird die Flüssigkeit durch die Erdwärme auf circa 180 Grad erhitzt, die der thermischen Nutzung dient oder – je nach Saison – Strom im Kraftwerk erzeugt. Beides soll möglich sein. Die Grafik oben zeigt, wie die Abläufe für die Stromerzeugung prinzipiell sind. Unabdingbar für diese Prozedur sind Risse im Gestein, damit die Materie durchlässig wird. Im Prinzip entspreche das Vorgehen dem Fracking. Bei der Geothermie werden nach Aussagen Kuglands aber keine aggressiven Chemikalien wie beim Fracking bei der Öl- und Gasförderung verwendet. Auch das Erdbebenrisiko oder Auswirkungen durch Risse sind offenbar kein Thema. Man könne es laut Kugland nie ausschließen, aber man sei sich zu 99,99 Prozent sicher. Dabei greife Kugland zurück auf einen Erfahrungsschatz von 40 Jahren, in denen in der Region bereits unterirdische Förderung betrieben werde. In der Region gab es bisher 36000 Bohrungen. Die gegend sei „durchlöchert wie ein Schweizer Käse“. Kugland sei kein Fall bekannt, in dem Häuser Schaden genommen hätten.

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