Sieben Handlungsbereiche Neubörger gründet Flüchtlingshilfe mit Konzept

Das Bild zeigt die aktiven Mitglieder der Flüchtlingshilfe Neubörger (von links) Hans-Joachim Schmitz, Anne Hörn, Barbara Korte-Terfehr und Kerstin Fischer kurz nach der Gründung ihrer Arbeitsgemeinschaft. Archivfoto: Maike PlaggenborgDas Bild zeigt die aktiven Mitglieder der Flüchtlingshilfe Neubörger (von links) Hans-Joachim Schmitz, Anne Hörn, Barbara Korte-Terfehr und Kerstin Fischer kurz nach der Gründung ihrer Arbeitsgemeinschaft. Archivfoto: Maike Plaggenborg

Neubörger. Sieben Bereiche, sieben Ansprechpartner: Bei der Flüchtlingshilfe aus Neubörger ist an alles gedacht. Wer neu ist in der 1600-Einwohner-Gemeinde, wird begrüßt – auf Plattdeutsch: „Moi, dat i koamt, wi helpt jau!“, aber auch auf Englisch: Refugees welcome. Und dann wird geholfen.

Sie ist noch keine zwei Monate alt, aber das Konzept ist parat für die Praxis: Mitte September hat sich die AG Flüchtlinge der Gemeinde Neubörger getroffen, um Hilfen in sieben Richtungen unter dem plattdeutschen Motto „Moi, dat i koamt, wi helpt jau!“ – „Schön, dass ihr kommt, wir helfen Euch!“ zu kanalisieren. Eine vorangegangene, generelle Bürgerbefragung, an der sich 40 Prozent der Gemeinde beteiligt hatten, habe ergeben, dass die Flüchtlinge ein großes Thema in Neubörger seien. So berichtet es Barbara Korte-Terfehr aus dem Sprecherteam der Initiative. Zwölf Personen – zwischen 16 und weit über 70 Jahren alt – kamen zum Gründungstreffen. Erfahrungen hätten sie dort ausgetauscht und sich gefragt, was sie leisten können und auch: „Wo sind die Grenzen?“, so Korte-Terfehr. Es wurde schnell deutlich: „Wir werden uns nicht um alle kümmern können und konzentrieren uns deshalb auf Familien mit Kindern“, sagt die Sprecherin rückblickend. Inzwischen steht ein Konzept mit sieben Handlungsbereichen und sieben Ansprechpartnern.

Zur Begrüßung ein Willkommenspaket

Aktuell springt die Hilfe zunächst ein, wenn für Neubörger vorgesehene Flüchtlinge in der Gemeinde ankommen. Dort erwartet die Menschen ein Willkommenspaket mit sogenannten praktischen Hilfen. Darin: Dinge wie ein Sprachwörterbuch, ein Busfahrplan und ein Ortsplan, auch Einkaufslisten. Manche Moslems zum Beispiel ernähren sich laut Bürgermeister Heinz-Joachim Schmitz wegen ihres Glaubens „halal“, also „zulässig“ hinsichtlich islamischer Vorgaben. Da werde beim Einkaufen geholfen.

Bisher leben 49 Flüchtlinge in Neubörger, alle seien dezentral – also in Privatwohnungen – untergebracht, so Schmitz, der sagt: „Mir werden immer noch Wohnungen angeboten.“

Sind die Menschen in ihren Wohnungen angekommen, sollen sie – so sie wollen – von Familienpaten unterstützt werden. Kinderbetreuung zum Beispiel soll dabei über einen Zeitraum von mehreren Wochen stattfinden, koordiniert von einer Ansprechpartnerin. So könnten sie etwa ab Mittag nach der Schule stundenweise in Neubörgerer Familien untergebracht werden. Weitere Hilfen sollen Geflüchtete Korte-Terfehr zufolge hinsichtlich Sprache als „zentralem Baustein“ bekommen. Eine Förderung werde unter anderem von pensionierten Lehrern übernommen. Dolmetscher stehen ebenfalls bereit, zum Beispiel ein Arzt aus dem Dorf, der arabisch spricht.

„Wir haben noch ganz viel in der Pipeline“

Der Ansprechpartner für den Handlungsbereich Mobilität vermittelt Autos oder Menschen die sagen: „Ich stelle mein Auto zur Verfügung“, so Terfehr. Wer in der Gemeinde fürs Fahrräderreparieren in Frage kommt, steht auch bereits fest. Fehlt noch die Kleiderkammer. Die solle je nach Bedarf gefüllt sein. „Wir haben gar nicht die Kapazitäten, alles durchzusortieren“, sagt die Flüchtlingshilfesprecherin, die beruflich als Weiterbildungsmanagerin tätig ist. Deshalb startet die entsprechende Ansprechpartnerin gezielte Aufrufe. „Wichtig ist die Struktur“, sagt Schmitz, damit nicht bergeweise gesammelt werde.

Nicht zuletzt ist ein funktionierendes System eine Frage der Kommunikation. Dafür ist Kerstin Fischer, die zusätzlich im Sprecherteam ist, zuständig. Die Rechtsanwältin kümmert sich um die Kommunikation mit der Samtgemeinde, wendet sich bei Anliegen an das Ordnungsamt. Aber auch damit ist das Konzept noch nicht am Ende. „Wir haben noch ganz viel in der Pipeline“, sagt sie. Zum Willkommenspaket solle etwa auch eine Art Verhaltenskodex gepackt werden. „Wir wollen nicht nur wohlgemeinte, naive Begrüßung, sondern auch kommunizieren, dass es auch Regeln gibt, die ein Zusammenleben möglich machen. Den Flüchtlingen solle klargemacht werden: „Ansonsten werdet ihr nicht zurechtkommen“, so Korte-Terfehr.

„Neubörger will kein Vorzeigedorf werden“, sagt Schmitz, aber: „Wir wollen, dass es möglichst Schule macht“, sagt Korte-Terfehr. Einmal im Monat trifft sich die neue Flüchtlingshilfe in Neubörger. Finanziert haben die Ehrenamtlichen sämtliche Kosten bisher aus eigener Tasche. „Geld war bisher noch kein Thema. Die Beträge sind bis jetzt noch sehr überschaubar“. Langfristig aber möchte die Initiative mit Anträgen der Kirchengemeinde Mittel aus dem Bischofsfonds für Flüchtlingshilfe beschaffen.


Welche Kleidung wann und wo benötigt wird, möchte die Flüchtlingshilfe Neubörger mit dem Motto „Moi, dat i koamt, wi helpt jau!“ in den Neubörgeraner Nachrichten bekannt geben. Sie erscheint einmal monatlich. Zusätzlich soll über den Bedarf auch im Kirchenblatt, dem Barbara-Boten, informiert werden. In Kürze werde es eine eigene Webseite geben, die auch über die Seite der Gemeinde Neubörger verlinkt werden soll.

Ansprechpartner für die sieben Handlungsbereiche sind: Willkommenspaket/praktische Hilfen: Adele Lindemann, Telefon 04966/1209; Familienpaten: Julia Achter , Telefon 0170 4928821; Sprache: Christine Telgen, Telefon 04966/295, Dolmetscher: Achim Schmitz, Telefon: 04966/914943; Mobilität: Antonius Ümken, Telefon 0162 9779907; Kommunikation Samtgemeinde: Kerstin Fischer, Telefon 0171 4484784; Kleiderkammer: Monika Wöste, Telefon 04966/969888.

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