Hegeringsleiter schlägt Alarm Jäger befürchten Aussterben von Fasanen im Emsland

Von Christoph Assies


Neulehe. Der Leiter des Hegerings Aschendorf, Josef Schwindel aus Neulehe, schlägt Alarm. Bei mehreren Jagden in den vergangenen Wochen ist kein Fasan mehr gesehen worden. Der Jäger befürchtet ein drohendes Aussterben des Hühnervogels. Die Ursache für den Rückgang des Bestandes ist bisher nicht bekannt.

„Irgendetwas stimmt da draußen nicht“, sagt Schwindel in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Innerhalb der vergangenen Wochenenden hätten fünf Treibjagden stattgefunden. „Wir haben da nicht einen Fasanenhahn gesehen“, erklärt Schwindel. Nur vereinzelt seien Fasanenhennen gesichtet worden. „Das Phänomen, dass Fasane immer weniger zu sehen sind, ist auch in anderen Revieren, nahezu flächendeckend bis hinunter nach Lingen, zu beobachten“, weiß Schwindel.

Spezielle Auswilderung

Erst in diesem Sommer hatte Schwindel mit einer speziellen Auswilderungsmethode begonnen, um wieder mehr Fasane in sein Revier in Neulehe zu bringen. Auf einem Hof in seinem Revier hat er dafür eine spezielle Auswilderungsvoliere gebaut, in der in diesem Sommer insgesamt 45 Fasanenküken aufgezogen und von hier ausgewildert wurden. Sie kamen aus der Umgebung aus zerstörten Fasanennestern. „Die Tiere hier sind an die Reviergegebenheiten und auch an das reviertypische Raubwild angepasst“, erklärt Schwindel. „Die Eier wurden von einer Zwerghenne ausgebrütet, die auch die Mutter ersetzt hat.“

Auswilderung klappte gut

Die Auswilderung hat Schwindel zufolge gut geklappt. Im September seien die Tiere noch in der Nähe der Auswilderungsvoliere gesehen worden. Der Jäger vermutet, dass die schlechteren Lebensräume eine Ursache für das Zurückgehen des Fasanenbestandes ist. „Der optimale Lebensraum des Fasans sind kleine Wiesen, Felder und Feldgehölze. Am wohlsten fühlen sich die Tiere an den Rändern solcher Flächen. Je größer aber Wiesen und Felder werden, desto unwohler fühlen sich die Fasane.“ Er versuche daher immer wieder, Landwirte davon zu überzeugen, am Rande ihrer Felder drei bis vier Meter breite Blühstreifen stehen zu lassen. „Dann können Fasane keine Opfer der Landmaschinen werden und behalten ihre Deckung vor ihren natürlichen Feinden“, so Schwindel. Weitere mögliche Ursachen für das Verschwinden des Hühnervogels könnten seiner Meinung zufolge unbekannte Wirkungen von Pflanzenschutzmitteln und Gärresten und neue Erkrankungen sein.

„Bedrohte Hühnervögel“

Schwindel ist seit 27 Jahren mit fünf weiteren Jägern in Neulehe Revierinhaber und vermutet, dass der Fasan nun vom Aussterben bedroht ist. „Das Birkhuhn ist aus den heimischen Wäldern verschwunden, das Rebhuhn nur noch ganz selten zu sehen und jetzt der Fasan. Ich denke, Fasane sind bedrohte Hühnervögel.“

Wilhelm Klumpe, Vorsitzender der Jägerschaft Aschendorf-Hümmling appelliert an Landwirtschaft und Politik: „Feldrandstreifen sind schon ein guter Ansatz, wo auch einige Kommunen gut mitziehen, aber wir brauchen generell kleinere Äcker. Auf durchgehenden Ackerflächen von bis zu 400 Hektar kann kein Tier mehr vernünftig leben“, sagt Klumpe auf Nachfrage unserer Redaktion.

Seuche ausgeschlossen

Das Problem des sinkenden Fasanenbestandes ist auch Gegenstand eines umfassenden Gutachtens der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover . Ulrich Voigt vom Institut für Wildtierforschung sagte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass seit dem Jahr 2008 der Fasanenbestand in den „typischen Revieren des Tieres“ im westlichen Niedersachsen, Bayern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen „auf Talfahrt“ sei. Klare und eindeutige Ursachen dafür kennt der Diplom-Biologe nicht. „Wir haben Tiere nach verschiedensten Kriterien untersucht. Eine Tierseuche können wir definitiv ausschließen. Ebenso wie ein überdurchschnittliches Sterben durch natürliche Jäger wie Fuchs, Marder oder Dachse. Es sind einfach viele Faktoren, die zusammenspielen“, so Voigt. (Weiterlesen: In Merzen suchen Forscher nach Fasanen)

Es fehlt an Nahrung für Küken

Experten der TiHo vermuten vielmehr eine schlechte Ernährungsgrundlage für die Tiere. „Gerade die Küken ernähren sich in den ersten Wochen nach dem Schlüpfen vor allem von Insekten. Wenn die fehlen oder nicht in der Vielfalt da sind, kommt es zu einer Mangel- beziehungsweise Unterernährung“, erklärt Voigt. Im Umkehrschluss hieße das, Insekten dürften im Revier der Fasane nicht durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder sonstigen Substanzen bekämpft werden. „Wenn das nicht hinzubekommen ist, sehe ich Schwarz für die Zukunft des Fasans“, meint Voigt.


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